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Fachkräftemangel: Hochqualifizierte zieht es aus dem Saarland

Fachkräftemangel : Hochqualifizierte zieht es aus dem Saarland

Für viele Arbeitnehmer mit abgeschlossenem Studium ist das Saarland nicht attraktiv. Bei einer Diskussion ging es um die Gründe.

Um die Zukunft des Saarlandes auf Dauer zu sichern, werden Arbeitskräfte mit einer guten Ausbildung und Fachkenntnissen benötigt. An diesem Punkt sind sich Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer, und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) einig. Doch genau an dieser Art von hochqualifizierten Arbeitskräften mangelt es laut Studien der Arbeitskammer im Saarland: In keinem anderen Bundesland sind von dieser Gruppe so wenige beschäftigt wie hier. Bei einer Podiumsdiskussion sprachen am Montagabend Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die spannende Frage, wie das vom Fachkräftemangel und dem demographischen Wandel besonders gebeutelte Saarland für Hochqualifizierte attraktiver werden könne.

Als hochqualifiziert gilt, wer eine Meisterausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat und bei seiner Arbeit Spezialkenntnisse einbringen muss. Doch gerade solche Menschen verlassen das Saarland, weil sie anderswo bessere Beschäftigungsmöglichkeiten sehen. Rund 2000 Menschen zieht es jährlich weg; die meisten davon sind zwischen 15 und 34 Jahren alt. Wenn es die Saar-Uni nicht gäbe, seien es nach Ansicht der Arbeitskammer noch mehr. Denn sie biete für junge Saarländer eine Bleibeperspektive und fördere gleichzeitig den Zuzug. Zudem trage sie zur Sicherung des Fachkräftebedarfs bei.

Damit die Saar-Uni im Wettbewerb mit anderen ihren Platz halten kann, forderte Uni-Professor Eike-Emrich am Montag, noch vor dem Jahr 2020 mit mehr Geld für die Hochschule gegenzusteuern. Der Sportökonom ist einer der größten Kritiker der Sparpläne an der Saar-Uni. Wirtschaftsministerin Rehlinger meinte, zur Fachkräftesicherung seien nicht nur die Uni, sondern auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und die Akademie der Saar-Wirtschaft gefordert. So lange Großunternehmen wie ZF und Bosch quasi nur eine verlängerte Werkbank im Saarland hätten, sei es nicht verwunderlich, dass junge gute Leute abwanderten, weil sie anderswo bessere Aufstiegsmöglichkeiten sähen. „Wir müssen auch ein bisschen mehr an der Wirtschaftsstruktur arbeiten und uns breiter aufstellen, nicht nur mit Auto- und Stahlindustrie“, sagte Rehlinger.

IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen betonte, das stark exportorientierte Saarland sei nun einmal in erster Linie ein industrieller Produktionsstandort: „Ein Pfund, mit dem wir wuchern können.“ Das Saarland brauche aber insgesamt mehr Wachstum und weniger Steuerbelastungen, um attraktiver zu werden. Eine Riesenchance zur Standortsteigerung, da war sich Klingen mit Ministerin Rehlinger einig, biete das neue Helmholtz-Institut für IT-Sicherheit mit 500 und mehr Arbeitsplätzen. DGB-Landeschef Eugen Roth (SPD) meinte: „Helmholtz ist gut, aber das alleine reicht nicht.“ Für ihn stelle sich auch die Gerechtigkeitsfrage, ob jemand durch Leistung an akademischer Hochschulausbildung teilnehmen könne oder nicht. Von der Schuldenbremse halte er nichts: „Da muss man noch mehr Geld reinstecken.“ Auch für die Arbeitskammer ist im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte eine bessere Aus- und Weiterbildung der Schlüsselfaktor.

„Dafür müssen aber langfristig die Bedingungen stimmen“ betonte Thomas Otto. Diese Bedingungen hängen nach Ansicht der Arbeitskammer stark mit der wahrgenommenen Arbeitsqualität zusammen. Für die Arbeit im Saarland sprechen für die meisten Hochqualifizierten private Gründe und regionale Verbundenheit, nicht aber die Arbeitsqualität. Besonders beim Einkommen und bei den Aufstiegsmöglichkeiten sehen sie Nachholbedarf.