Nach Zustimmung der Galeria-Gläubiger Verdi: nächste Runde für Karstadt in Saarbrücken – doch Ideen für Zukunft fehlen

Saarbrücken · Wo sind die Konzepte, um Galeria neu aufzustellen? Die fehlen Verdi an der Saar. Die Gewerkschaft kritisiert die Pläne zum Erhalt der Warenhaus-Kette, die wieder nur aufs Sparen aus seien. Doch es bedarf Ideen, heißt es. Wie die aussehen müssten – dazu Verdi-Sekretär Alex Sauer in Saarbrücken.

Karstadt in Saarbrücken wird nach der dritten Insolvenz voraussichtlich bestehen bleiben.

Karstadt in Saarbrücken wird nach der dritten Insolvenz voraussichtlich bestehen bleiben.

Foto: BeckerBredel

Enttäuschung bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) im Saarland nach dem Entschluss der Gläubiger über den Sanierungsplan von Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus: Demnach soll dieser am Dienstag, 28. Mai, verabschiedete Plan kein Konzept sein, um Galeria Karstadt Kaufhof tragfähig fortzuführten. Das sagt Gewerkschaftssekretär Ales Sauer in Saarbrücken der Saarbrücker Zeitung. Das betreffe auch die Zukunft von Karstadt in der Landeshauptstadt als letzte Filiale der Warenhaus-Kette an der Saar.

Verdi Saar fehlen „ambitionierte Ideen“ zum Galeria-Erhalt

Damit kritisiert der Gewekschafter zwar nicht per se, dass die Gläubiger auf die größten Teile ihrer mehrere 100 Millionen Euro schweren Forderungen verzichten, um wenigstens einen Teil der heute noch bundesweit 92 Kaufhäuser zu retten. Der Insolvenzplan sei aus Verdi-Sicht „notwendig für eine weitere Sanierungschance, sagt Sauer. Jedoch seien die nach dem Plan verfolgten Ziele „wenig ambitioniert“. Nennenswerte Neuerungen könne er darin nicht erkennen, beklagt der Verdi-Sekretär für die Region Saar-Trier.

Was ihm demnach besonders übel aufstößt: Wie schon bei den vorangegangenen erfolglosen Sanierungsversuchen, gehe es bei der angestrebten Wirtschaftlichkeit lediglich darum, diese durch gesenkte Kosten hinzubekommen. Sauer: „Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt aber, dass dies bislang nicht zu dem Ziel geführt hat, das Warenhaus stabil aufzustellen.“ Statt dessen sei dieser Schritt „immer wieder extrem auf Kosten der Beschäftigten“ gegangen.

Gewerkschaft: Zuletzt Einsparungen bei Galeria nur auf Kosten der Mitarbeiter

Wie zuletzt, als Mitarbeiter in einem Sanierungstarifvertrag immer wieder auf große Teile des Gehalts verzichteten, um den Konzern am Leben zu erhalten, treffe es sie jetzt erneut. In erster Linie müssten nun jene Opfer bringen, die davon betroffen sind, deren Filialen geschlossen werden. Zu dem von den Gläubigern verabschiedeten Plan zählt nämlich, dass 16 Häuser bis August schließen müssen. Das kostet rund 1400 Menschen den Arbeitsplatz. 11 400 Stellen sollen erhalten bleiben.

Verdi erwarte von den künftigen Eigentümern, dass der „den Beschäftigten endlich auch wieder mit Respekt begegnet, soziale Verantwortung übernimmt, gerechte Löhne zahlt und Arbeitsplätze sichert,“ fordert Sauer. Nur so könne Galeria stabil weitergeführt werden. Zwar sei „die nächste Runde der Hoffnung für Galeria in Saarbrücken“ eröffnet. Doch es brauche nachhaltiger Lösungen.

Alex Sauer: Galeria-Management ignorierte Konzepte der Mitarbeiter

Dass es daran zuletzt mangelte, das hatte Verdi schon zuvor bemängelt. Denn so habe es sehr wohl Konzepte seitens der Belegschaft gegeben, mit denen die letzte deutsche Warenhaus-Kette wieder neues Leben eingehaucht werden sollte. Dabei soll es unter anderem um mehr Eigenverantwortung vor Ort gegangen sein, um auf die Bedürfnisse der Kunden an den einzelnen Standorten einzugehen.

