Neuer Vorstandschef : Entscheidung bei Saar-LB

Thomas Bretzger soll offenbar neuer Vorstandschef der Saar-LB werden. Noch hält sich das Finanzministerium dazu bedeckt.

Die Frage nach dem künftigen Vorstandsvorsitz bei der Saar-LB ist offensichtlich entschieden: Spätestens zum Jahreswechsel soll Thomas Bretzger, Risikovorstand der Oldenburgischen Landesbank, den amtieren Vorstandschef Werner Severin ablösen. Damit hat sich das Land als Mehrheitseigner der Bank letztlich doch für eine externe Lösung entschieden. Kommende Woche finden die entscheidenden Gremiensitzungen von Präsidialausschuss, Verwaltungsrat und Hauptversammlung statt. Die Hauptversammlung soll Bretzger dann offiziell berufen.

Gestern teilte die Oldenburgische Landesbank mit, dass Bretzger um eine vorzeitige Beendigung seines Vorstandsvertrages zum 31. Dezember gebeten hat. Das Finanzministerium wollte die Personalie gestern nicht bestätigen. Medien im Umfeld der Oldenburgischen Landesbank berichten allerdings über einen Wechsel Bretzgers in das Saarland.

Schon seit Monaten läuft das Auswahlverfahren für einen neuen Vorstandschef für die Saar-LB. Im Rennen waren zuletzt der externe Kandidat Thomas Bretzger, sowie als interner Kandidat der stellvertretende Vorstandschef der Saar-LB, Gunar Feth. Während das Land, mit 74,9 Prozent der Anteile Mehrheitseigner, zuletzt die externe Lösung favorisierte, plädierte der Sparkassenverband als Minderheitsgesellschafter für die interne Lösung. Der Sparkassenverband hält 25,1 Prozent an der Bank.

Eigentlich sollte der Vertrag mit Bretzger bereits vor der Landtagswahl im März unterschrieben werden, allerdings gab es letztlich in der Koalition keine Mehrheit mehr für diese Lösung.

Bretzger ist seit Juli 2012 Vorstandsmitglied in der Oldenburgischen Landesbank (OLB) und dort für das Risikomanagement zuständig. Zuvor war der studierte Wirtschaftsingenieur unter anderem bei der Commerzbank, der Hypo-Vereinsbank und der Deutschen Bank aktiv - vor allem im Kreditportfoliomanagement. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung ist die Entscheidung für Bretzger vor allem wegen seines Profils und seiner breiten Erfahrung gefallen. Bretzger ist nicht nur seit 20 Jahren in unterschiedlichen Banken tätig, zuvor war er auch in der Industrie tätig. So hat er vier Jahre bei Daimler-Benz gearbeitet. Eigenen Angaben zufolge hat er auch eine Zeit lang in Spanien gearbeitet und dort eine Bank restrukturiert.

Innerhalb der saarländischen Sparkassen-Landschaft stößt die Personalie auch auf Kritik: Bretzgers Schwerpunkt liege bisher ausschließlich im Risikomanagement hieß es. Es fehle die strategische Vorerfahrung, die einen Bankmanager für den Posten des Vorstandschefs qualifiziere.

Auch die Tatsache, dass der Vorstand bei dieser externen Lösung mit vier statt mit drei Personen besetzt wird, hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt. Der Sparkassen-Verband hatte im Zuge der Verhandlungen ins Feld geführt, dass es angesichts eines Sparprogramms, bei dem Mitarbeiter auch auf Geld verzichten müssen, schwer zu vermitteln sei, dass ein weiterer teurer Vorstand eingesetzt werde.

Offen ist noch, ob Bretzger vielleicht sogar schon vorzeitig aus seinem Vertrag bei der Oldenburgischen Landesbank ausscheiden kann. Der amtierende Vorstandschef Werner Severin hatte bereits am Rande der Bilanzpressekonferenz gesagt, dass der neue Chef so schnell wie möglich in das Restrukturierungsprogramm der Bank eingebunden werden solle.

Bretzger kommt von einer Bank, die von der Größe her mit der Saar-LB zu vergleichen ist. 2016 wiesen die Oldenburger eine Bilanzsumme von 14,1 Milliarden Euro aus, bei der Saar-LB waren es 13,3 Milliarden Euro.

Der künftige Vorstandschef könnte das Saarland auch in anderer Hinsicht bereichern: Er hat sich als Züchter hochklassiger Rennpferde einen Namen gemacht.