Autohersteller will sechs Milliarden einsparen Audi will 9500 Jobs bis 2025 streichen

Ingolstadt · Dieselskandal und die Umstellung auf Elektroantrieb belasten den Autobauer. Der Abbau soll Einsparungen in Milliardenhöhe bringen.

 Audi beschäftigt in Deutschland rund 61 000 Mitarbeiter.

Audi beschäftigt in Deutschland rund 61 000 Mitarbeiter.

Foto: dpa/Ronald Wittek

Der Autobauer Audi will sich mit einem massiven Stellenabbau und weiteren Sparmaßnahmen aus der Krise befreien. Bis 2025 baut die VW-Tochter 9500 Stellen an den deutschen Standorten ab, dafür sollen im Gegenzug bis zu 2000 Jobs in Bereichen wie Elektromobilität und Digitalisierung neu entstehen. Das sei das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Aktuell beschäftigt Audi rund 61 000 Mitarbeiter in Deutschland.

Der Stellenabbau solle sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen, hieß es. Die Beschäftigungsgarantie für die verbleibenden Audi-Mitarbeiter in den Werken Ingolstadt und Neckarsulm wird von 2025 bis Ende 2029 verlängert. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch lobte die Vereinbarung als wichtigen Meilenstein und betonte: „Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sind sicher!“

Audi und der Betriebsrat hatten seit längerem über den Zukunftspakt für das unter Druck stehende Unternehmen verhandelt. Der Premiumhersteller erhofft sich von den Maßnahmen Einsparungen von insgesamt sechs Milliarden Euro bis 2029.

Der künftige Audi-Chef Markus Duesmann soll den Autobauer wieder profitabler machen, enger mit Porsche und VW zusammenarbeiten und bis 2025 auch 30 Elektro-Modelle auf den Markt bringen. Das aktuelle Paket entstand allerdings noch unter der Leitung des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Bram Schot. „Beide Seiten haben bewiesen, dass die Verantwortung für die Zukunft der Vier Ringe und ihrer Mitarbeiter im Fokus steht“, sagte der Noch-Audi-Chef zur Einigung mit dem Betriebsrat. „In Zeiten des Umbruchs stellen wir Audi agiler und effizienter auf. Damit erhöhen wir die Produktivität und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Standorte langfristig.“

Die Kapazitäten der deutschen Standorte werden im Rahmen der Vereinbarung nach unten angepasst. Denn schon seit längerem sind die Werke nicht ausgelastet. Das war zuletzt auch von der Konzernmutter in Wolfsburg kritisiert worden.

Auch bei den verbleibenden Mitarbeitern kann sich die aktuelle Vereinbarung in der Zukunft im Geldbeutel bemerkbar machen. Zwar soll sich die Ergebnisbeteiligung auf dem Niveau der Vorjahre bewegen, wenn das operative Ergebnis ebenfalls gleich bleibt, wie Audi mitteilte. Doch bei deutlich höheren Ergebnissen muss künftig erst verhandelt werden, ob auch die Beteiligung entsprechend steigt. Für das vergangene Jahr hat ein typischer Audi-Mitarbeiter in der Produktion rund 3600 Euro Erfolgsbeteiligung erhalten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen aber auch schon deutlich höhere Summen gezahlt.

Audi ist seit der Aufdeckung des Dieselskandals 2015 auf Talfahrt und deutlich hinter die Konkurrenten Daimler und BMW zurückgefallen. Der Skandal kostete Milliarden. Sechs Entwicklungschefs hatte Audi in den vergangenen sieben Jahren, die Autos verkaufen sich zäh. Erst Ende Oktober hatte das Unternehmen die Absatzprognose für das laufende Jahr senken müssen.

Neben den hausgemachten Problemen aus dem Dieselskandal leidet Audi auch unter der allgemeinen Schwäche der Autoindustrie. Die Umstellung auf Elektromobilität kostet die Konzerne Milliarden. Hinzu kommen neue Mobilitätskonzepte und die Herausforderungen von Digitalisierung und autonomem Fahren. Parallel dazu schwächelt der weltweite Autoabsatz, was neben den Herstellern auch Zulieferer trifft.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort