Dieter Zetsche tritt als Vorstandschef von Daimler ab

Dieter Zetsche geht : Generationswechsel bei Daimler

Bei Daimler endet eine Ära: Nach mehr als 13 Jahren an der Spitze des Autobauers gibt Vorstandschef Zetsche seinen Posten ab.

Beim Automobilsalon in Genf hat Daimler-Chef Dieter Zetsche schon einmal ein wenig das Aufhören geübt. Da stand nicht etwa Zetsche vorn, um vor Journalisten noch einmal im Detail zu erläutern, wie Daimler sich die Zukunft vorstellt. Sondern sein Nachfolger Ola Källenius. Zetsche saß etwas abseits auf einem dieser Höckerchen, auf denen man bei solchen Veranstaltungen heutzutage so sitzt, den Blick gesenkt, die Arme verschränkt, und lauschte über Kopfhörer den Worten des neuen Chefs.

Nach 13 Jahren und knapp fünf Monaten an der Spitze des Autobauers endet heute die Ära Zetsche bei Daimler. Viel gesagt hat der 66-Jährige bisher nicht über seinen Abschied, immerhin aber, dass er mit sich „total im Frieden“ sei. Der promovierte Ingenieur ist seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen und mit seinem charakteristischen Schnauzbart selbst zur Marke geworden. Er hat den Konzern umgekrempelt, ihm die Krawatten ab- und die Sneakers zur Jeans angewöhnt. Daimler ist jetzt hip, der Rentner-Benz passé.

Passé sind erstmal aber auch die Rekorde, die Zetsche noch vor einem Jahr verkünden konnte. Danach zeigte der Handelsstreit zwischen China und den USA Wirkung, dazu kamen Kosten etwa für Dieselrückrufe, Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP und nur noch ein ganz knappes Plus bei den Autoverkäufen. Die Folge: 2018 musste der Konzern einen Gewinneinbruch verbuchen. Und weil weiter viel Geld in den Aufbruch ins Elektro-Zeitalter fließt, gleichzeitig aber die Verkaufszahlen bei den aktuellen Modellen nun richtig schwächeln, lief auch der Start ins Jahr 2019 eher mies.

So scheidet Zetsche ohne neue Rekordzahlen im Rücken aus dem Amt, was aber, so hat er es jedenfalls gesagt, weder für Daimler noch für ihn selbst eine Rolle spielt. Auch Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Leistung Zetsches dadurch nicht geschmälert. „Alle haben momentan Schwierigkeiten, ihre Renditen zu erreichen“, betont er. Von einer Amtszeit mit vielen Höhen und Tiefen spricht Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Aber: „Insgesamt, glaube ich, haben wir eine sehr gute Entwicklung in den letzten Jahren gehabt“, sagt er.

Sein Nachfolger Källenius wird ein Kartellverfahren der EU und vor allem den Dieselskandal erben. Auch in Mercedes-Fahrzeugen soll es bei der Abgasreinigung nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Wie seine Agenda aussieht, lässt der neue Chef offen. So wenig Zetsche über seinen Abschied spricht, so wenig spricht Källenius über seinen Antritt – öffentlich jedenfalls.

Dass der 49-Jährige jetzt alles anders macht, ist aber nicht zu erwarten. „Ola Källenius ist ja nicht neu“, sagt Brecht. „Es ist nicht so, als wenn da jetzt jemand vom Himmel fällt und wir nicht wüssten, wie er tickt.“ Anders als Zetsche ist der Schwede kein Ingenieur, sondern ein Mann der Zahlen. Was die Strategie angeht, heißt es, lägen die Ansichten der beiden dicht beieinander.

Källenius wird eigene Akzente setzen und Zetsche wird das alles aus der Ferne verfolgen – müssen. Für ihn beginnt die sogenannte Abkühlungsphase. Erst wenn die in zwei Jahren abgelaufen ist, kann er sich in den Aufsichtsrat wählen lassen. Geplant ist das für 2021.

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