Galeria-Verkauf Nach Besitzer-Wechsel – Zukunft von Karstadt in Saarbrücken ist noch unklar

Update | Essen/Saarbrücken · Der Galeria-Insolvenzverwalter präsentierte die Käufer in spe. Denn noch müssen die Gläubiger der Transaktion zustimmen. Die Beschäftigten bei Karstadt in Saarbrücken harren voraussichtlich bis Ende April aus, was aus ihrem Warenhaus wird.

 Das einzig im Saarland verbliebene Galeria-Standbein im Saarland: Karstadt in Saarbrücken.

Das einzig im Saarland verbliebene Galeria-Standbein im Saarland: Karstadt in Saarbrücken.

Foto: BeckerBredel

Sie waren schon mal mit von der Partie: der milliardenschwere US-Geschäftsmann Richard Baker sowie Bernd Beetz, aktuell Präsident des Fußball-Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Jetzt sollen sie es richten, Galeria endgültig aus dem Tal der Tränen holen. Während einer Pressekonferenz am Mittwochmittag, 10. April, hat Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus die beiden Investoren nun auch offiziell präsentiert, nachdem sie bereits einige Tage als jene gehandelt wurden, die sich im Bieterwettstreit durchgesetzt hatten.

Was nun auf Karstadt und Kaufhof zukommt

Damit kommt auf die Beschäftigten am einzig verbliebenen Standbein im Saarland ebenfalls eine neue Zeitrechnung zu: Karstadt in Saarbrücken mit noch 140 Mitarbeitern. Allerdings gilt dies alles vorbehaltlich der Entscheidung des Gläubigerausschusses. Dieser hat am 28. Mai das letzte Wort über den Sanierungsplan im seit Ostermontag, 2. April, offiziell laufenden Insolvenzverfahrens für die Warenhaus-Kette. Noch gehören deutschlandweit 92 Filialen mit knapp 13 000 Beschäftigte dazu.

Galeria im Saarland: Neunkirchen, Saarbrücken Völklingen
58 Bilder

Karstadt und Kaufhof im Saarland

58 Bilder
Foto: Matthias Zimmermann (hgn)

Wie viele von diesen Standorten nach der Sanierung übrig bleiben, das steht noch nicht fest. Zuletzt war eine Zahl um die 70 genannt worden. Diese dürfte auch abhängig von den Verhandlungsergebnissen mit Mietern über Nachlässe sein. Vielerorts rutschten Karstadt und Kaufhof in die roten Zahlen, weil der Mietzins die Gewinne auffressen. Jedoch soll es Teil der Vereinbarung sein, mindestens 70 Häuser zu erhalten. Das Ergebnis über die endgültige Größe des Filialnetzes soll Ende April fallen, kündigt Denkhaus an.

So kommentiert Galeria-Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus die Einigung

Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus zu der Vereinbarung: „Wir haben intensiv mit zwei potenziellen Investoren verhandelt und uns gemeinsam mit dem Gläubigerausschuss für die beiden Investmentgesellschaften BB Kapital und NRDC Equity Partners entschieden.“ Hinter BB Kapital steht der Deutsche Beetz, Baker verantwortet NRDC Equity Partners.

Beide sollen „mit unternehmerischem Mut, einem tragfähigen wirtschaftlichen Konzept und nachgewiesener finanzieller Solidität überzeugt“ haben. Bernd Beetz habe demnach jahrzehntelange Erfahrung deutsche Einzelhandelsmarken zu entwickeln. Richard Baker beweise Kompetent mit „erfolgreichen langfristigen Investitionen“.

Bernd Betz kündigt Investitionen an – Richard Baker stellt Marke in den Vordergrund

Direkt im Anschluss an Denkhaus‘ Bekanntgabe kündigte Betz bereits an: „Wir glauben an die Zukunft von Galeria und haben nur einen Fokus: Das Warenhaus. Wir wollen langfristig investieren, entwickeln und wachsen.“

Voll und ganz fokussiert sich sein künftiger Partner Baker auf die Marke selbst: „Galeria ist mehr als nur ein Kaufhaus. Es ist eine ikonische Marke, die von allen Deutschen gemeinsam erlebt wird.“

So reagiert der Gesamtbetriebsrat auf die Entscheidung

Baker (58) hatte bereits vier Jahre bis 2019 als Boss beim damals noch selbstständigen Kaufhof das Sagen. Beetz (73) Beetz aus Baden-Württemberg war unter anderem für Procter & Gamble sowie die Luxusmarke Christian Dior zuständig. Von 2018 bis 2019 wirkte er als Aufsichtsratsvorsitzender der da eben erst gegründeten Galeria Karstadt Kaufhof.

