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Gaspreis: Schock für Familien, Singles & Co. – wer​ bis zu 615 Euro zahlt

Beispielrechnungen : Preis-Schock nach Gasumlage für Kunden: Bis 615 Euro – das zahlen Familien, Paare, Singles & Co.

Auf Gaskunden kommen weitere Kosten durch die Gasumlage zu. Olaf Scholz hat Steuersenkungen angekündigt. Doch reichen diese aus? Wie viel Sie am Ende mehr für Ihr Gas zahlen müssen.

Die Gasumlage ist am 15. August 2022 auf 2,419 Cent pro Kilowattstunde festgesetzt worden und wird voraussichtlich ab dem 1. Oktober 2022 eingeführt. „Vorgesehen ist, dass alle Gasnutzer die so genannte Gasbeschaffungsumlage zahlen sollen. Was viele nicht wissen: Jeder Gasversorger kann weiterhin die Preise ‚normal‘ erhöhen, die Umlage kommt jeweils oben drauf“, schreibt die Verbraucherzentrale.

Mehrwertsteuer auf Erdgas soll auf sieben Prozent verringert werden

Die Bundesregierung will nun für einen befristeten Zeitraum einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz auf Erdgas verlangen. Die Steuer solle von bisher 19 auf sieben Prozent verringert werden, kündigte Kanzler Olaf Scholz am Donnerstag an.

Mit dem Schritt würden die Gaskunden insgesamt deutlich stärker entlastet als sie durch die staatliche Gasumlage belastet würden. Die jetzt verkündete Steuererleichterung soll für den Zeitraum der Gasumlage gelten, also bis Ende März 2024.

Gleicht die Steuersenkung die Mehrbelastung durch die Gasumlage tatsächlich aus?

Ob die Steuersenkung die Mehrbelastung durch die Gasumlage tatsächlich ausgleicht, ist allerdings umstritten. Den Vergleichsportalen Verivox und Check24 zufolge liegt die Gasumlage beim aktuellen Gaspreis noch höher. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, rechnet damit, dass lediglich zwei Drittel der Gasumlage aufgefangen werden.

Ist sicher, dass die Entlastung auch bei den Bürgern ankommt?

Nein, denn Lieferanten sind nicht verpflichtet, die Steuersenkung an ihre Kunden weiterzureichen. Scholz betonte: „Wir erwarten von den Unternehmen, dass sie diese Senkung eins zu eins an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben.“ Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußerte sich ähnlich. Die FDP forderte Habeck auf, die Energieversorger in die Pflicht zu nehmen.

Beispiel-Rechnungen zeigen zusätzliche Kosten durch die Gas-Umlage

Modellrechnungen von Vergleichsportalen zeigen, welche zusätzlichen Kosten durch die Gas-Umlage auf die Verbraucher zukommen könnten.

  • Familien: Mehrkosten in Höhe von etwa 615 Euro:

Eine Beispiel-Familie mit einem Verbrauch von 20 000 kWh pro Jahr sollte sich auf jährliche Mehrkosten von 575 Euro brutto einstellen. Inklusive der Mehrwertsteuer in Höhe von sieben Prozent kommen Mehrkosten in Höhe von 615,25 Euro auf Familien zu.

  • Paare: Mehrkosten in Höhe von etwa 369 Euro:

Ein Paar mit 12 000 kWh hätte Mehrkosten von etwa 345 Euro brutto. Inklusive der Mehrwertsteuer in Höhe von sieben Prozent kommen Mehrkosten in Höhe von 369,15 Euro auf Paare zu.

  • Singles: Mehrkosten in Höhe von etwa 154 Euro:

Ein Single-Haushalt mit 5000 kWh hätte etwa 144 Euro Mehrkosten. Inklusive der Mehrwertsteuer in Höhe von sieben Prozent kommen Mehrkosten in Höhe von 154,08 Euro auf Singles zu.

Die tatsächlichen Kosten hängen vom individuellen Heizbedarf, Dämmung und beheizter Wohnfläche ab. Entscheidend ist auch, ob die Warmwasserbereitung über die Gasheizung erfolgt.

Wer muss die Gasumlage bezahlen?

Alle Privatkunden und Firmen, die Gas verbrauchen, müssen die Umlage zahlen. Mieter, die keinen eignen Gasvertrag haben, müssen mit deutlich höheren Nebenkosten rechnen. Fernwärme-Kunden sind bislang nicht von der Umlage betroffen, die Bundesregierung prüft diese Frage aber noch.

Gibt es weitere Preiserhöhungen für Gaskunden?

Damit ist zu rechnen. „Anbieter können die Preise erhöhen, wenn eine entsprechende Möglichkeit zur Änderung des Preises im Vertrag steht und zum Beispiel der Gaseinkauf für sie teurer geworden ist“, erklärt die Verbraucherzentrale.

„Sobald bei Sonderverträgen Preisgarantien enden, bekommen viele nun Post von ihrem Versorger, der die Erhöhungen ankündigt.“ Neukunden, die sich gerade nach einem Tarif umsehen, würden die stark gestiegenen Preise ohnehin überall sehen.

Wer wird mit dem Geld aus der Gasumlage entlastet?

Entlastet werden sollen Energieunternehmen, die derzeit deutlich weniger Gas aus Russland erhalten als vertraglich vereinbart. „Mit der Gasumlage will der Gesetzgeber Unternehmen (Gasimporteure) stützen und die dafür notwendigen Kosten an die Verbraucher durchreichen“, schreibt die Verbraucherzentrale.

Warum wird bei der Gasumlage überhaupt eine Mehrwertsteuer fällig?

Die von der Bundesregierung gewünschte Ausnahme von der Mehrwertsteuer für die geplante Gasumlage ist endgültig vom Tisch. Der gegenwärtige rechtliche Rahmen lasse eine Ausnahme für die Umlage nicht zu, schrieb EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni am Mittwoch in einem Brief an Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP).

Wie viele Menschen in Deutschland heizen mit Gas?

Etwa die Hälfte aller Haushalte in der Bundesrepublik heizt mit Gas.

Wie viel kostet die Steuersenkung auf Erdgas den Staat?

Das Finanzministerium rechnet für das Winterhalbjahr von Oktober 2022 bis Ende März 2023 mit Kosten von knapp fünf Milliarden Euro. Weiter könne man noch nicht vorausblicken, da sich Gaspreis und -verbrauch zu volatil entwickelten, hieß es.

Ist die Steuersenkung jetzt schon beschlossen?

Auf welche Waren der ermäßigte Mehrwertsteuersatz anfällt, regelt Paragraf 12 des Umsatzsteuergesetzes. Um dieses zu ändern, sind Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat nötig. Die Länder sprechen mit, weil ein Teil der Mehrwertsteuer-Einnahmen an sie fließt.

Gibt es weitere Entlastungen für die Bürger?

Kanzler Olaf Scholz hat am Donnerstag Entscheidungen zu weiteren Entlastungen für die nächsten Tage versprochen. Denn die galoppierenden Energiepreise drohen weitreichende soziale Folgen zu haben – neue Warnungen sind drastisch. Zuletzt gab es vermehrt Kritik daran, dass Rentner von der Energiepauschale ausgenommen sind.

„In den nächsten Wochen werden wir ein drittes Entlastungspaket schnüren, um den großen Druck, der auf vielen Bürgerinnen und Bürgern, aber auch Unternehmen lastet, abzumildern“, erklärte Scholz. Wie das aussehe, werde „vertrauensvoll in der Regierung“ besprochen.