Festo bereitet sich auf weiteres Wachstum in China und den USA vor

Hannover Messe : Festo will wachsen – allerdings in China

Das Unternehmen mit Werken im Saarland setzt neben Pneumatik auch auf Antriebe mit Flüssigkeit.

Die Festo-Werke im Saarland „stehen stabil da“. Das sagte Vorstandschef Oliver Jung gestern auf der Hannover Messe. Größere Investitionen seien hierzulande nicht geplant. Das Unternehmen bereite sich auf weiteres Wachstum in China und den USA vor. So wurde im neuen chinesischen Werk in Suncun der erste Teilabschnitt nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellt und Anfang 2019 die Produktion aufgenommen. In den USA wurde die Fertigung ebenfalls ausgeweitet.

Der Industriezulieferer Festo, der im Saarland Werke in St. Ingbert und Neunkirchen betreibt und unter anderem pneumatische Zylinder herstellt, beschäftigt hierzulande rund 3000 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat besonders stark mit den Widrigkeiten der weltweiten Konjunktur zu kämpfen. Die nachlassende Nachfrage im vierten Quartal des vergangenen Jahres „haben wir auch in den ersten Monaten von 2019 gespürt“, sagte Vorstandschef Jung auf der Messe. Solange es für den Brexit keine zufriedenstellende Lösung gibt und der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter schwele, „bleibt die Verunsicherung bei den Kunden groß“.

Dabei hat das schwäbische Familienunternehmen einiges zu bieten, was Jung und Vertriebsvorstand Ansgar Kriwet für die Zukunft zuversichtlich stimmen. Die Firma Festo, die ursprünglich darauf spezialisiert war, Maschinenteile ausschließlich mit Hilfe von Luftdruck (Pneu­matik)-Elementen zum Laufen zu bringen, „kann Dinge inzwischen auch elektrisch und mit Flüssigkeiten bewegen“, betonte Kriwet. „Dadurch können wir uns zusätzliche Produktwelten erschließen.“ Ziel sei immer, Automatisierungslösungen zu entwickeln, „um die Fertigung bei unseren Kunden weiter zu verbessern“.

Neu sind zum Beispiel hoch sensible Roboterarme, die dem Kollegen aus Fleisch und Blut „wirklich zur Hand gehen und ihm Einbaukomponenten reichen können“, erläutert Kriwet. Die Finger der Roboterhand sind mit Druckluft befüllt, ihre Bewegung wird über die Außenhaut aus Textilfasern gesteuert, die sich zusammenziehen und ausdehnen kann. Dabei setzt Festo auch künstliche Intelligenz ein. Der Hand wird nicht einprogrammiert, welche konkreten Bewegungen sie auszuführen hat. Sie bekommt eine bestimmte Aufgabe gestellt, die sie durch Ausprobieren lösen muss. In der Demonstration am Festo-Stand auf der Messe (Halle 15, Stand D11) dreht die Hand einen zwölfseitigen Würfel so lange, bis eine vorher festgelegte Seite nach oben zeigt. Die Hand und der dazu gehörende Arm sind außerdem so eingestellt, dass sie sich geschickt an jedem Hindernis vorbei bewegen und nur das anfassen, was sie sollen.

Gemeinsam mit Schweden, dem diesjährigen Partnerland der Hannover Messe, zeigt Festo, wie die Automatisierungstechnik der Schwaben selbst bei einem Sägewerk, das lediglich Holzstämme zu Brettern schneidet, „noch einiges an Effizienz rausholen lässt“, sagt der Vertriebsvorstand. Zusammen mit dem schwedischen Holzlieferanten Norra Timbe und dem US-amerikanischen Anlagenbauer USNR hat Festo die schnellste Bandsägelinie der Welt im nordschwedischen Umea errichtet. Bevor die Holzstämme geschnitten werden, passieren sie einen Computertomographen. Aufgrund der dort gewonnenen Daten werden die Sägeblätter so ausgerichtet, dass der Stamm möglichst viele Bretter liefert. Dadurch konnte die verwertbare Holzausbeute um sechs Prozent gesteigert werden.

Der Festo-Umsatz stieg trotz der Konjunkturflaute zum Jahresende im Gesamtjahr 2018 um 3,2 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 21 200 Mitarbeiter.