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Zukunftstarifvertrag: Doppel-Null gegen Job-Abbau bei Terex

Zukunftstarifvertrag : Doppel-Null gegen Job-Abbau bei Terex

IG Metall erreicht in Verhandlungen mit dem Kranbauer eine Arbeitsplatzgarantie für die Zweibrücker Werke des Kranbauers.

Es geht nichts über eine griffige Formel, um Menschen einen Zusammenhang näherzubringen. Die Formel für die Einigung zwischen Terex und der IG Metall hat so eine Formel: die Doppel-Null. Was damit gemeint ist, erläuterte   Ralf Cavelius, 2. Bevollmächtigter der IG-Metall Homburg-Saarpfalz, null betriebsbedingte Kündigungen bis 2021 und null Einbußen bei Lohn und Gehalt für die Mitarbeiter des Kranbauers. Im Dezember hatte Terex-Cranes-Chef Steve Filipov noch gedroht, innerhalb eines halben Jahres 500 von 1700 Arbeitsplätzen abzubauen.

„Zwei bis drei Anläufe“ des US-Unternehmens habe es im Laufe der Verhandlungen zwar in Richtung harter Einschnitte gegeben, sagte Cavelius. Die habe man aber mit Hinweis auf die angeblich mit 100 Millionen Euro gefüllte „Kriegskasse“ von Terex-Cranes-Chef Steve Filipov für diese Auseinandersetzung kontern können. Das Geld sei doch sowieso da – weil von den Terex-Mitarbeitern bereits erwirtschaftet. „Da haben wir gesagt, löst das doch geschickt auf, dann habt ihr genug Geld.“  In der Summe, sagte Cavelius, habe die Arbeitnehmerseite Terex so davor bewahrt, 100 Millionen Euro auszugeben.

25 Millionen Euro wird Terex gemäß der Vereinbarung jedoch trotzdem in die Hand nehmen müssen – für Investitionen in den Standort. Das Geld soll laut Cavelius unter anderem in den Bau und/oder Modernisierung von Fertigungshallen und -strecken sowie die Optimierung von Abläufen fließen.

Die Zahl der Auszubildenden wird bis 2021 auf „30 plus 2“ – eine weitere griffige Formel – festgeschrieben. Gemeint ist damit, dass jedes Jahr mindestens 30 Auszubildende und zwei Bewerber fürs duale Studium  eingestellt werden. Der Berufe-Mix wird jedes Jahr zwischen Betriebsrat und Standortleitung/Personalabteilung neu festgelegt. Weiter enthält der Tarifvertrag die Verpflichtung, bis Ende des Jahres eine Betriebsvereinbarung zum Thema Outsourcing abzuschließen. Darin sollen, erläuterte Cavelius, die Regularien für In- und Outscourcing sauber beschrieben werden. Und zwar nicht nur in eine Richtung: Es soll auch regelmäßig überprüft werden, ob eine nach außen vergebene Aufgabe nicht wieder im Unternehmen selber angesiedelt werden kann.

Im Werk Blieskastel-Bierbach wird sich weniger ändern als bisher bekannt. Zwar ist das Gelände mittlerweile an die Firma Steil Kranarbeiten aus Trier (siehe Infokasten) verkauft. Terex hat es jedoch für Test und Abnahme von Kränen wieder angemietet. Das bedeutet: Die Mitarbeiter dieser Abteilung bleiben in Bierbach. Die anderen werden nach und nach abgezogen. Der Prozess soll sich bis September 2018 hinziehen. Diese etwa 150 Mitarbeiter aus Stahlbau, Reparatur und Ersatzteil-Zentrum bekommen Jobs an den beiden Zweibrücker Standorten. Zwar müssen sie dafür unter Umständen erst qualifiziert werden – dafür ist ein Berufsinfotag geplant –, aber Cavelius ist optimistisch: „Das sind ja alles Metallberufe.“

Teil der Vereinbarung soll laut Cavelius auch eine Variante für den Worst Case, also für den schlimmsten Fall, sein, „wenn jetzt der Markt zusammenbrechen würde“, sagte de Gewerkschafts-Sekretär. „Wir gehen aber nicht davon aus, dass so etwas passiert, sondern sich der Markt entwickelt.“ Sollte der schlimmste Fall doch eintreten, gilt die eigentlich bis 2021 fixierte Jobgarantie nur bis 2019. Und selbst dann müssen erst andere Stellschrauben wie Kurzarbeit vorgeschaltet werden.