1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Forderung nach Pfandsystem für Smartphones und Verpackungen

Vorstoß der Grünen : Mehr Pfandartikel für weniger Müll?

In Deutschland wird deutlich weniger recycelt als in anderen Ländern. Die Grünen wollen das mit einer Ausweitung der Pfandpflicht ändern.

Wer Getränke kauft, der kennt auch die Pfandpflicht. Bis zu 25 Cent pro Flasche bekommt der Verbraucher vom Einkaufspreis wieder zurückerstattet, wenn er sie in den Supermarkt zurückbringt. Doch da geht noch mehr, sagen die Grünen. Nach einer von der Bundestagsfraktion in Auftrag gegebenen Studie ergibt die Bepfandung auch für viele andere Produkte Sinn.

„Wir brauchen Pfandsysteme, um Materialien ein zweites und drittes, oder besser noch tausend Leben zu ermöglichen. Denn die Klimakrise zu stoppen, heißt auch, Schluss zu machen mit Ressourcenverschwendung“, erklärt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Bettina Hoffmann, im Gespräch mit unserer Redaktion. Nach der aktuellen Untersuchung des auf Nachhaltigkeitsforschung spezialisierten Wuppertal-Instituts ist Deutschland bei der Wiederverwertung nur europäisches Mittelmaß. Die Entwicklung der Anteile recycelter Materialien stagniere quasi, wird in der Untersuchung beklagt, über die die Frankfurter Allgemeine Zeitung zuerst berichtet hatte. Demnach liegt der Anteil wiederverwerteter Stoffe in der deutschen Volkswirtschaft lediglich bei 11,6 Prozent. In den Niederlanden dagegen sind es rund 30 und in Frankreich etwa 18 Prozent.

Vor diesem Hintergrund halten die Forscher hierzulande eine „Optimierung der Sammelsysteme“ für geboten. Viel „Pfandpotenzial“ böten demnach Verpackungen mit problematischen Substanzen wie Sprays, Behälter für Pflanzenschutzmittel, Farbdosen oder Lösungsmittel, aber auch Batterien und technische Geräte.

Konkret werden hier Mobiltelefone genannt, für die der Sachverständigenrat für Umweltfragen schon 2012 eine Bepfandung angeregt hatte. Statistisch gesehen kommen auf 100 Haushalte in Deutschland fast 184 Mobiltelefone, von denen viele längst außer Betrieb sind und nutzlos zu Hause herumliegen. Dabei enthielten sie eine Vielzahl wertvoller Rohstoffe, so die Experten. Über die Höhe des Pfandes macht die Studie keine konkreten Angaben. Für die Grünen-Fachfrau Hoffmann wären jedoch „25 Euro auf neue Smartphones und Tablets ein deutlicher Anreiz, um alte Geräte wieder zurückzugeben“.

Ein anderer Anwendungsbereich sind laut Studie „die immensen Abfallmengen von 320 000 Einwegbechern, welche pro Stunde in Deutschland anfallen“. Hier gibt es zwar schon Lösungen, aber noch nicht flächendeckend. Ein Beispiel ist die Bepfandung von Mehrweg-Kaffeebechern, die bei bestimmten Café-Betreibern abgegeben werden können. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums ließen sich jährlich 150 Millionen Liter Wasser, 4000 Tonnen Abfall sowie 32 Millionen Kilowattstunden Strom und 2200 Tonnen Rohöl einsparen, wenn nur zehn Prozent aller Einwegbecher durch Pfand-Gefäße ersetzt würden.

Zur Reduzierung von Verpackungsmüll kann laut Studie auch ein Pfandsystem Vorbild sein, das bereits in Frankreich und Großbritannien praktiziert wird. Dabei werden verschiedenste Produkte, zum Beispiel Waschmittel und Kosmetikartikel, in wiederverwendbare Behältnisse abgefüllt und den Kunden in einer ebenfalls wiederverwendbaren Tasche geliefert. Bei Rückgabe erhalten sie ein Pfand zurück.

Durch die Untersuchung fühlen sich die Grünen in ihrem Ziel bestätigt, „dass die Haushalte und Unternehmen in Deutschland spätestens im Jahr 2050 nahezu keinen Müll mehr produzieren“ sollen. So steht es in einem kürzlich beschlossenen Papier der Fraktion. „Überall, wo Mehrwegsysteme ökologisch vorteilhaft sind, brauchen sie künftig einen gesetzlichen Vorrang“, fordert Bettina Hoffmann.