Arbeit: Fast alle Saarländer finden Lehrstelle

Arbeit : Fast alle Saarländer finden Lehrstelle

Seit Jahren gibt es hierzulande mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Junge Menschen haben deshalb die Qual der Wahl.

Viele junge Saarländer wissen nicht, ob sie nach der Schule lieber eine Ausbildung oder ein Studium beginnen sollen. Man solle sich sehr genau überlegen, ob man sich vorstellen kann, jeden Tag mit Freude in einem bestimmten Beruf zu arbeiten, sagte dazu Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Ein Studium sei vor allem für junge Menschen geeignet, die gut eigene Entscheidungen treffen können. Während dagegen eine Ausbildung den Vorteil biete, dass sie klar strukturiert ist und die Lehrinhalte feststehen. Deshalb sei eine Ausbildung für junge Leute ratsam, die noch unentschlossen sind. Zumal man in vielen Berufen die Chance habe, auch später noch zu studieren. Viele, die ein Studium beginnen, seien mit ihrer Entscheidung später unglücklich. Das zeige die hohe Zahl von 25 Prozent an Studienabbrechern, in technischen Berufen liege sie zuweilen sogar bei 40 Prozent.

Wer sich für eine Ausbildung entscheide, habe im Saarland eine große Auswahl. Schon zum vierten Mal hintereinander sei die Zahl offener Stellen deutlich höher als die Zahl der Bewerber. 5500 Ausbildungs-Suchenden standen zwischen Oktober 2016 und September 2017 insgesamt 6800 gemeldete Stellen zur Verfügung. Die erfreuliche Nachricht: Fast alle Jugendlichen haben bereits einen Arbeitgeber in der Region gefunden. 147 Bewerber sind zwar immer noch auf der Suche, die Chefin der Regionaldirektion gibt sich jedoch optimistisch, dass auch für diese Jugendlichen noch eine Lehrstelle oder zumindest eine weiterführende berufliche Qualifizierung gefunden werden kann.

Von den 5500 erfolgreich vermittelten Jugendlichen in der Region haben rund 1100 eine weiterführende Schulausbildung, ein Studium oder Praktika in Betrieben begonnen, 2550 eine Ausbildung, 410 direkt eine Arbeit, 100 eine Tätigkeit bei sozialen Diensten und 140 ein Förderpraktikum. Welchen Weg die übrigen 1240 Jugendlichen gewählt haben, ist der Regionaldirektion nicht bekannt, da sie sich nicht mehr gemeldet haben, also offensichtlich in den meisten Fällen selbst erfolgreich bei der Suche waren. Interessant sind auch die Voraussetzungen, die am Beginn einer Ausbildung mitgebracht werden. So sind die Frauen in der Schule erfolgreicher und mit höheren Schulabschlüssen vertreten als die Männer. Demnach verfügten 40,2 Prozent der Frauen auf der Suche nach einer Lehrstelle über die Fachhochschulreife oder das Abitur, während es bei Männern nur 32,7 Prozent waren. 35 Prozent der männlichen Jugendlichen haben einen Hauptschulabschluss, bei den Frauen 26,4 Prozent.

Letztere wagen sich zumindest im Saarland nach wie vor an technische Berufe kaum heran, obwohl sie Heidrun Schulz ausdrücklich dazu ermuntert. Unter den gefragtesten Berufen bei Frauen findet sich kein technischer Beruf. Beliebte Berufe sind stattdessen: Kauffrau für Büromanagement, Verkäuferin, Medizinische Fachangestellte, Kauffrau im Einzelhandel, Friseurin, Industriekauffrau, Verwaltungsfachangestellte, Zahnmedizinische Fachangestellte, Tiermedizinische Fachangestellte und Fachverkäuferin im Bäckerhandwerk. Auch bei Männern gibt es eine klare Rangfolge: KFZ-Mechatroniker für PKW-Technik, Verkäufer, Industriemechaniker, Büro-Kaufmann, Einzelhandels-Kaufmann, Industriekaufmann, Metallbauer, Zerspanungsmechaniker, Fachkraft für Lagerlogistik und Tischler.