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Die Saar-Wirtschaft ist 2018 mit 0,8 Prozent Minus deutlich geschrumpft

Konjunktur-Delle : Saar-Wirtschaft geht auf Schrumpfkurs

Mit einem Minus von real 0,8 Prozent hat die Wirtschaft im Saarland an Schwung verloren. Auslöser sind gleich mehrere Faktoren

Mit der Wirtschaft im Saarland läuft es aktuell nicht besonders gut. Diesel-Krise, Brexit-Unsicherheiten, Diskussionen über neue Antriebe, Schwäche am Weltmarkt, all das macht der Auto- und Export-lastigen Saar-Wirtschaft massiv zu schaffen.

Jetzt zeigt sich das auch in den Wachstumszahlen. Denn da, das belegen die vorläufigen Zahlen, die das Statistische Amt gestern bekannt gab, geht es deutlich nach unten. Um 0,8 Prozent ist die Saar-Wirtschaft demnach geschrumpft, preisbereinigt nach Abzug der Inflation. Nominal wäre es noch ein Wachstum von 1,2 Prozent gewesen.

Letztlich hat sich die Wirtschaft damit deutlich schlechter entwickelt als im Bund, wo es noch immer ein preisbereinigtes Wachstum von 1,4 Prozent gab, nominal waren es sogar 3,3 Prozent Wachstum.

Obwohl das Statistische Amt die Vorläufigkeit der Zahlen betont – weil die Datenbasis für solch kurzfristige Berechnungen noch nicht vollständig ist, werden die Zahlen üblicherweise noch einmal angepasst – ist der Trend doch eindeutig. Und der, das betont Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der saarländischen Industrie- und Handelskammer, ist in jedem Fall besorgniserregend. „Wir haben damit bereits das vierte negative Wachstum innerhalb von sieben Jahren. Und damit ist das Saarland seit der Wirtschaftskrise nur halb so stark vorangekommen wie der Rest der Republik“, sagt Klingen.

Letztlich hat diese Entwicklung unter dem Bundesschnitt die spezielle Wirtschaftsstruktur im Saarland zu verantworten. Das Saarland als Auto- und Exportland ist gleich doppelt von der aktuellen Entwicklung getroffen. Einerseits wächst weltweit die Unsicherheit durch zunehmenden Protektionismus und Handelskriege, durch den Brexit droht ein wichtiger Handelsmarkt wegzubrechen und auch die zunehmenden Spannungen mit der Türkei schlagen sich auf den Handel nieder. Auf der anderen Seite steigt die Unsicherheit der Kunden beim Autokauf – durch die Diesel-Krise und durch die Diskussion über die Antriebe der Zukunft, sei es die Elektromobilität, Hybrid- oder Wasserstofftechnik.

Zum Jahresbeginn 2018 sah die Lage im Saarland noch optimistischer aus. Die IHK erwartete ein Wachstum von 1,5 Prozent, musste die Prognose aber mehrfach nach unten korrigieren. Neben den gesamtwirtschaftlichen Problemen kam zusätzlich noch ein Modellwechsel bei Ford sowie die Umstellung auf einen neuen Abgasstandard dazu, die die Umsätze deutlich einbrechen ließen.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) spricht angesichts der neuesten Zahlen von einer „riesigen Herausforderung“ für das Saarland. „Energiewirtschaft und Automobilindustrie stehen in einem grundlegenden Strukturwandel“, sagt Rehlinger. Dazu komme der drohende Brexit, bei dem nach der gestrigen Abstimmung im Unterhaus die Unsicherheiten bleiben.. „Das trifft unser Bundesland – das als ehemaliges Bergbaurevier bereits einen Strukturwandel bewältigt hat – besonders hart“, sagt Rehlinger. Seit Monaten werbe sie deshalb auch für Strukturhilfen für das Saarland. Ihr gehe es darum, die industrielle Basis im Land zu verteidigen und die wirtschaftliche Struktur zu diversifizieren.

Martin Schlechter, Geschäftsführer der Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände (VSU), sieht Perspektiven rund um das neue Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit (Cispa). Dadurch entstehe ein neuer Wirtschaftszweig, der die Abhängigkeit des Landes von der Autoindustrie verringere. „Ich denke, dass wir mit dem Cispa auf dem richtigen Weg sind“, sagt Schlechter. Schon gar, da rund um das Zentrum weitere Gründungen zu erwarten seien. „Wir sehen ja, dass ZF mit einem gemeinsamen Forschungszentrum mit dem DFKI und dem Cispa einen wichtigen Schritt gemacht hat.“ Der Getriebehersteller ZF hat angekündigt, gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und dem Cispa ein Forschungszentrum im Umfeld des Helmholtz-Zentrums zu etablieren.

Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, die Möglichkeiten für weitere Produktionsunternehmen zu schaffen, sich im Saarland anzusiedeln. Die geplante Fertigung des Küchenherstellers Nobilia in Saarlouis hat gezeigt, dass es immer noch möglich ist, neue Unternehmen für das Saarland zu gewinnen. „Deshalb müssen wir jetzt konsequent weitere Gewerbegebiete ausweisen“, sagt Schlechter.

Wachstumsraten Foto: SZ/Steffen, Michael
Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger fordert Strukturhilfen für das Saarland. Foto: Ministerium Foto: Staatskanzlei Saarland/ Uwe Bellhäuser/Bellhäuser

IHK-Chef Klingen fordert die Regierung außerdem auf, ihre für die Jahre ab 2020 geplante Investitionsoffensive vorzuziehen, und so das Wachstum anzukurbeln.