Ende der Kostenlos-Kultur

Die Sparda-Bank Südwest verschiedet sich vom generell gebührenfreien Girokonto.

Das vollkommen kostenlose Girokonto wird es bei der Sparda-Bank Südwest ab 1. April nur noch als reines Online-Konto geben. Wenn die Kunden nicht auf Belege verzichten wollen, soll die Bankkarte künftig zwölf Euro pro Jahr kosten. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende des Instituts, Hans-Jürgen Lüchtenborg, gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz an. Das kostenlose Girokonto war über Jahrzehnte das Aushängeschild der Bank. "Doch in Zeiten, in denen wir für Geld, das wir bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen, 0,4 Prozent Strafzins zahlen müssen, kommen auch wir nicht an einer moderaten Einführung von Gebühren vorbei", sagte Lüchtenborg.

Doch der Sparda-Bank Südwest geht es keineswegs schlecht. Das Institut, das sein Geschäftsmodell in erster Linie in der Finanzierung des privaten Wohnungsbaus sieht, profitiert von dem gegenwärtigen Immobilienboom. 1,16 Milliarden Euro an neuen Krediten sagte die Bank im vergangenen Jahr zu, wie Vorstandsvize Michael Becky erläuterte. Davon entfielen knapp 720 Millionen Euro auf Baukredite und 271,5 Millionen Euro auf die Vermittlung von Darlehen, hinter denen oft auch Hypothekenkredite stecken. Trotz dieser milliardenschweren Neuzusage ging das Kreditvolumen des Instituts leicht um 0,1 Prozent auf 6,54 Milliarden Euro zurück. "Grund dafür sind Sondertilgungen, da die Kunden ihre relativ teuren Kredite aus der Vergangenheit loswerden wollen, obwohl sie das Geld nur zu geringen Zinsen anlegen können", sagte Becky.

Diese Millionen könnten auch wieder in den Wohnungsbau fließen, "wenn mehr Investitionsmöglichkeiten vorhanden wären - besonders bei mehrgeschossigen Wohnhäusern", erläutert er. Die Bauinteressenten würden unter anderem durch die Unlust vieler Kommunen ausgebremst, neue Baugebiete auszuweisen". Lüchtenborg forderte zudem, die Abschreibungsmöglichkeiten für den Wohnungsbau zu verbessern. "Eine lineare Abschreibung über zwei Prozent jährlich - mehr wird derzeit nicht anerkannt - ist ein echtes Investitionshemmnis."

Auch die Sparda-Bank ist unter die Bauherren gegangen. Sie zieht im Frühjahr mit ihrer wichtigsten Zweigstelle an der Saar von der Saarbrücker Beethoven- in die Bahnhofsstraße. Das Institut investiert dort rund vier Millionen Euro. "Damit schließen wir ein umfangreiches Umbau- und Modernisierungsprogramm unserer 43 Filialen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland weitgehend ab", erläuterte der Vorstand. "Wir setzen trotz der stärkeren Digitalisierung des Bankgeschäfts immer noch stark auf die Filialen. Sie sind das Bindeglied zwischen der Bank und den Kunden", sagte Lüchtenborg.

 Hans-Jürgen Lüchtenborg, Chef der Sparda-Bank Südwest. Foto: Sparda-Bank/Rup
Hans-Jürgen Lüchtenborg, Chef der Sparda-Bank Südwest. Foto: Sparda-Bank/Rup Foto: Sparda-Bank/Rup

Die Kundeneinlagen sind um 2,46 Prozent auf 7,69 Milliarden Euro gestiegen, wobei das fast zinslose Tagesgeld um 8,9 Prozent auf 5,76 Milliarden Euro angewachsen ist. "Die Leute haben sich inzwischen offenbar damit abgefunden, dass sie keine Zinsen mehr bekommen, wenn sie bei ihrer Anlagepolitik auf Nummer sicher gehen", sagte Vorstandsvize Becky. Insgesamt verfügt die Bank über eine Bilanzsumme von 9,42 Milliarden Euro. Der Bilanzgewinn erreichte 15,6 Millionen Euro. Das Institut beschäftigt knapp 680 Frauen und Männer.