Entschädigung bei Zugverspätung: Jost wirft der Bahn Verzögerungstaktik vor

Entschädigung bei Zugverspätungen : Saar-Minister Jost wirft der Bahn eine Verzögerungstaktik vor

Die Bahn will es Reisenden leichter machen, Entschädigungen zu beantragen. Wann die Änderungen kommen, ist aber noch offen. Das ärgert den saarländischen Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD).

Bahnreisende müssen schnell über ein einfacheres Verfahren Ansprüche auf Entschädigungen nach Zugverspätungen geltend machen können. Bis spätestens zum Start des Winterfahrplans müsse eine Lösung her, forderte der saarländische Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD). Er wirft der Deutschen Bahn eine Verzögerungstaktik vor.

Der Minister wertet es zwar als Erfolg einer Bundesratsinitiative des Saarlandes, dass das Unternehmen am Wochenende angekündigt hat, Anträge für Entschädigungen bei Zugverspätungen auf digitalem Weg möglich machen können. Bisher müssen Reisende ein Formular ausfüllen, es in einem Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte in Frankfurt schicken. Unklar ist aber, ab wann ein digitaler Entschädigungs-Antrag möglich ist. „Die Digitalisierung des Fahrgastrechteprozesses ist allerdings sowohl fachlich wie technisch komplex und erfordert daher noch etwas Zeit“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Der saarländische Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) kritisiert die Bahn scharf. Foto: dpa/Oliver Dietze

Es sei ein Offenbarungseid, wenn die Bahn ernsthaft von einem „fachlich und technisch schwierigen Prozess“ bei der Digitalisierung des Fahrgastrechteprozesses spreche, sagte Jost. „Die Informatiker der Saarbrücker Universität bieten der Bahn ganz bestimmt Unterstützung an, sollte es jetzt zu Problemen bei der Umsetzung kommen.“ Mit angeblichen IT-Problemen dürfe ein Konzern wie die Bahn im 21. Jahrhundert keine Verzögerung provozieren, kritisierte der Minister. Er forderte, dass spätestens zum Start des Winterfahrplans Online-Formulare für die Verbraucher zur Verfügung stehen.

Das Saarland hatte nach Ministeriumsangaben seine Initiative zur Stärkung der Fahr- und Fluggastrechte in die letzte Sitzung des Bundesrates Mitte Dezember eingebracht. Der Antrag sei in der Länderkammer auf einhellige Zustimmung gestoßen. Fluggesellschaften und auch die Bahn sollen demnach gesetzlich verpflichtet werden, bei Verspätungen oder Ausfällen automatisierte Entschädigungsverfahren zur Abwicklung von Ansprüchen einzuführen.

(mzt/dpa)
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