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Hamsterkauf im Supermarkt: Nach Öl und Mehl – Werden nun diese Produkte knapp?

Wegen Ukraine-Krieg : Nach Öl und Mehl: Werden nun die nächsten Lebensmittel knapp und teuer?

Wer derzeit Speiseöl oder Mehl kaufen will, steht im Supermarkt oftmals vor leeren Regalen. Jetzt könnten die nächsten Lebensmittel knapp und teuer werden.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass sich der Speiseölumsatz im März um zwischenzeitlich 73 Prozent gesteigert hat. Hamsterkäufe angesichts des Ukraine-Kriegs sorgen demnach für leere Supermarktregale - nicht nur bei Sonnenblumenöl. Auch Raps- und Olivenöle in günstigeren Preissegmenten werden derzeit häufig nachgefragt. „Hätten nicht alle so gehamstert, wäre jetzt noch genügend da“, so Christof Lonsdorfer, Geschäftsführer einer Edeka-Filiale in Saarbrücken im März gegenüber der Saarbrücker Zeitung.

Mittlerweile werden offenbar auch Nachlieferungen von den starken Vorratskäufen beeinflusst. Mehl komme nur noch sporadisch nach, und auch bei Sonnenblumenöl werde nur in geringen Mengen nachgeliefert, teilte Lonsdorfer mit. Die Situation scheint in allen Supermärkten vergleichbar zu sein. Um die unnötigen Hamsterkäufe zu unterbinden, wurden vielerorts Mengenbegrenzungen pro Haushalt eingeführt.

Nudelhersteller kämpfen mit hohen Kosten und wollen Preise erhöhen

Der Krieg in der Ukraine hat laut dem Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) auch massive Auswirkungen auf die Teigwarenhersteller in Deutschland. Der Krieg habe die durch die Corona-Pandemie ohnehin schon angespannte Lage nochmals verschärft, teilte Peter Haarbeck, Geschäftsführer des VGMS, der Deutschen Presse-Agentur mit.

Betroffen seien die Energieversorgung, Rohstoffbeschaffung, Verpackung und Logistik. Die Unternehmen müssten die gestiegenen Kosten bei ihrer Preisfindung berücksichtigen, andernfalls wäre ihr Fortbestehen nicht möglich, so Haarbeck. Wie hoch die Preiserhöhungen am Ende ausfallen, könne er nicht sagen.

„Da auch wir schon jetzt höhere Preise für unsere hochwertigen Rohstoffe bezahlen müssen, ist eine Preiserhöhung unumgänglich“, teilte eine Sprecherin des schwäbischen Maultaschen- und Spätzleproduzenten Bürger mit. Das Unternehmen aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) befinde sich momentan in Preisverhandlungen mit seinen Handelspartnern. Rohwaren, Verpackungsmaterialien, aber auch die Transportkosten stiegen extrem. Lieferanten seien aktuell schon nicht mehr in der Lage, Bürger zu den vereinbarten Konditionen zu beliefern, so die Sprecherin.

Ein ähnliches Bild zeichnet Mike Hennig, Geschäftsführer von Teigwaren Riesa. Der Konflikt in der Ukraine und die damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Auswirkungen dramatisierten die aktuelle Lage erheblich. Das Unternehmen aus Riesa (Kreis Meißen) werde auf die aktuellen Entwicklungen reagieren müssen, um die Krise zu überstehen. „Unsere Kunden und Verbraucher müssen mit höheren Preisen für Lebensmittel rechnen“, so Geschäftsführer Hennig.

Nach Öl und Mehl: Nudeln könnten als nächstes knapp werden

Nudeln würden aus Hartweizengrieß hergestellt, erklärte VGMS-Geschäftsführer Haarbeck. Anders als beim Weichweizen sei Deutschland beim Hartweizen auf Importe angewiesen. Für die globale Versorgung mit Hartweizen spielten Russland und die Ukraine jedoch keine große Rolle. Dennoch gebe es Probleme mit der Versorgung von Hartweizen. So sei die Ernte in Kanada, dem wichtigsten Exporteur, im vergangenen Jahr nach einem sehr heißen und trockenen Sommer stark zurückgegangen. Die allgemeine Verunsicherung auf den Rohstoffmärkten und die hohe Nachfrage nach Getreide insgesamt hätten nun auch den Preis für Hartweizen steigen lassen - wenn auch bei weitem nicht so stark wie beim Weichweizen.

Derzeit kämen die Teigwarenhersteller kaum hinterher, die Nachfrage aus dem Einzelhandel zu bedienen. „Wie zu Beginn der Pandemie kaufen die Menschen große Mengen Nudeln, weil sie sehr gut lagerfähig sind“, sagte Haarbeck. Die Versorgung sei sichergestellt, kauften die Menschen aber weit mehr als notwendig, bringe das die Logistik von den Herstellern bis zum Supermarkt an den Rand ihrer Kapazitäten.

Milch und Butter werden im Sommer teurer

Nach den jüngsten Preiserhöhungen dürften Milchprodukte nach Einschätzung der Molkereiwirtschaft bald noch teurer werden.

„Die Verbraucher hat erst ein Teil der Preiserhöhungen erreicht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbands, Eckhard Heuser, dem „Handelsblatt“. Die Großhandelspreise hätten schon viel kräftiger angezogen, kämen aber erst gegen Sommer bei den Konsumenten an. „Der Liter Milch geht auf jeden Fall über einen Euro“, schätzte Heuser. Bei Butter rechnete er mit zehn Cent mehr pro Packung.

Auch Senf könnte noch 2022 knapp werden

Fast 80 Prozent der hierzulande importierten Senfsaaten kommen aus Russland und der Ukraine. Bereits jetzt sei eine Rohstoffverknappung festzustellen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbandes Kulinaria, Markus Weck, der “Welt“ am 21. März. Stefan Durach, Präsident von Kulinaria Deutschland, rechnet mit Rohstoffengpässen und Lieferausfällen. Diese könnten allerdings nicht „ohne Weiteres aufgefangen werden“, warnt Durach.

Die Vorräte in den Silos der Hersteller reichten je nach Unternehmen noch für einige Wochen oder Monate. Schwierig werde es dann aber in der zweiten Jahreshälfte 2022 und im ersten Halbjahr 2023. Zwar werden Senfsaaten auch regional in Deutschland angebaut. Das Volumen sei allerdings überschaubar, sagte Weck weiter.

Die prekäre Lage auf dem Senfmarkt wird durch Hamsterkäufe weiter verschärft. Deshalb hat der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) bereits alle Kunden dazu aufgerufen, keine Hamsterkäufe zu tätigen.