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Energiepauschale nach Gasumlage: Gibt es jetzt Entlastungen für Bürger?​

Energiekrise : Preisschock nach Gasumlage: Das müssen Kunden jetzt wissen

Mit der Gasumlage wird Heizen ab Oktober 2022 wesentlich teurer. Was Kunden jetzt wissen und worauf Sie sich einstellen müssen, haben wir übersichtlich zusammengefasst.

Nachdem sich im Zuge des Ukraine-Krieges Erdgas bereits verteuert hat, werden die Preise im Oktober nochmals kräftig anziehen. Ursächlich hierfür ist diesmal die sogenannte Gasumlage der Bundesregierung. Um einen Kollaps der deutschen Energieversorger zu verhindern, wird eine staatliche Gasumlage von 2,4 Cent pro Kilowattstunde eingeführt.

Für die Industrie rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit Mehrkosten von 5,7 Milliarden Euro. Auch private Haushalte werden mit der Kostenexplosion zu kämpfen haben.

Preisexplosion beim Heizen: Was ist die Gasumlage?

Gasimporteure haben Lieferpflichten gegenüber ihren Kunden; das sind vorwiegend die Stadtwerke. Da die Abgabepreise meist langfristig festgeschrieben sind, können die Gasimporteure wie Uniper diese Mehrkosten nicht ausgleichen. Es droht eine Pleitewelle und dahin gehend ein Kollaps des Energiemarktes.

Mit der Gasumlage tragen nun die Versorger die Mehrkosten mit und geben diese zugleich an die Endkunden weiter. "Ohne eine solche Umlage wäre zudem zu befürchten, dass einige Versorger ihren Betrieb einstellen müssten, was die Endkunden letztlich noch teurer kommen könnte", sagte Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Instituts für Wirtschaftsforschung am Montag, 15. August, der Deutschen Presse-Agentur. Allein die im September ausgezahlte Energiepauschale kann diese Gaskostenexplosion nicht deckeln.

Wie teuer wird die Gasumlage für private Haushalte?

Der Marktverantwortliche Trading Hub Europe (THE) nannte am Montag die Höhe der Umlage. Demnach beträgt diese exakt 2,419 Cent pro Kilowattstunde. Vergleichsportale wie etwa Check24 haben Modellrechnungen erstellt, welche die Kosten durch die Gasumlage auf die Verbraucher hochrechnet:

  • Ein Singlehaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden würde zwischen 89 und 298 Euro zahlen.
  • Eine Familie mit einem Verbrauch von 20 000 kWh zwischen 357 und 1190 Euro.

Die erheblichen Schwankungen der tatsächlichen Kosten ergeben sich durch unterschiedliche Heizfaktoren wie etwa Raumtemperatur oder Dämmung.

Wann wird die Gasumlage fällig und wie lange soll sie gelten?

Obwohl die Gasumlage ab Oktober gelten soll, wird die Erhöhung wahrscheinlich erst ab November in der Gasrechnung ausgewiesen. Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, dass Gas- und Stromversorger grundsätzlich verpflichtet sind, Preiserhöhungen sechs Wochen vorher anzukündigen.

Die Umlage soll zeitlich befristet werden und nur so lange anfallen, wie Uniper und andere Gasversorger gestützt werden müssen. Das wird voraussichtlich bis April 2024 dauern.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Bisher ist die <a href="https://twitter.com/hashtag/Gasumlage?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Gasumlage</a> ein &quot;handwerklich schlecht gemachter Schnellschuss&quot;, sagt <a href="https://twitter.com/vzbv?ref_src=twsrc%5Etfw">@vzbv</a>-Vorständin <a href="https://twitter.com/RamonaPop?ref_src=twsrc%5Etfw">@RamonaPop</a>. <br>Regierung muss Einführung verschieben bis alle Fragen geklärt sind und ein <a href="https://twitter.com/hashtag/Hilfspaket?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Hilfspaket</a> für alle steht, die Energiekosten nicht tragen können.<a href="https://t.co/jWZq53lw8x">https://t.co/jWZq53lw8x</a></p>&mdash; Verbraucherzentrale (@vzbv) <a href="https://twitter.com/vzbv/status/1559500970924511233?ref_src=twsrc%5Etfw">August 16, 2022</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Nach drei Monaten kann die Gasumlage aktualisiert werden. Sollte das russische Regime die Gaslieferungen vollständig einstellen, werden die Preise für Energie abermals deutlich steigen.

Müssen auch Fernwärme- und Festpreiskunden die Gasumlage zahlen?

Die Umlage muss von Privathaushalten und auch Unternehmen gezahlt werden, die Gas verbrauchen. Etwa die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland werden ausschließlich mit Gas beheizt. Damit sind Millionen Haushalte von der Preissteigerung betroffen.

Strittig ist nach wie vor, ob auch Fernwärmekunden und Kunden mit Festpreis-Verträgen die Gasumlage bezahlen müssen. Diese Frage wird noch immer geklärt, wie Habeck erklärte. „Wir werden aber klarstellen, dass dies auch bei der Fernwärme so ist.“ Zur Not werde man das Energiesicherungs-Gesetz noch einmal anpassen, sagte Habeck.

Nach Gasumlage: Gibt es Entlastungen für Privathaushalte?

Zur Bewältigung von Energiekrise und Inflation hat die Bundesregierung angekündigt, insbesondere untere Einkommensgruppen entlasten zu wollen.

In diesem Zusammenhang wollen die Verantwortlichen in Berlin ein drittes Entlastungspaket für die Bürger auf den Weg bringen. Das sieht unter anderem Hilfen beim Wohngeld und bei der Einkommenssteuer sowie einen Heizkostenzuschuss für einkommensschwache Haushalte vor. Den Berechnungen der Bundesregierung zufolge können Familien bis zu 1150 Euro erhalten. Aber auch Rentner, Studenten, Selbstständige oder Grundsicherungsempfänger sollen profitieren.

Kommt noch die Mehrwertsteuer zur Gasumlage hinzu?

Darüber wird derzeit noch verhandelt. Die EU-Kommission hat dem Antrag der Bundesregierung, die Mehrwertsteuer für die Gasumlage zu streichen, eine Absage erteilt. „Es gibt keine Möglichkeit, diese Art von Abgaben zu befreien“, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Dienstag, 16. August.

Erst kürzlich sei die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie diesbezüglich reformiert worden. Brüssel wolle aber gemeinsam mit der Bundesregierung nach einer Lösung zur Entlastung der Gaskunden suchen.

Welche Konzerne verzichten auf die Gasumlage?

Der Mineralölkonzern Shell erklärte, man werde die Gasumlage der Bundesregierung nicht in Anspruch nehmen. Shell machte zuletzt Negativ-Schlagzeilen im Zusammenhang mit dem sogenannten Tankrabatt. Kritiker warfen dem Unternehmen vor, die steuerlichen Erleichterungen auf Kraftstoff nicht an die Autofahrer weiterzugeben.

Auch RWE-Kunden dürfen sich freuen. Der Energieversorgungskonzern aus Essen hat angekündigt, auf die Nutzung der Umlage verzichten zu wollen. RWE-Chef Markus Krebber hatte darauf verwiesen, dass RWE finanzstark und robust sei. RWE hat gerade seinen Gewinn verdoppelt, russisches Gas soll im Energiemix des Konzerns nur eine untergeordnete Rolle spielen.