1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Frauen werden in vielen Berufen nach wie vor schlecht bezahlt.

Bezahlung von Frauen : Gewerkschafter fordern mehr Lohn für Frauen

Der „Equal Pay Day“ prangert deutliche Nachteile beim Gehalt im Vergleich zu Männern an.

Aus Anlass des heutigen „Equal Pay Day“ fordert die Gewerkschaft Verdi eine gerechtere Bezahlung von Frauen und Männern. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger plädiert für eine stärkere Tarifbindung, weil in tarifgebundenen Branchen und Betrieben die Entgeltlücke deutlich geringer sei. Notwendig sei zudem die spürbare Aufwertung frauentypischer Berufe. „Wir brauchen aber auch eine andere Unternehmenskultur, etwa mit kurzer Vollzeit, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert wird“, erklärte die Gewerkschafterin.

Auch der Saar-DGB fordert eine Aufwertung frauentypischer Berufe, eine Stärkung der Tarifbindung sowie mehr Transparenz der Gehälter. Im Saarland sei die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen im Bundesvergleich besonders hoch, kritisiert zudem die Arbeitskammer. Dies sei gerade auch in Berufen in der Erziehung und Pflege deutlich zu spüren. Das gesamte Gesundheits- und Sozialwesen  weise mit einem Rückstand in der Bezahlung von  28 Prozent gegenüber Männern einen besonders hohen Missstand auf.

Das Statistische Bundesamt hat aus Anlass des „Equal Pay Day“ darauf verwiesen, dass die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland nur langsam kleiner werden. So lag 2019 der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 noch um 20 Prozent niedriger als der von Männern mit 22,61 Euro. Vor einem Jahr hatte der Unterschied noch 21 Prozent betragen. Europaweit liegt Deutschland damit auf dem vorletzten Platz. Nur in Estland fiel im Jahr 2018 der Lohnunterschied noch größer aus.

Die Lohnlücke fiel im Osten mit sieben Prozent erneut deutlich geringer aus als im Westen mit 21 Prozent. Frauen hatten in der früheren DDR besseren Zugang auch zu besser bezahlten technischen Berufen und arbeiteten häufiger Vollzeit. Drei Viertel der Gehaltslücke lassen sich auf strukturelle Gründe zurückführen, wie das Bundesamt ausführte. So werden in frauentypischen Berufen historisch gewachsen durchweg geringere Gehälter gezahlt, Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und seltener in qualifizierten Führungspositionen. Den Berechnungen zufolge bleibt eine bereinigte Gehaltslücke von zuletzt sechs Prozent — also das, was Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit weniger verdienen als Männer. Das Bundesamt vermutet, dass sich ein Teil dieser verbleibenden Lücke durch die Karrierebrüche von Frauen erklären lässt, die ihre Erwerbsarbeit zur Kindererziehung unterbrochen oder reduziert haben. Dies wird gestützt durch eine Studie der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Bei gleicher Leistung und Qualifikation verdienen Frauen besonders in Verkauf, Vertrieb und bei Banken deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen.