1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Ford trotzt Corona mit zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen

Kostenpflichtiger Inhalt: Automobilindustrie : Ford startet am Montag Produktion in Saarlouis - mit umfangreichen Schutzmaßnahmen

Am Montag zur Frühschicht beginnt wieder die Produktion im Ford-Werk Saarlouis mit zunächst einer Schicht pro Tag.

Ford hat aus dem Produktionsstopp durch die Corona-Krise zahlreiche Konsequenzen gezogen und wird die Wiederaufnahme der Produktion in seinen deutschen Werken Saarlouis und Köln mit einem umfangreichen Sicherheitspaket begleiten. Zahlreiche Arbeitsabläufe in der Produktion sind teilweise komplett verändert worden, um einen möglichst hohen Gesundheitsschutz der Mitarbeiter zu erreichen. Dies sagte Gunnar Herrmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke GmbH, am Donnerstag der Saarbrücker Zeitung. Geplant ist in der Anfangsphase, dass in den Ford-Werken zunächst mit einer Schicht gefahren wird und dafür etwa die Hälfte der Belegschaft an ihre Arbeitsplätze zurückkehrt. Die andere Hälfte kommt erst zurück, wenn eine zweite Schicht angesetzt wird. Diese Mitarbeiter verbleiben bis auf Weiteres in Kurzarbeit.

Grundlage für alle Maßnahmen zum Wiederanlaufen der Werke ist ein für alle weltweiten Standorte entwickeltes „Play Book“. Es gilt für alle Ford-Werke, Entwicklungszentren und Industrieparks. Die Produktion werde schrittweise nach oben gefahren. In den ersten Wochen werde in den meisten Werken zunächst einschichtig begonnen. Einkalkuliert sei auch, dass man nicht die normalen Kapazitäten eines Einstiegsbetriebes erreicht. Voraussichtlich innerhalb der ersten drei Produktionsstage werde man sehen, wie schnell es gelingt, das System zu stabilisieren. Im Idealfall wolle man 70 Prozent einer normalen Schicht erreichen. Es sei aber noch völlig offen, ob dieses Ziel erreichbar ist.

Erste Priorität habe die Gesundheit der Mitarbeiter. Deshalb werde man wohl in den ersten Tagen und Wochen immer wieder nachjustieren müssen. Wie stark das sein wird hänge auch von der Stabilität der Lieferketten ab. Und, welche Erfahrungen die Mitarbeiter machen. Nahezu jeder Arbeitsplatz an der Linie sei neu definiert worden, auch mit teilweise größeren Umbauten, um das Abstandsprinzip einzuhalten sowie Hygienemaßnahmen direkt an die Produktiopnslinie zu bringen. Herrmann räumt ein, dass es wohl nicht einfach werde, mit Mundschutz oder Gesichtsmaske, je nach Tätigkeitsbereich, durchgehend zu arbeiten. Das könne durchaus auch unangenehm sein, wenn man zudem noch körperlich arbeiten soll. Diese Abläufe werde man genau beobachten und sehr flexibel nachsteuern, zum Beispiel in der Gestaltung der Pausen. Auch die Taktzeiten der Bänder werden mit einer niedrigeren Geschwindigkeit angepasst.

Auf allen Ford-Geländen müsse zwingend ein Mund-Nasenschutz getragen werden. Auch gilt ein Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen Personen. Nicht nur die Produktion, sondern auch die Büros sind verändert worden, zum Beispiel durch Acrylwände, um verschiedene Bereiche voneinander abzutrennen. An zahlreichen Stellen in den Werken informierten Transparente über die einzuhaltenden Hygiene-Maßnahmen. Verpackte Speisen könne man aus der Kantine direkt an den Arbeitsplatz oder Außenbereiche mitnehmen, das Sitzen in der Kantine sei dagegen nicht erlaubt.

Zusätzlichen Gesundheitsschutz gibt es auch beim Betreten des Werkes. Hier muss jeder Mitarbeiter eine Temperaturkontrolle absolvieren und eine Selbstauskunft leisten, die sich darauf bezieht, ob man im Verlauf der vergangenen 14 Tagen eine bestätigte Diagnose auf Corona erhalten hat oder ob es im Umfeld eine erkrankte Person gibt, jemannd Husten, Atembeschwerden oder sonstiges hat. Kann man dreimal verneinen, wird eine Zugangsberechtigung zum Werk gegeben. Diese Selbstauskunft können sich Mitarbeiter auch auf das Smartphone schicken lassen. Die muss man dann vorzeigen, die Daten werden jedoch nicht gespeichert.

Alle Ford-Mitarbeiter werden zudem mit einem Mund-Nasenschutz ausgestattet, auch alle Besucher, in einigen Bereichen zudem mit Gesichtsvisier. All diese Artikel produziert Ford selbst. Zusätzlich bekommt jeder Mitarbeiter bem Betreten des Werkes ein kleines Sicherheitspaket, das unter anderem Fieberthermometer, Desinfektionsmaterial, Handschuhe, Mundschutz und Erste Hilfe-Maßnahmen enthält.

Zu den Marktaussichten und voraussichtlichen weiteren Verkaufszahlen von Ford äußerte sich Gunnar Herrmann sehr vorsichtig. Im ersten Schritt würden bereits getätigte Bestellungen abgearbeitet, auch, um das Geschäft bei den Autohändlern so gut wie möglich wieder anzukurbeln. Hier helfe, dass Ford vor dem Ausbruch von Corona in den Monaten Januar und Februar noch sehr erfolgversprechende Zahlen an Bestellungen gehabt habe. 95 Prozent der Ford-Autohäuser seien inzwischen wieder geöffnet. Zu sehen sei auch jetzt schon, dass sich viele Kunden im Internet Fahrzeuge angesehen und auch mögliche Ausstattungs-Varianten zusammengestellt haben. Herrmann hofft deshalb, dass das Geschäft relativ zügig wieder eine Normalität erreicht.

Herrmann warnt die Autoindustrie jedoch generell davor, mit Rabattschlachten den Verkauf anzukurbeln. Aus solchen begonnenen Aktionen komme man nicht mehr heraus. Zusätzliche Initiativen zur Förderung eines Autokaufs hält Herrmann dennoch für hilfreich, man könne es zum Beispiel ja auch so machen wie etwa im Fall einer aktuellen Finanzierung über die Ford-Bank, bei der man in den ersten drei Monaten keine Ratenzahlung leisten muss.

Sollte es relativ schnell gelingen, am Markt wieder Fuß zu fassen, erwartet Herrmann keine zusätzlichen Arbeitsplatz-Verluste durch die Corona-Krise bei den Autoherstellern. Anders sehe dies für Zulieferer aus, die in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und möglicherweise in Konkurs gehen. Bei den Zulieferern sei die Lage angespannter. Ford versuche, seine Lieferanten zu unterstützen, um die entstandene schwierige Situation zu meistern.

Anders sehe das jedoch aus, sollte der Konsum nicht anspringen. Für das laufende Jahr rechnet Ford noch mit einer 30 Prozent geringeren Autoproduktion als üblich. Bleibe das auch 2021 so, werde man Arbeitsplätze abbauen müssen. Wie sich der Konsum entwickelt, hänge auch von den anderen europäischen Staaten ab. Und hier zeichnet Herrmann ein durchaus düsteres Bild. In Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien sei die Geschäftslage ganz klar bei Null. Da fänden derzeit überhaupt keine Aktivitäten statt. Das wirke sich in der Folge auch wieder auf die Ford-Werke aus, die für das europäische Ausland produzieren.