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Französische Justiz ermittelt gegen Fiat

Französische Justiz ermittelt gegen Fiat

Ermittler werfen dem italienisch-amerikanischen Autobauer schweren Betrug bei Abgaswerten vor.

Volkswagen, Renault und nun auch Fiat: Die französische Justiz nimmt einen Autobauer nach dem anderen wegen seiner Abgaswerte ins Visier. Zuletzt eröffnete die Pariser Staatsanwaltschaft wegen "schweren Betrugs" eine richterliche Voruntersuchung gegen Fiat-Chrysler, wie am Dienstagabend aus Justizkreisen verlautete. Laut der Wettbewerbs- und Anti-Betrugsbehörde DGCCRF trickste der italienisch-amerikanische Autobauer bei den Abgaswerten seines Fiat 500X ähnlich wie VW. Die Abgassysteme sollen so eingestellt gewesen sein, dass sie zwar im Labor die richtigen Werte ergaben, danach aber auf der Straße die Luft verpesteten.

Nach dem VW-Skandal hatte die französische Umweltministerin Ségolène Royal im Herbst 2015 eine unabhängige Expertenkommission gegründet, die prüfen sollte, ob es in Frankreich ähnliche Fälle gegeben hat. In ihrem im Sommer 2016 vorgelegten Abschlussbericht stellten die Experten fest, dass ein Großteil der 86 untersuchten Fahrzeuge viel höhere Emissionen an Stickoxiden aufwies als von den Herstellern angegeben. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Kommission nicht mit Sicherheit ausschließen, dass illegale Abschalteinrichtungen eingesetzt wurden", hieß es darin. Als Umweltsünder wurden damals Fiat, Renault und Opel genannt.

Gegen den französischen Autobauer Renault ermitteln seit Januar gleich drei Untersuchungsrichter. Mit seinen Modellen Captur und Clio IV soll Renault die CO{-2}-Grenzwerte um mehr als 300 Prozent überschritten haben, berichtete die Zeitung "Libération". "Die Ergebnisse lassen die Installation einer betrügerischen Einrichtung vermuten, um Stickstoffemissionen unter den besonderen Bedingungen der Zulassungstests zu verringern", zitierte "Libération" aus einem Dossier der Anti-Betrugsbehörde. 900 000 Autos mit gefälschten Abgaswerten könnten so auf den Markt gekommen sein. Renault wies die Vorwürfe zurück.

Die Expertenkommission zum Abgasskandal soll aber laut der britischen "Financial Times" Details zur Marke mit der Raute verschwiegen haben. So soll ein Stickoxid-Filter bei Tests des Renault Captur zum Einsatz gekommen sein, aber nicht unter Straßenbedingungen. "Der Bericht wurde vom Staat geschrieben, und dieser entschied, was dabei vertraulich bleiben sollte", kritisierte Charlotte Lepitre von der Umweltschutzorganisation France Nature Environnement. Das Umweltministerium dementierte, dass Informationen zurückgehalten wurden. Der Staat hält 20 Prozent an Renault.

Nach Renault könnte die französische Justiz auch den größten französischen Autobauer Peugeot-Citroën (PSA) ins Visier nehmen. Die Anti-Betrugsbehörde übergab ihre Unterlagen bereits an die Staatsanwaltschaft, die nun über das weitere Vorgehen entscheiden muss. Aus dem Schneider ist dagegen Opel. Die Nachforschungen ergaben keine Hinweise auf Abgasbetrug.