Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo plant weiteren Streik bei der Lufthansa

Schlechte Nachrichten für Passagiere : Ufo kündigt neue Streiks bei Lufthansa an

Noch in dieser Woche will die Gewerkschaft auch die Flüge nach Übersee für 48 Stunden am Boden halten. Das könnte erst der Anfang sein.

Passagiere der Lufthansa müssen zum Ende dieser Woche wieder mit Streiks der Flugbegleiter rechnen. Deren Gewerkschaft Ufo hat zu einem 48-Stunden-Ausstand bei der Lufthansa-Kerngesellschaft an diesem Donnerstag und Freitag aufgerufen. Betroffen sind laut Ufo alle Lufthansa-Abflüge in Deutschland.

Das Unternehmen will den Streik mit juristischen Mitteln stoppen und bereitet gleichzeitig einen Sonderflugplan für die Streiktage vor. Man verurteile den „massiven“ Aufruf der Gewerkschaft Ufo auf das Schärfste und prüfe rechtliche Schritte, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Ufo-Vize Daniel Flohr kündigte für die kommenden Tage weitere Streikaufrufe bei anderen Flugbetrieben des Konzerns an. „Wie schon bei den letzten Warnstreiks wird der gesamte Konzern von dieser erneuten Arbeitskampfwelle betroffen sein. Wir weisen sowohl unsere Kollegen als auch die Kunden darauf hin, dass jederzeit weitere Ankündigungen möglich sind“, erklärte er.

Grundsätzlich sind Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie bei vier weiteren Flugbetrieben mit deutschem Tarifrecht möglich. Das sind Eurowings Deutschland, Germanwings, Lufthansa Cityline sowie Sunexpress. Für alle fünf Flugbetriebe mit zusammen mehr als 25 000 Flugbegleitern hat die Ufo jeweils separate Tarifforderungen aufgestellt und sich in Urabstimmungen die Zustimmung der Mitglieder zu den Streiks eingeholt. Die Akzeptanz lag nach gewerkschaftlichen Angaben vom Freitag zwischen 77,5 und 96,2 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Ufo will die Streikandrohung bereits am vergangenen Freitag vertraulich an den Konzern gegeben haben. Es sei aber zunächst keine Reaktion erfolgt und erst am Montag habe Lufthansa Gespräche für das kommende Jahr angeboten. Der Konzernsprecher widersprach dieser Darstellung: Offizielle Verhandlungen wolle man zwar erst nach der für den 14. Februar angekündigten Neuwahl des Ufo-Vorstands führen, Sondierungen könnten aber schon früher beginnen.

Lufthansa erkennt den noch am Freitag bestätigten Gewerkschaftsvorstand nicht als vertretungsberechtigt an und lehnt Verhandlungen mit der Ufo seit Monaten ab. Die Gewerkschaft Verdi stünde als Alternative zu Verfügung, hatte aber in der Vergangenheit nicht die Mehrheit der Beschäftigten hinter sich.

In der Auseinandersetzung hat Ufo bereits am 20. Oktober einen 19-stündigen Warnstreik bei den vier Lufthansa-Tochtergesellschaften veranstaltet und dabei mehr als 100 Flüge ausfallen lassen. Auch damals war zunächst mit einem Streik bei der Lufthansa-Mutter gedroht worden, der dann kurzfristig abgesagt wurde. Der letzte reguläre Ufo-Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft datiert aus dem Jahr 2015.

Die Spartengewerkschaft hat erhebliche interne Auseinandersetzungen hinter sich. Nach gegenseitigen Untreue-Vorwürfen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind aus dem einst siebenköpfigen Vorstand nur noch die Vorsitzende Sylvia de la Cruz und ihr Stellvertreter Daniel Flohr übrig. Ex-Ufo-Chef Nicoley Baublies fungiert nach seiner Entlassung aus Lufthansa-Diensten als Pressesprecher der Gewerkschaft.

In einem Youtube-Video richtete sich der Flugbegleiter Marco Todte an die Passagiere: „Die Kabinen-Mitarbeiter der Lufthansa nehmen ihr Grundrecht auf Streik wahr. Dafür bitten wir Sie um Ihr Verständnis.“ Der Sprecher der Tarifkommission warnte zudem das Management davor, die Beschäftigten erneut mit persönlichen juristischen Konsequenzen zu bedrohen. Protestversammlungen soll es am Donnerstag in München und am Freitag in Frankfurt geben.

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