US-Handelsstreit: Erst Stahl, jetzt Autos: Trump legt nach

US-Handelsstreit : Erst Stahl, jetzt Autos: Trump legt nach

Schon für seine Pläne, Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu verhängen, hat Donald Trump weltweit Empörung hervorgerufen. Nun will er auch Autos verteuern.

Mit angedrohten Strafzöllen auf Importe europäischer Autos hat Donald Trump den transatlantischen Handelsstreit weiter angeheizt. Der US-Präsident drohte am Samstag mit solchen Zöllen, sollte die EU auf die von ihm angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminium mit Gegenmaßnahmen reagieren. „Wenn die EU ihre bereits hohen Zölle und Handelsschranken für US-Firmen weiter erhöhen will, werden wir einfach eine Steuer auf ihre Autos erheben, die bisher kostenlos in die USA kommen“, schrieb Trump am Samstag auf Twitter.

US-Medien werteten die neue Attacke als „direkte Drohung“ gegen Deutschland. Der deutsche Branchenverband VDA warnte vor einer Zuspitzung des Konflikts. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries rief Trump zur Mäßigung auf. „Präsident Trump will ein Spiel spielen, das niemand gewinnen kann“, sagte die SPD-Politikerin am Wochenende.

Nach Berechnungen des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer wären vor allem die VW-Töchter Audi und Porsche von Strafzöllen betroffen, die anders als die VW-Kernmarke, BMW oder Daimler keine eigenen Werke in den USA unterhalten. Für Volkswagen rechnet Dudenhöffer im Fall von Strafzöllen mit Gewinneinbußen von rund fünf Prozent, falls die Exporte aus den USA nicht – wie eigentlich üblich – gegengerechnet würden. Bei Daimler und BMW errechnete der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen in diesem Fall einen Rückgang von „weniger als zehn Prozent“. Stärker getroffen würden etwa der britische Hersteller Jaguar Land Rover oder die schwedische Marke Volvo.

Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) exportierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt 494 000 Autos in die USA, das war mehr als ein Viertel weniger als noch 2013. Der Marktanteil lag mit 7,9 Prozent etwas höher als noch 2016. VDA-Präsident Bernhard Mattes warnte: „In einem Handelskrieg gibt es nur Verlierer, auf allen Seiten.“ 

Die deutschen Hersteller beschäftigen nach Verbandsangaben in den USA 36 500 Mitarbeiter, hinzu kommen Zehntausende Beschäftigte in der Zulieferindustrie. Zudem leisteten die Konzerne einen erheblichen Beitrag zur US-Handelsbilanz: „Gut jedes zweite Auto, das unsere Hersteller in den USA produzieren, geht als Export nach Europa, Asien und den Rest der Welt“, sagte Mattes, insgesamt seien das rund 430 000 Fahrzeuge.

Sowohl die „Washington Post“ als auch die „New York Times“ titelten nach der Ankündigung des US-Präsidenten in ihren Online-Ausgaben „Trump eskaliert den Handelskrieg“. Trump habe schon seit langem beklagt, dass mehr Mercedes-Autos in New York zu sehen seien als Chevrolets in Deutschland, schrieb die „Washington Post“. Auch einer von Trumps Topberatern, Peter Navarro, sei der Auffassung, dass die deutschen Autobauer Marktanteile in den USA „gestohlen“ hätten.

Trump hatte in der vergangenen Woche bereits Strafzölle auf alle Stahlimporte in Höhe von 25 Prozent angekündigt. Damit will er die heimische Industrie abschirmen. Auf Aluminium-Einfuhren sollen zehn Prozent erhoben werden. Damit werden Importe in die USA teurer. Als Reaktion kündigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Einfuhrzölle auf Whisky, Jeans und Motorräder aus den Vereinigten Staaten an.

International hatte bereits Trumps Zoll-Ankündigung für Stahl und Aluminium heftige Kritik hervorgerufen. Die Nachbarländer und wichtigen Stahllieferanten Kanada und Mexiko drohten Vergeltungsmaßnahmen an. Auch China kündigte eine Reaktion an. Wenn die USA chinesischen Interessen schadeten, „werden wir nicht tatenlos zusehen, sondern notwendige Maßnahmen ergreifen“, sagte Vizeaußenminister Zhang Yesui. Er versicherte aber, die Führung in Peking wolle „keinen Handelskrieg“ zwischen den beiden größten Volkswirtschaften. China ist offiziell für rund zwei Prozent der Stahlimporte in die USA verantwortlich, doch kommt chinesischer Stahl auch auf Umwegen in die USA.

Zugleich meldeten sich auch Volkswirte und Wirtschaftsführer in den USA zu Wort und warnten, die Zölle könnten zum Bumerang für die „America-First“-Agenda des Präsidenten werden. „Dies ist eine völlig fehlgeleitete Idee, die für uns nach hinten losgehen wird – und auch unseren Verbündeten und der Weltwirtschaft Schaden zufügen wird“, sagte der US-Milliardär Michael Bloomberg der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Trump will die Zölle jüngsten Meldungen zufolge noch in dieser Woche umsetzen. US-Handelsminister Wilbur Ross sagte, die USA hätten nach dem Weltkrieg viele Konzessionen gemacht. Diese müssten nun rückgängig gemacht werden.

(dpa)