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Herbstprognose geht von geringeren Corona-Schäden für Wirtschaft aus

Herbstprognose des Bundes : Einbruch könnte kleiner als befürchtet sein

Laut der Herbstprognose der Bundesregierung hat die Corona-Krise wohl geringere Folgen für die deutsche Wirtschaft als bisher angenommen.

Dank eines überraschend starken Wachstums im dritten Quartal könnte der wirtschaftliche Einbruch in Deutschland 2020 weniger dramatisch ausfallen als ursprünglich befürchtet. Im kommenden Jahr wird gar eine deutliche Konjunkturbelebung erwartet. Das geht aus der Herbstprognose der Bundesregierung hervor. Nachfolgend die Schätzung im Detail, die am Freitag von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin vorgestellt wurde.

Wie sieht die Prognose konkret aus?

Für das laufende Jahr beziffert die Regierung das durch Corona bedingte Minus beim Bruttoinlandsprodukt „nur“ noch mit 5,5 Prozent. Anfang September war sie noch von minus 5,8 Prozent ausgegangen, im April sogar von minus 6,3 Prozent. Grund für den weniger drastischen Abschwung ist die unerwartet kräftige Belebung der Wirtschaft in den Monaten Juli bis September. Hier gab es ein Plus von 8,2 Prozent. Im Quartal davor war die Wirtschaft wegen des damals verhängten Shutdowns um 9,8 Prozent eingebrochen. Für 2021 geht die Regierung unverändert von einem deutlichen Zuwachs in Höhe von 4,4 Prozent aus.

Welche Rolle spielt der neue Lockdown?

Nach den Worten Altmaiers sind die gerade erst beschlossenen Einschnitte in der Gesamtprognose schon berücksichtigt. Um die rasant steigende Kurve bei den Neuinfektionen wieder abzuflachen, müssen ab Montag Gaststätten, Kulturbetriebe und andere Einrichtungen für den gesamten November schließen. Im vierten Quartal wird daher nur noch ein Mini-Plus von 0,4 Prozent erwartet. Ohne den Teil-Lockdown hätte die Wirtschaft von Oktober bis Dezember laut Altmaier um 1,1 Prozent, also fast dreimal so stark zugelegt. Allerdings wird der Verlust durch die schon erwähnte Rekordbelebung im dritten Quartal (plus 8,2 Prozent) mehr als ausgeglichen. Das sei „Polster und Puffer“, sagte Altmaier.

Was ist für den Arbeitsmarkt zu erwarten?

Die jüngsten Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass der deutsche Arbeitsmarkt bislang vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist. Im Oktober ist die Zahl der Erwerbslosen gegenüber dem Vormonat sogar um fast 100 000 auf 2,76 Millionen gesunken. Für 2021 wird ein weiterer Rückgang erwartet. Im Jahresdurchschnitt sind es dann noch 2,6 Millionen Arbeitslose. Die Regierung setzt dazu vor allem auf den erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld, der noch bis zum März 2022 gilt.

Wie steht es um den privaten Konsum?

Von der Binnennachfrage sind zumindest in diesem Jahr keine wirtschaftlichen Impulse zu erwarten. Laut Herbstprognose gibt es hier ein sattes Minus von 6,9 Prozent. Und das, obwohl die verfügbaren Einkommen nicht zuletzt durch die Regelungen beim Kurzarbeitergeld insgesamt kaum gesunken sind. Im zweiten Quartal betrug der Rückgang lediglich rund ein Prozent, gemessen am gleichen Vorjahreszeitraum. Umgekehrt legt die private Sparquote von zehn auf 14 Prozent zu, was auf eine große Verunsicherung der Verbraucher schließen lässt.

Welche Risiken birgt die Prognose?

„Das ist eine schwierige Zeit auch für Prognostiker“, räumte Altmaier mit Blick auf die Pandemie ein. Nur wenn es gelinge, die Zahl der Neuinfektionen wieder einzudämmen, könne ein „schwerer Schaden für Unternehmen und Beschäftigte verhindert werden“, betonte der Minister. Gleichwohl ist er optimistisch, dass Deutschland möglicherweise schon zum Jahreswechsel 2021/2022 ökonomisch wieder auf Vorkrisenniveau ist. Dazu verwies er auch auf die Hilfsprogramme der Regierung, um die Folgen der Pandemie wirtschaftlich und sozial abzufedern. Allein für die Unternehmen, deren Geschäfte im November zum Erliegen kommen werden, ist eine Unterstützung von bis zu zehn Milliarden Euro vorgesehen.