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Es fährt ein Zug nach Thionville

Es fährt ein Zug nach Thionville

Nach dem Scheitern des geplanten Handelszentrums Terra Lorraine in Illange soll das zweite Projekt zwischen Lothringen und China jetzt ein Erfolg werden. Die Firma Eurasia Express Bridge will eine bestehende Zugverbindung zwischen China und Nordeuropa bis nach Lothringen ausbauen.

Wieder geht es um Thionville und wieder geht es um China. Zwischen der chinesischen Metropole Chengdu und Lothringen soll in ein paar Monate eine Frachtverbindung entstehen. Der Betreiber Eurasia Express Bridge unterhält bereits mehrere Linien von China nach Europa. Um das chinesische Geschäft mit Westeuropa weiter anzukurbeln, soll nach Lodz in Polen und Riga in Lettland ein weiteres Terminal gebaut werden, und zwar im französischen Thionville .

Dass sich die lothringische Stadt im Dreiländereck gegen andere Standorte im Westeuropa durchsetzen konnte, liegt sowohl an ihrer zentralen Lage als auch an ihren guten Anbindungen. "Wir liegen an einem Knotenpunkt zwischen den wichtigsten Frachtrouten, sowohl auf dem Wasser mit dem Hafen an der Mosel als auch auf der Straße mit den guten Autobahnanbindungen", erklärt Jean-Charles Louis, der Vize-Präsident des Euroports. Dieser interkommunale Zweckverband soll die Entwicklung dieses Gewerbegebiets vorantreiben. "Auch der fünftgrößte Frachtflughafen Europas liegt in der Nähe, nämlich in Luxemburg", erinnert Louis. Von China aus soll der Frachtzug industrielle Teile nach Europa bringen, während er auf dem Rückweg Lebensmittel und Luxusgüter von Europa bis ins Reich der Mitte befördern soll. Die Bahnverbindung hat zwei Vorteile. Sie ist billiger als der Flugweg und zugleich schneller als mit dem Schiff.

Auch für die Kommunen aus der Umgebung ist das Projekt attraktiv. "Wir hoffen, dass sich Logistik-Unternehmen hier ansiedeln. Die neue Verbindung könnte 2000 Arbeitsplätze vor Ort schaffen", sagt Louis. Die Auswirkungen wären nicht nur für Lothringen von Bedeutung. "Wir haben bereits Kontakte mit Unternehmen aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz, die sich für den Export nach China auf diesem Weg interessieren."

Politiker haben gelernt

Dabei könnte man denken, dass Lothringen von Geschäften mit China abgeschreckt wurde. Das vor vier Jahren angekündigte Großprojekt Terra Lorraine, das die Ansiedlung von rund 3000 mittleren und kleineren chinesischen Unternehmen über 130 Hektar in Thionville vorsah und 3500 Arbeitsplätze mit sich bringen sollte, erwies sich als Luftschloss.

Auch bei dem aktuellen Vorhaben läuft nicht alles rund. Der erste Zug hätte bereits im Sommer von Thionville Richtung China losfahren müssen, es ging aber nicht. "Die Linie führt über Russland. Wegen der Sanktionen durften keine Lebensmittel durch das Land transportiert werden. Deshalb hat sich das verschoben", begründet Louis. Der erste Zug soll jetzt im Herbst rollen. Der sollte diesmal von China mit industriellen Gütern starten. Jean-Charles Louis zeigt sich verhalten optimistisch.

Eins scheinen die lothringischen Politiker vom Debakel Terra Lorraine auf jeden Fall gelernt zu haben. Ihr Partner, der Betreiber der Frachtlinie, ist kein chinesisches Unternehmen, sondern die vom französischen Geschäftsmann Sofiane Rachedine geführte Gesellschaft Eurasia Express Bridge. Sie betreibt bereits erfolgreich mehrere Frachtzugstrecken zwischen Asien und Europa. In Thionville will man nichts überstürzen. "Der erste Zug kann morgen kommen. Wir haben eine Fläche von einem Hektar vollständig aufbereitet", erzählt Jean-Charles Louis. Sobald die Züge von und nach China regelmäßig verkehren, soll die Logistikplattform ausgebaut werden. Aber nicht vorher.