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Saarländer in Reiselaune : Politischer Stress dämpft die Reiselust kaum

Auch wenn sich die Ferienziele wegen politischer Krisen – siehe Türkei – ändern, verzichten die wenigsten Saarländer auf das Reisen.

Anschläge, Waldbrände und politische Spannungen haben die Reisegewohnheiten der Saarländer in den vergangenen Monaten verändert. Die verschärften Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei haben die Saarländer verunsichert und ihre Reiselust in diese Region zwischenzeitlich gedämpft. Ebenso verhält es sich mit Anschlägen in beliebten Urlaubsgebieten wie Ägypten im vergangenen Jahr.

Das bestätigen auch einige Geschäftsführer saarländischer Reisebüros unserer Zeitung. Christian Kohl, Inhaber des Reisebüros „Dein Urlaub“ in Blieskastel, sagt, dass für viele die Türkei als Urlaubsziel nicht mehr in Frage komme. Der Rückgang liege bei den Türkei-Buchungen sogar bei etwa 90 Prozent: „Viele sagen bereits zu Beginn, dass sie nicht in die Türkei wollen. Da können die Preise noch so niedrig sein.“ Doch wer einmal gebucht hat, springt selten ab. Nachdem das Auswärtige Amt bei Türkei-Reisen zu erhöhter Vorsicht mahnte, habe es in einigen Tui-Filialen kurzfristig einen Anstieg von Umbuchungen und Stornierungen gegeben, sagt Alexandra Wallendschus, Pressesprecherin von Tui Deutschland. Mehr sei aber auch nicht passiert.

Auf der anderen Seite beeindrucken und beeinflussen politische Verstimmungen das Reisevolk offenbar nur kurzfristig. Nach der anfänglichen Vorsicht kann auch die Türkei anscheinend wieder aufatmen. Stefan Schmidt, Geschäftsführer des Reisebüro Schmidt in Saarlouis, ist selbst überrascht, dass sich seine Kunden nach den Ereignissen in der Türkei kurzfristig wieder verstärkt für Reisen in das Land am Bosporus interessierten: „Wer mit seiner Familie all-inclusive verreisen möchte, der kommt preislich nicht um die Türkei herum.“ Auch eine Befragung der Konsumforschungsgesellschaft GfK für den Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) zeichnet ein vorsichtig positives Bild für den Türkei-Tourismus, da die kurzfristigen Buchungen für das Land etwas angestiegen seien.

Grundsätzlich ist die Reiselust jedoch ungedämpft – trotz der einen oder anderen Verunsicherung.  Auch das ist die Erfahrung von Reisebüro-Managern. Die Saarländer wären im Gegenteil bereit, mehr Geld für ihren Urlaub auszugeben, bestätigt Wallendschus: „Im Sommer 2016 gaben sie durchschnittlich 833 Euro für eine Reise aus. In diesem Jahr investieren sie etwa fünf Prozent mehr.“

Das bestätigt auch die Befragung der GfK-Konsumforscher für den  (BTW). Danach ist die Reiselaune der Deutschen nach einem Stimmungstief wieder auf Kurs. In den ersten vier Monaten des Jahres waren die Bürger der  GfK-Umfrage zufolge etwa 395 Millionen Tage unterwegs. Das ist rund ein Prozent mehr als im Vorjahr.

BTW-Präsident Michael Frenzel hofft, dass dieser Reise-Aufschwung bis zum Jahresende anhält. Der Trend gehe dabei weg von zweiwöchigen Urlauben hin zu Zehn-Tages-Trips. „Die Urlaubsdauer hat sich verkürzt. Eine Woche ist zu kurz und zwei Wochen sind vielen zu lang“, sagt Annette Simons, Geschäftsführerin des Reisebüros Avanti in Saarbrücken.

Einige Länder profitieren von den unsicheren Verhältnissen in der Türkei und Nordafrika. Auf Platz eins stehe unumstritten Spanien gefolgt von Griechenland, gaben die Reisebüros an. Spanien locke Touristen mit einem bestimmten Kriterium über die Grenze, vermutet Stefan Schmidt: „Das Land ist sicher!“ Reisende hätten bei Spanien einfach das Gefühl, dass ihnen dort weniger passieren kann. Mit der hohen Nachfrage seien auch die Preise gestiegen. „Reisen nach Spanien sind in den vergangenen Monaten um zehn bis 15 Prozent teurer geworden“, sagt Schmidt.

Nicht nur politische Spannungen lassen Urlauber ihre Pläne überdenken, auch Waldbrände, die in einigen südeuropäischen Urlaubsgebieten wüten, wie beispielsweise in Portugal und Kroatien, verunsichern einige Reisende. Aufgrund der Gefahr, die von Waldbränden ausgeht, hätten Tui-Urlauber zwar in den Reisebüros angerufen, aber keine Umbuchungen vorgenommen, sagt Wallendschus.

Der Trend für die Herbstferien zeichnet sich nach Aussagen der Reisebüros ebenfalls bereits ab. Gefragt seien Spanien, Griechenland und Österreich, aber auch exotische Länder. „Reisen in die Karibik und nach Mauritius werden wieder verstärkt nachgefragt“, sagt Kohl. Der Grund hierfür sei einfach: der Preis. „Im Vergleich zu den gestiegenen Preisen am Mittelmeer sind solche Langstreckenflüge relativ günstig“, fügt Kohl hinzu. Auf Grund der hohen Nachfrage für Reisen nach Spanien und Griechenland, empfehlen die Reisebüroinhaber, sich rechtzeitig zu informieren, bevor das Wunschdatum ausgebucht ist.

(dpa)
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