HTW schafft Raum für Gründer

HTW schafft Raum für Gründer

Die Uni hat es seit langem, die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) seit gestern auch: ein Gründer-Zentrum, in dem Studenten mit einer Unternehmensidee ihre Firma zum Laufen bringen können.

Ein rund 20 Quadratmeter großer Raum, drei Schreibtische, drei Netzwerk-Anschlüsse in der Wand. Es ist nicht zu viel Raum, über den das junge Unternehmen Familov verfügt. Aber es ist eine gute Startbasis, um die Geschäftsidee ans Laufen zu bringen. Lydie Makamdem und Leonnel Fonkwe, beides Studenten der HTW, hatten schon vor einiger Zeit die Idee, eine Internet-Plattform ins Leben zu rufen, mit der beispielsweise Studenten aus Afrika Lebensmittel in ihrer Heimat für ihre Familien kaufen können. "Viele Studenten schicken Geld nach Hause, um ihre Familien zu unterstützen", sagt Makamdem. Aber die Gebühren dafür seien hoch, und es sei auch nicht sichergestellt, dass von dem Geld wirklich Lebensmittel gekauft werden. Familov bietet nun die Möglichkeit, in Partner-Supermärkten vor Ort Lebensmittel für die Familien zu bestellen, die dann dort abgeholt werden können. Und über die Kooperation mit lokalen Banken ist es auch möglich, das Geld über Familov zu günstigeren Konditionen zu überweisen.

Dass die drei Gründer - mittlerweile ergänzt der Betriebswirtschaftler Lukas Motsch das Team - jetzt mit ihrem Unternehmen an den Markt gehen können, verdanken sie auch der Initiative der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) für ein neues Gründerzentrum.

Gestern ist das Zentrum eingeweiht worden, das künftig auf 350 Quadratmetern Fläche bis zu acht Gründerteams mit bis zu 28 Mitarbeitern Platz bieten soll. Die Idee des neuen Zentrums, das auf dem Innovations-Campus Burbach unweit des Hochschul-Technologie-Zentrums (HTZ) der HTW angesiedelt ist, folgt in etwa dem des Starter-Zentrums der Uni. Die Gründungs-Unternehmen bekommen einige Monate lang mietfrei Räume zur Verfügung gestellt, die sie anschließend zu günstigen Konditionen weitermieten können. Dazu gibt es einen gemeinschaftlich zu nutzenden Konferenzraum ebenso wie weitere 80 Quadratmeter Laborfläche. "Wir brauchen mehr Gründergeist und Unternehmertum im Land", sagte HTW-Rektor Wolrad Rommel gestern bei der Eröffnung des Gründerzentrums. Entscheidend für die Einrichtung des eigenen Zentrums sei auch die Nähe zur Hochschule gewesen: "Die Gründer brauchen häufig die Anbindung und die Zusammenarbeit mit der Hochschule."

Die HTW hat sich bereits vor einigen Jahren auf die Fahnen geschrieben, Gründer stärker zu fördern. Über eine eigene Gründerberaterin, die bei der HTW-Tochter fitt angesiedelt ist, können potenzielle Gründer identifiziert und auf dem Weg zum Unternehmertum begleitet werden.

Neben dem Team von Familov geht das Gründerzentrum schon mit weiteren Unternehmen an den Start. So haben die Unternehmen Qbing Industrial Solution und IBO Räume bezogen. Beide werden durch ein Exist-Stipendium mit insgesamt 235 600 Euro gefördert. Qbing hat Programme zur Produktinformation und Lagerlogistik entwickelt und setzt sie bereits in der Praxis um. IBO bietet eine lizenzfreie Unternehmens-Steuerungs-Software. Dass HTW-Unternehmen von der Exist-Förderung profitieren können, ist auch Verdienst der neuen Existenzgründer-Initiative - noch vor zwei Jahren mussten sie an die Uni wechseln, um die Anträge stellen zu können.

Mt dem Gründerzentrum will die HTW letztlich auch die Erfolgsgeschichte vergangener Gründungen fortschreiten. Denn mehrere bekannte Unternehmen sind aus der Hochschule heraus entstanden, sei es der Windanlagen-Bauer Vensys, der Hydraulik-Spezialist Hydac oder das IT-Unternehmen Orbis.

Meinung:

Ein Schritt für die Zukunft

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Wer im Saarland ein Unternehmen an den Start bringen will, findet grundsätzlich schon gute Voraussetzungen. Sei es die Saarland Offensive für Gründer, seien es die Business Angels oder die vielfältigen Unterstützungen der Hochschulen. Das Gründungszentrum ist ein weiterer richtiger Schritt auf diesem Weg.

Letztlich ist es die Konsequenz aus der Erkenntnis, dass das Saarland nur aus eigenen Kräften wachsen kann. Es ist kaum zu hoffen, dass ein Großunternehmen noch einmal seine Zentrale ins Saarland legen kann. Insofern kann das Ziel nur sein, unterschiedlichste Gründer-Ideen an den Start zu bringen. Immer in der Hoffnung, dass daraus irgendwann ein Großunternehmen wird. Schließlich gibt es einige dieser Erfolgsgeschichten im Land - sei es Nanogate, sei es Inexio , oder die DFKI-Ausgründung Semvox, die auch seit Jahren unaufhaltsam wächst.

HTW-Rektor Wolrad Rommel gestern bei der Einweihungsfeier. Foto: Dietze

Die HTW als Wirtschafts- und anwendungsnahe Hochschule birgt viel Potenzial für Unternehmensgründungen. Je mehr diese auch künftig gefördert und im Land gehalten werden, desto besser für die Zukunft des Saarlandes.

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