Diese unterscheiden sich nach Verdi-Angaben von Standort zu Standort. Doch diese Papiere habe das bisherige Management nicht beachtet, sie seien in der Schublade verschwunden. Hier brauchten die Verantwortlichen in den verschiedenen Kaufhäusern mehr Selbstständigkeit. Doch an fehlender Autonomie beispielsweise bei regionalem Wareneinkauf hapere es bis heute.

Gläubiger verzichten auf 100 Millionen Euro und beschließen Ende zahlreicher Galeria-Filialen

Die Gläubigerversammlung simmte am Noch-Stammsitz des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof in Essen für den Plan, den Insolvenzverwalter Denkhaus vorgelegt hatte. Der sieht neben den abermaligen Einschnitten im Filialnetz und drastische Kürzungen beim Personal den Verkauf bis Ende Juli an den US-Geschäftsmann Richard Baker sowie seinen Partner Bernd Beetz aus Mannheim vor. Beide waren bereits für das einst selbstständige Unternehmen Kaufhof allerdings wenig erfolgsverwöhnt tätig gewesen, bevor dieses mit Karstadt unter dem Dach Galeria verschmolzen wurde. Wenn es nach den beiden geht, sollen alle Häuser künftig nur noch unter der Dachmarke weitergeführt werden. Die Zusätze Kaufhof und Karstadt verschwinden.

Für die Warenhaus-Kette ist es die dritte Insolvenz seit 2020. Auch staatliche Stütze in dieser Zeit von bis zu 680 Millionen Euro konnten bisher den Konzern nicht stabilisieren. Tausende Mitarbeiter verloren in dieser Zeit ihren Arbeitsplatz, etliche Häuser wurden während der vorangegangenen Verfahren geopfert, darunter Kaufhof in Saarbrücken im Sommer 2023. Im Januar dieses Jahres folgte dann die dritte Pleite, nachdem der bisherige Besitzer in den wirtschaftlichen Abwärtssog geraten war: Signa des Österreichers René Benko. Neben zahlreicher Firmen innerhalb seines kaum zu durchschauenden Unternehmensgeflechts musste auch er als Geschäftsmann Insolvenz anmelden.

Insolvenzverwalter drohte im Vorfeld mit Zerschlagung der Warenhauskette

Galeria-Insolvenzverwalter Denkhaus drohte vor der jetzigen Gläubigerversammlung mit einer Zerschlagung von Galeria, sollte es keine Zustimmung zu seinem Insolvenzplan geben. Das hätte womöglich das Aus auch für Karstadt in Saarbrücken bedeutet. Der Standort soll nach jetzigen Vorhaben erhalten bleiben. In Trier verschwindet ein Kaufhaus. Mit ihrem Ja verzichten unter anderem Mieter und Fiskus auf rund 860 Millionen Euro. Lediglich zwischen 2,5 und drei Prozent der Gesamtsumme an offenen Rechnungen werden sie nun erhalten.

Denkhaus stellte in Aussicht, dass möglicherweise das ein oder andere Warenhaus doch noch erhalten werden könnte, das jetzt auf der Liste derer steht, die bis August dichtmachen sollen. Dabei hänge es noch an Verhandlungen mit Vermietern. Diese Kosten hatten nach Angaben des Galeria-Managements mit dazu geführt, dass Galeria zuletzt in die Zahlungsunfähigkeit rutschte. Dies Mieten sollen vielerorts weit über dem Marktüblichen gelegen und so die die Gewinne aufgezehrt haben. Besonders brisant: Dabei soll der bisherige Besitzer Signa mit die höchsten Forderungen an seine Warenhaus-Kette gestellt haben, um seine eigenen Immobilien zu finanzieren.

Was jetzt noch zur vorläufigen Rettung aussteht

Nach der Entscheidung der Gläubigerversammlung muss jetzt noch das Gericht dem Plan zustimmen. Branchenbeobachter gehen indes davon aus, dass dies keine große Hürde mehr sein dürfte.

(hgn)
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