EU nimmt Google erneut ins Visier

EU nimmt Google erneut ins Visier

Die EU-Kommission verschärft ihr Vorgehen gegen Google. In dem jahrelangen Wettbewerbsverfahren nimmt sie erstmals auch konkret das Kerngeschäft mit Online-Werbung ins Visier.

Die EU-Kartellwächter werfen dem Internet-Riesen Google erstmals auch unfairen Wettbewerb in seinem Kerngeschäft mit Suchmaschinen-Werbung vor. Dabei geht es um einen Dienst, bei dem andere Websites Google-Suchmasken einbinden können. Unter anderem schränke der Konzern die Möglichkeiten dieser Anbieter ein, auch Suchmaschinenwerbung von Googles Rivalen anzuzeigen, erklärte die EU-Kommission. Zusätzlich bekräftigte die Behörde ihre Vorwürfe im Wettbewerbs-Verfahren zur Shopping-Suche.

"Wir glauben, dass das Vorgehen von Google den Verbrauchern geschadet hat, weil sie die Suchergebnisse angezeigt bekommen, die Google ihnen zeigen will, und nicht unbedingt diejenigen, die relevanter sind", sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Auf die Frage, wie häufig Google in den Suchergebnissen eigene Dienste nach oben schiebe, antwortete sie, die Kommission sehe ein solches Verhalten "sehr, sehr, sehr oft".

Die Kommission stört sich unter anderem daran, dass einige Kunden Google eine Mindestzahl von Suchmaschinenanzeigen abnehmen und dafür den am besten sichtbaren Platz reservieren müssten. Außerdem dürfe konkurrierende Suchmaschinenwerbung weder über noch neben Googles Suchmaschinenanzeigen platziert werden, kritisierte die Brüsseler Behörde.

Es ist der dritte Bereich, in dem die Kommission Google in einem sogenannten "Statement of Objections" unfairen Wettbewerb vorwirft und Änderungen fordert. In den ersten beiden Verfahren, die auf diese Eskalationsstufe kamen, geht es um Shopping-Angebote und das weltweit dominierende Betriebssystem Android. Die Shopping-Suche war das erste Segment, in dem es zu einem Verfahren der EU kam. Doch auch das Werbegeschäft untersuchen die Brüsseler Kartellwächter schon seit Jahren. Google wies die Vorwürfe wettbewerbswidrigen Verhaltens stets zurück. Der Konzern hat jetzt zehn Wochen Zeit für eine Stellungnahme.

Rund 90 Prozent der Google-Umsätze von 74,5 Milliarden Dollar kamen im vergangenen Jahr aus dem Geschäft mit Online-Werbung . Dabei bringen Anzeigen im Umfeld der Internet-Suche nach wie vor das meiste Geld ein. Beim neuen Dachkonzern Alphabet steuerten alle anderen Geschäftsbereiche neben Google nur knapp 450 Millionen Dollar Umsatz bei.