GIU aus Saarbrücken erwirtschaftet erstmals schwarze Zahlen

Flächenerschließung in Saarbrücken : Immobilien-Lastesel verdient sich Futter selbst

Die Saarbrücker Grundstücks-Erschließungsgesellschaft GIU erwirtschaftet in ihrer 34-jährigen Geschichte erstmals schwarze Zahlen.

Die Unternehmensgruppe GIU, eine Tochterfirma der Stadt Saarbrücken, war lange Jahre der Pack- und Lastenesel der Landeshauptstadt, wenn es darum ging, alte  Industriebrachen wieder herzurichten, dort neues Gewerbe ansiedeln und damit den Quartieren neues, zeitgemäßes Leben einzuhauchen.

2017 war für die GIU-Gruppe das Jahr der großen Zäsur. Erstmals in ihrer Geschichte schrieb die Gesellschaft, die 45 Mitarbeiter beschäftigt, schwarze Zahlen – mehr als 200 000 Euro. Ein Jahr zuvor standen noch 800 000 Euro minus in den Büchern. Laut Wirtschaftsplan sollten Gewinne erst im Jahr 2022 erwirtschaftet werden. Die Verluste wurden stets über die Kapitalrücklagen ausgeglichen.

Hinter der Abkürzung GIU verbirgt sich die „Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung“, die in ihrer 34-jährigen Geschichte einiges bewegt hat: Den Anfang machte 1985 das Saarbrücker Innovations- und Technologiezentrum (SITZ) im Stadtteil Burbach, wo sich vorher eine Industrie-Ruine ausbreitete. Heute befindet sich dort der Innovationscampus Saar mit zahlreichen Firmen und Forschungsinstituten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die größte Herausforderung, die der GIU übertragen wurde, war vor 23 Jahren jedoch die Revitalisierung der Industriebrache  Burbacher Hütte. Sie beseitigte die Altlasten und formte das Areal zu den Saarterrassen um, wo sich seitdem zahlreiche Firmen niedergelassen haben. Ein weiteres großes Projekt war die Revitalisierung des Geländes, auf dem die Deutsche Bahn jahrzehntelang ein Ausbesserungswerk (AW) betrieben hatte. In den alten Industriehallen des AW Burbach befindet sich heute ein Handwerkerzentrum.

Wer solche und andere Projekte vorfinanziert, braucht Geld – viel Geld.  Die Schulden wuchsen der GIU anfangs über den Kopf und zwangen die Stadt Saarbrücken als ihren Eigentümer zum Handeln. Vor etwa zehn Jahren erhielt  die GIU eine Kapitalspritze von 50 Millionen Euro. „Daran war allerdings die Bedingung geknüpft, dass wir danach auf Dauer überlebensfähig sind“, erinnert sich Jürgen Schäfer, der damals schon GIU-Chef war und heute zusammen mit Michael Sponholz die Geschäfte führt.

Die Geschäftsführer erklären den positiven Ertrags-Trend, der 2017 in schwarzen Zahlen mündete und sich schon seit Jahren abzeichne, mit den erweiterten Tätigkeitsfeldern, die die GIU inzwischen und auf eigene Rechnung bearbeitet. Das ist zum einen  Flächenentwicklung. So hat das Unternehmen innerhalb des Stadtgebiets Saarbrücken einige Wohngebiete erschlossen, „wo die Nachfrage das Angebot erheblich übertroffen hat, so dass wir die Grundstücke zum Teil verlosen mussten“. Hier will man weiter tätig sein, „da städtischer Wohnraum in der Landeshauptstadt immer stärker nachgefragt wird“, sagt Sponholz. Allerdings werde die Erschließung immer schwieriger, „weil die Bewohner der benachbarten Quartiere Widerstand organisieren“, klagt Schäfer.

Dennoch sieht sich die Gesellschaft auf dem richtigen Weg. Denn die GIU erschließt  nicht nur die Flächen, sondern baut und verkauft auch Wohnungen oder Häuser  schlüsselfertig. Für Gewerbekunden  errichtet sie als Bauträger immer öfter eigene Gebäude, die auf die  Vorgaben der künftigen Mieter zugeschnitten werden. Ein Beispiel hierfür ist das neue Service-Gebäude des Automatikgetriebe-Bauers ZF an der Goldenen Bremm in unmittelbarer Nähe zur deutsch-französischen Grenze.

Ein Leuchtturm-Projekt der GIU aus jüngster Zeit ist das Areal des Saarbrücker Eurobahnhofs, dessen Erschließung vor sieben Jahren beendet wurde. „Inzwischen gibt es kein freies Grundstück mehr, so dass der Eurobahnhof in absehbarer Zeit komplett zugebaut ist“, sagt Schäfer. Zu den Mietern in den von der GIU errichteten Gebäuden gehören unter anderem der Regionalverband Saarbrücken, aber auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV).

Die GIU-Geschäftsführer Jürgen Schäfer und Michael Sponholz (von links). Foto: Warscheid

Inzwischen ist die Gesellschaft auch als Berater für andere Kommunen tätig, wenn  Konzepte für die Innenstadt-Entwicklung angefordert werden. Als Beispiel nennt Sponholz die Chemiestadt Ludwigshafen, aber auch die Saar-Kommunen Bexbach, Heusweiler und Völklingen. Darüber wurde der GIU die Projektsteuerung für den Umbau des Ludwigspark-Stadions und der Sportstätten des Saarbrücker Traditionsvereins ATSV übertragen.  Zudem sorgt die GIU dafür, dass es trotz der Sanierung der Wilhelm-Heinrich-Brücke in der Saarbrücker Innenstadt derzeit nicht zum Verkehrschaos kommt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung