Ford will in Köln 3800 Stellen streichen

Betriebsversammlungen beim Autobauer : Ford will in Köln 3800 Stellen streichen

Das Sparprogramm des US-Konzerns trifft den deutschen Hauptstandort mit voller Wucht.

Nach Saarlouis ist Köln dran. Der Autobauer Ford hat sich gestern auf Betriebsversammlungen erstmals konkret zur Höhe der Stellenstreichungen am Standort Köln geäußert. Demnach sollen rund 3800 der rund 5000 Arbeitsplätze, die in Deutschland gestrichen werden sollen, auf die Werke in Köln entfallen. Etwa zwei Drittel der Stellen sollen in der Produktion abgebaut werden. Der Rest teilt sich auf die Verwaltung des Autobauers und den Bereich Produktentwicklung auf. Speziell in der Produktentwicklung soll es dem Vernehmen nach derzeit einen Personalüberhang von rund 35 Prozent geben. Die Stammbelegschaft in Köln hat rund 18 000 Mitarbeiter.

Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen, berichten Teilnehmer, allerdings deutlich moderater als am Montag am zweiten Ford-Deutschland-Standort in Saarlouis. Kritik aus der Belegschaft gab es vor allem daran, dass das Ford-Management auch in Europa in der Vergangenheit Trends wie etwa die Elektromobilität verschlafen habe. Wie es in den Augen vieler Mitarbeiter weitergehen könnte, findet sich auf zahlreichen Transparenten, mit denen sie in die ehemalige Motorenhalle gezogen sind: „Wir sind bereit für neue Technologien“ oder „Köln elektrifizieren“.

Hintergrund der Entwicklung sind hohe Verluste, die Ford in ganz Europa schreibt – wobei es in Deutschland allein betrachtet immer noch vergleichsweise gut läuft. Rund 500 Millionen Euro muss das Unternehmen den Plänen des US-Konzerns zufolge in Deutschland einsparen. Derzeit stehen neben Personal- auch die Sachkosten auf dem Prüfstand. Kann etwa bei Einkauf oder Material mehr gespart werden, könnte der Stellenabbau im besten Fall noch moderater ausfallen. „Es geht nicht um reinen Personalabbau, sondern um die Gesamtkosten – also auch um die Strukturkosten, ob Verwaltung oder Material“, sagte Martin Hennig, der oberste Arbeitnehmervertreter von Ford Europa.

In den kommenden zwei Jahren soll Ford in Europa wieder schwarze Zahlen schreiben, so die Vorgabe der US-Konzernmutter in Detroit. Derzeit laufen Abfindungs- und Altersteilzeitprogramme. Das Unternehmen hofft, dass sich genügend Mitarbeiter finden, die die Programme annehmen. Basis ist ein Sockelbetrag in Höhe von 30 000 Euro. Je nach Alter und Beschäftigungsdauer gibt es einen individuellen Aufschlag. In Saarlouis sollen sich dem Vernehmen nach bereits 300 von mehr als 600 infrage kommenden Ford-Mitarbeitern über das Angebot informiert haben.

Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann hatte am Montag in Saarlouis in Aussicht gestellt, dass der Focus bis September 2024 weitergebaut wird. Im Gegenzug verlangte er jedoch die Zustimmung des Betriebsrats und der Belegschaft zu einer Abschaffung der dritten Schicht im Werk und einem Ende der Produktion des Vans C-Max in diesem Sommer mit dem Beginn der Werksferien. Von der Abschaffung der dritten Schicht seien insgesamt 1640 Mitarbeiter betroffen, hieß es. Bis 2022 läuft noch eine Standortsicherungsvereinbarung zwischen dem Unternehmen und der Belegschaft.

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