Kohlebergbau: Genug Kohle für die Zeit nach der Kohle

Kohlebergbau : Genug Kohle für die Zeit nach der Kohle

Die RAG-Stiftung hat ein Rekordergebnis von 430 Millionen Euro eingefahren. Ins Saarland flossen zuletzt drei Millionen.

Wenige Monate, bevor mit Prosper Haniel die letzte deutsche Zeche schließt, sieht sich die RAG-Stiftung gut gerüstet für die Zeit nach dem Bergbau. Sie konnte ihre Rückstellungen für die Ewigkeitslasten im vergangenen Jahr um die Rekordsumme von 431 Millionen auf 5,27 Milliarden Euro erhöhen. Ab 2019 muss die Stiftung rund 220 Millionen Euro pro Jahr für Ewigkeitsaufgaben wie das Abpumpen der Gruben aufwenden. „Ich bin Bergmann. Und als solcher stehe ich dafür ein, dass der öffentlichen Hand die Kosten für die Ewigkeitslasten auf Dauer erspart bleiben werden“, sagte der neue Stiftungs-Chef Bernd Tönjes. Er war bis vor kurzem Chef des Zechenkonzerns RAG und löste Werner Müller an der Spitze der Stiftung ab, als dieser seine Ämter wegen einer schweren Erkrankung niederlegen musste.

Den größten Beitrag zum Stiftungsgewinn lieferte wie in den Vorjahren Evonik ab. Der Chemiekonzern zahlte 364 Millionen Euro Dividende an die Stiftung. Tönjes erwartet, dass dies so weiter geht. „Evonik soll profitabel wachsen und verlässlich Dividende zahlen.“ Nicht zufrieden ist er mit der Kursentwicklung: „Da ist noch Luft nach oben.“ Die Stiftung hält knapp 68 Prozent an Evonik. Müller hatte einst als Ziel den Aufstieg in den Dax ausgegeben. „Vom Umsatz her ist Evonik ein Dax-Konzern, doch der Dax ist kein Selbstzweck“, sagte Tönjes. „Das wichtigste ist für uns eine verlässliche Dividende.“

Die Stiftung erzielt auch Einnahmen aus Kapitalanlagen und  Beteiligungsgesellschafts-Aktivitäten. Insgesamt 67 Millionen Euro lieferte diese Sparte bei der Stiftung ab, wie Helmut Linssen, Finanzchef der RAG-Stiftung, erläuterte. „In den Kapitalanlagen haben wir eine Rendite von 6,3 Prozent erzielt.“ Ab 2019 muss die Stiftung die Rechnungen des Zechenkonzerns RAG für die Wasserhaltung zahlen.

Schon jetzt verwendet sie einen Teil ihrer Einnahmen zur Förderung der Bergbau-Regionen. Im vergangenen Jahr gab die Stiftung 13,5 Millionen Euro aus, davon knapp drei Millionen Euro im Saarland. „Wir fördern in Absprache mit der saarländischen Landesregierung und nur das, was auch diese für förderungswürdig hält“, sagte Personal-Vorstand Bärbel Bergerhoff-Wodopia. Auf die Frage, warum die Stiftung denn keine Wegsanierung (wie in der Nähe der ehemaligen Grube Itzenplitz) finanziere, sagte sie: „Wir fördern Kultur, Bildung und Wissenschaft, aber keine Infrastruktur.“ Zur weitergehenden Förderung des Erlebnisbergwerks Velsen sei man in Abstimmung mit dem Land. Den Förderantrag zum dokumentarischen Film „Das Statut“ werde man prüfen, er läge erst seit kurzem vor. Der Film befasst sich damit, was aus dem Saarland geworden wäre, wenn das Saar-Statut nicht abgelehnt worden wäre.

Das Vermögen der Stiftung sei mittlerweile auf 17,3 Milliarden Euro angewachsen, sagte der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Linssen. Derzeit hat der Zechenkonzern RAG noch 3550 Mitarbeiter, der sozialverträgliche Stellenabbau geht weiter. Am 21. Dezember fährt die letzte Schicht auf Prosper-Haniel ein, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nimmt sie in Empfang. Der RAG- Personalbestand soll bis zum Jahr 2022 auf 470 Mitarbeiter sinken, die sich dann um Wasserhaltung, Bergschäden und Rekultivierung kümmern. Das Ganze unter der erhabenen Adresse „Im Welterbe“ bei der Zeche Zollverein, wo die RAG-Stiftung ihren Sitz hat.

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