Globuli auf Kassenkosten

Ausgaben für freiwillige Leistungen haben sich seit 2012 fast verdoppelt.

Die gesetzlichen Krankenkassen geben immer mehr Geld für freiwillige Leistungen aus. 1,5 Milliarden Euro sind dafür nach Angaben der Bundesregierung im vergangenen Jahr zu Buche geschlagen. Das entspricht einem Anstieg von 94 Prozent. Die Gesundheitsfachfrau der Linken, Birgit Wöllert, die die Daten angefordert hatte , hält diese Entwicklung für problematisch: "Viele dieser Leistungen sind medizinisch nicht notwendig und im Nutzen zweifelhaft".

Wöllert hat dabei insbesondere die homöopathischen Mittel im Blick, die sich offenbar großer Beliebtheit erfreuen. Experten gehen davon aus, dass 60 Prozent der Deutschen darauf zurückgreifen. Während Nutzer darauf schwören, halten Kritiker sie für Mumpitz.

Wie hoch der Anteil der Homöopathie an den freiwilligen Kassenleistungen ist, lässt die Bundesregierung mit Verweis auf fehlende Statistiken offen. Berichten zufolge sollen jedoch etwa zwei Drittel der insgesamt noch 113 gesetzlichen Krankenkassen entsprechende Therapien bezahlen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) warnte gleichwohl davor, die freiwilligen Offerten "allein auf eine Diskussion um Homöopathie zu verkürzen". Darunter seien auch schon zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder wie die U7a oder das Hörscreening bei Neugeborenen gefallen, sagte eine GKV-Sprecherin.

Die Kassen haben die Möglichkeiten für zusätzliche Angebote im Jahr 2012 deutlich ausgeweitet. Darunter fallen zum Beispiel auch bestimmte zahnärztliche Behandlungen, eine erweiterte Nutzung von Haushaltshilfen bei Krankheit sowie die Versorgung mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Die Freigebigkeit mag auch der aktuell guten Finanzlage der gesetzlichen Kassen geschuldet sein. Aktuell verfügen sie über Reserven von rund 16 Milliarden Euro.