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Hans Michelbach (CSU) ist gegen Frauenquote in Firmen-Vorständen

Interview mit Hans Michelbach : „Werden alles dafür tun, um diese Vorstandsquote zu verhindern“

Der CSU-Wirtschaftsfachmann kritisiert die Frauenquote für Firmen-Vorstände. Er fürchtet, dass Unternehmen zu stark eingeengt werden könnten.

Der Beschluss einer Arbeitsgruppe von Union und SPD zur Einführung einer Frauenquote in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen stößt beim Wirtschaftsflügel der Union auf Widerstand. Der Vizechef des Parlamentskreises Mittelstand, Hans Michelbach (CSU), warnte im Gespräch mit unserer Zeitung vor einer wirtschaftlichen Überregulierung.

Herr Michelbach, warum stört sich der Wirtschaftsflügel der Unionsfraktion an dieser Quote?

MICHELBACH Wir sehen die Vereinbarung der Arbeitsgruppe sehr kritisch, denn in guten Unternehmen wird die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau schon lange großgeschrieben. Dabei muss aber immer nach Kompetenz entschieden werden. Ich habe selbst zwei Töchter, die erfolgreich im Arbeitsleben stehen. Die wollen beide nach ihren Leistungen beurteilt werden und nicht nach Quote.

Sie halten die Regelung für unnötig?

MICHELBACH Ja. Man kann in einer freiheitlich sozialen Marktwirtschaft nicht alles regulieren wollen und die Unternehmen in ihren Entscheidungen damit immer stärker einengen. Häufig findet sich ja auch keine Bewerberin für einen Vorstandsposten. Trotzdem wäre die Firma dann daran gebunden. Ein unauflösbares Dilemma.

Die Vorgabe soll aber ohnehin nur für etwa 70 große Unternehmen gelten. Kritiker aus dem linken Spektrum halten sie deshalb auch für völlig unzureichend.

MICHELBACH Genau das befürchten wir: dass es sich bei der Vorgabe nur um eine Hintertür handelt, durch die die Quote dann auf immer mehr Betriebe ausgeweitet wird. Am Ende sind auch die mittelständischen Unternehmen betroffen und nicht mehr nur die großen Aktiengesellschaften.

Für Aufsichtsräte von Unternehmen gilt bereits seit 2016 eine Frauenquote. Seitdem ist sie von elf auf gut 30 Prozent gestiegen. Spricht das nicht doch für eine gesetzliche Regelung?

MICHELBACH Ich glaube, schon die ganze Diskussion hat dazu geführt, dass Betriebe die Gleichberechtigung auch ohne strenge Regulierung beherzigen. Richtig ist, dass bei der Besetzung von Posten der Sachverstand maßgebend sein muss und nicht eine Geschlechterquote.

Alle freiwilligen Verpflichtungen zur Erhöhung des Frauenanteils auch in Vorständen haben aber kaum etwas gebracht. Die Quote liegt nur bei knapp acht Prozent.

MICHELBACH Zweifellos muss die Entwicklung hier stärker vorankommen. Ich bin zuversichtlich, dass wir da ohne gesetzliche Quote weiter gut vorankommen werden. Wir sehen heute schon, dass immer mehr Frauen wegen ihrer Qualifikation in Leitungspositionen aufrücken. Aber es gehört eben auch zur Realität, dass es eine Weile braucht, bis gut qualifizierte Leute – egal ob Frauen oder Männer – in den Hierarchien aufrücken. Das ist ein Generationenumbruch. Und der hat doch schon lange begonnen.

Wie soll es jetzt weitergehen?

MICHELBACH Ich setze mich dafür ein, dass die Unionsfraktion den Beschluss der Arbeitsgruppe zum Anlass für eine grundsätzliche Diskussion nimmt. Die Union hat schon zu viele Grundsatzpositionen einem wankelmütigen Zeitgeist geopfert. Wir brauchen ein Stoppschild, um die freiheitlich soziale Marktwirtschaft nicht durch noch mehr Überregulierung infrage zu stellen. Deshalb werden wir alles dafür tun, um diese Vorstandsquote zu verhindern.