Große Herausforderung für Warenhaus-König Benko

Einzelhandel : Große Herausforderung für Warenhaus-König Benko

Es war ein Coup, als bekannt wurde, dass der österreichische Investor René Benko sich für rund eine Milliarde Euro die alleinige Macht bei Deutschlands letztem verbliebenen Warenhauskonzern sichert.

Doch die eigentliche Herausforderung steht ihm erst bevor. Der Selfmade-Milliardär muss nun beweisen, dass er dem totgesagten Warenhausgeschäft neues Leben einhauchen kann. Es ist eine Mammutaufgabe. Denn seit Jahrzehnten geht es mit den Warenhäusern in Deutschland nur noch bergab. Der Marktanteil der Branche – in den Wirtschaftswunderjahren noch bei bis zu 15 Prozent – ist auf unter drei Prozent geschrumpft. Online-Handel, Einkaufscenter und veränderte Einkaufsgewohnheiten forderten ihren Tribut.

Benko ist dennoch zuversichtlich, den Abwärtstrend zu stoppen. „Man kann das Geschäft nicht nur retten, sondern sogar ausbauen“, sagte er nach dem Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt dem „Handelsblatt“. Damals sicherte er sich die Mehrheit von 50,01 Prozent am neuen Warenhausriesen. Der Rest blieb beim bisherigen Kaufhof-Eigentümer Hudson‘s Bay Company (HBC). Nur knapp sieben Monate später übernimmt Benko nun auch die restlichen Anteile am Unternehmen und den Immobilien.  Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein bewertet den Schritt positiv: „Der Komplett-Rückzug von HBC erhöht die Chancen auf eine Sanierung.“

Doch sind die Herausforderungen nach wie vor groß: Benko und Karstadt-Chef Stephan Fanderl müssen nicht nur eine Antwort auf den Siegeszug des Online-Handels und die rückläufigen Besucherzahlen in den Innenstädten finden. Auch die Zusammenführung der Kulturen in den über Jahrzehnte hinweg rivalisierenden Unternehmen ist eine schwierige Aufgabe. Krach gibt es auch mit der Gewerkschaft Verdi. Sie bemängelt das Fehlen eines „überzeugenden Zukunftskonzepts“ für die Warenhäuser. Schließlich schrieben zuletzt sowohl Kaufhof als auch Karstadt rote Zahlen.

Der Zusammenschluss gilt als letzte Chance für das in die Jahre gekommene Geschäftsmodell Warenhaus – vorausgesetzt es gelingt, die Stärken von Karstadt und Kaufhof zu vereinen. Bei Karstadt gelang es Fanderl bereits, die Kosten deutlich zu senken. Nun ist er dabei, das Gleiche bei Kaufhof zu tun.

Der Kaufhof hat zwar in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht, doch hat er auch gezeigt, wie man Warenhäuser attraktiver machen kann: Etwa durch Kooperationen mit Modemarken, die eigene Flächen betreiben.

Handelsexperte Heinemann ist jedenfalls davon überzeugt, dass derartige Konzepte in Benkos Zukunftsplänen eine große Rolle spielen werden. „Der Trend wird wohl in Zukunft weiter in diese Richtung gehen“, sagt er.

(dpa)
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