Direkt nach Bekanntgabe der neuen Investoren reagiert der Galeria-Gesamtbetriebsrat erleichtert auf das Ergebnis und hofft auf die Zustimmung der Gläubiger. Jürgen Ettl, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats: „Es war eine lange Zeit der Ungewissheit, ob oder wie es mit Galeria weitergeht. Doch nun hatten sich mehrere, insbesondere zwei Investoren gefunden, die sich zutrauen, Galeria erfolgreich fortzuführen.“

Neue Einschnitte bei Personal und Filialnetz erwartet

Ettl erklärt, „dass es erneut zu harten Einschnitten kommen wird“. Gleichzeitig blieben „auch Tausende von Arbeitsplätzen erhalten“. Nun habe es die Belegschaft verdient, „dass Krisen der Vergangenheit angehören“. Die jetzige Entscheidung sei nun eine Erleichterung nicht nur für die Galeria-Mitarbeiter, sondern auch für Zulieferer sowie Kunden und Geschäftsleute im Umfeld der Warenhäuser in den Innenstädten.

Auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) begrüßt den Zuschlag des neuen Konsorttiums. Zur Übernahme lässt Silke Zimmer vom Verdi-Bundesvorstand wissen, „dass offensichtlich ein finanzstarker Investor gefunden wurde, der Galeria als Ganzes erhalten will und über Kompetenz im Einzelhandel ver-fügt“.

Verdi stellt erste Forderungen an die neuen Besitzer: Belegschaft beteiligen

Allerdings verweist die Gewerkschafterin auch auf Erfahrungen. Diese seien in der Vergangenheit „durchaus zwiespältig“ gewesen. Zimmer: „Wir erwarten deshalb, dass der neue Eigentümer in das Unternehmen investiert, die Standorte erhält und für die Beschäftigten langfristig die Arbeitsplätze sichert.“

Der neue Eigentümer sollte gemeinsam mit der Belegschaft „ein modernes Zukunftskonzept entwickeln und auf dem Weg bringen, das die Stärke der Warenhäuser ausspielt“. Hier hatte es zuletzt Kritik seitens Verdi auch im Saarland gegeben. So hätte Konzepte in der Schublade gelegen, die mit Mitarbeitern entwickelt worden seien. Allerdings habe sich das Management dafür nicht interessiert, lautete der Vorwurf.

Breites Sortiment und Beratung aus Sicht der Gewerkschafter nötig

Aus Sicht der Gewerkschaft zähle „ein breites Sortiment gepaart mit guter Beratung“ zu einem Aushängeschild von Kaufhäusern. Auch der Verdi-Bundesvorstand beklagt erneut: „Vorschläge hierzu haben die Beschäftigten schon erarbeitetet, sie sind bislang nicht aufgegriffen worden.“

Galeria Karstadt Kaufhof hatte am 9. Januar zum dritten Mal in nicht einmal drei Jahren erneut Insolvenz beim Amtsgericht in Essen beantragt, wo der Konzern auch seinen Sitz hat. Auslöser für die erneute Pleite: die wirtschaftliche Schieflage des bisherigen Eigners: So waren gleich mehrere Firmen der österreichischen Signa-Gruppe um die einst schillernde Unternehmer-Persönlichkeit René Benko aus Tirol in die Insolvenz gerutscht. Dieser Niedergang der Immobilien-Unternehmen zeichnete sich ab Herbst ab.

Jetzt hängt alles von der Entscheidung der Gläubiger ab

Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus sowie Galeria-Chef Olivier van den Bossche wollten von Anfang an die Kaufhaus-Gesellschaft aus den Signa-Fängen lösen und als Einheit retten. Wie viel letztlich davon übrig bleibt, hängt nun vom Termin Ende Mai ab. Ob Gläubiger abermals auf etliche Millionen verzichten, wie sie es schon zweimal seit 2020 taten.

Und ob sie dem Verkauf an Baker und Beetz zustimmen. Hier bat der Gesamtbetriebsrat bereits kurz nach der Bekanntgabe um Zustimmung. Wenn dies so erfolgt, übernehmen Baker und Beetz Ende Juli dieses Jahres die Geschäfte vom Insolvenzverwalter.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort