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Die „Sixtinische Kapelle der Urgeschichte“ in einer neuen Replik

Die „Sixtinische Kapelle der Urgeschichte“ in einer neuen Replik

Die berühmte Lascaux-Höhle in Südwestfrankreich bekommt eine neue Replik. Erstmals wird die ganze Grotte mit allen Höhlenmalereien nachgebildet. Mitte Dezember soll sie eröffnet werden.

Die Lascaux-Höhle wird wegen ihrer reichen Steinzeitmalerei die "Sixtinische Kapelle der Urgeschichte" genannt. Nur sind die über 17 000 Jahre alten Kunstwerke schon lange nicht mehr zugänglich. Die Grotte bei Montignac in der Dordogne wurde 1963 wegen Pilzbefalls, der durch den Atem Tausender Besucher entstanden ist, geschlossen. Auch die vor mehr als 30 Jahren eröffnete Kopie Lascaux II musste längst restauriert werden.

Lascaux IV soll nun alle Kunstwerke besser schützen. Rund 60 Millionen Euro hat die neue Replik gekostet. Erstmals wird die ganze Grotte mit über 1900 Tiermalereien reproduziert. Ein gigantisches Unternehmen, denn die von den Cro-Magnon-Menschen mit natürlichen Pigmenten gemalten und gravierten Felsenbilder sind von erstaunlicher Qualität und Präzision. Die jungpaläolithische Grotte steht seit 1979 auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco. Die Idee zur neuen Replik ist Anfang 2000 entstanden, als erste, durch die Lascaux II-Besuchermassen ausgelöste Schäden an dem Hügel festgestellt wurden, unter dem auch das Original liegt. Zudem drohte auch der 1983 eröffneten Lascaux II der Pilzbefall. "Mit dem neuen Faksimile soll der Besucherstrom besser verteilt werden", so Nicolas Platon, der sich für das Département der Dordogne um die Kulturstätte kümmert. Lascaux IV liegt 500 Meter vom Original und der ersten Replik entfernt.

Lascaux IV ist spektakulär, auch wenn sie bislang noch Baustelle ist. Zu sehen ist ein riesiger Betonklotz, der teils in der Erde, teils an der Oberfläche liegt. Er ist zweigeteilt und gleicht einer Erdspalte. Irgendwann soll die Replik eins werden mit der Natur. Der Entwurf stammt von Snøhetta. Das norwegische Architektenbüro ist bekannt für fließende Übergänge von Landschaft und Architektur. Ein Teil des 8500 Quadratmeter großen Faksimiles ist der Wissenschaft der prähistorischen Kunst gewidmet und der Geschichte von Lascaux. Unter dem Titel "Lascaux III" tourt mit diesem Ansatz auch eine Ausstellung durch die Welt. Über 25 Künstler arbeiten seit mehr als drei Jahren in Ateliers an der Reproduktion der Tierbilder. Millimetergenau gemalt und graviert wird auf Felsimitationen aus Stahl und Acrylharz, die auf einem 3-D-Modell basieren, für dessen Design Boden, Wände und Decken der Originalhöhle gescannt wurden.