Die Menschen weltweit werden reicher

Die Menschen weltweit werden reicher

Unvorstellbare 155 Billionen Euro besitzen Menschen weltweit an Geldvermögen. Doch wie ist der Reichtum verteilt? Während in Deutschland der Mittelstand stabil bleibt, verliert er in vielen Euro-Ländern an Vermögen.

Die Menschen rund um den Globus haben immer größere Geldvermögen - das Wachstum hat sich im vergangenen Jahr einer Studie zufolge allerdings deutlich verlangsamt. Danach stieg das Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte um 4,9 Prozent auf den Rekordwert von 155 Billionen Euro. In den drei Jahren zuvor lag der Zuwachs im Schnitt jährlich noch bei neun Prozent, wie aus dem gestern vorgestellten Global Wealth Report (Reichtumsbericht) der Allianz hervorgeht. Die fetten Jahre scheinen erst einmal vorbei zu sein, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise.

In der Vergangenheit hatte vor allem der von der Billiggeldschwemme großer Notenbanken beflügelte Börsenboom für kräftige Zuwächse gesorgt. Deutsche allerdings haben davon nur unterdurchschnittlich profitiert. Denn viele Menschen hierzulande machen noch immer einen Bogen um Aktien. Hätten die Deutschen in den vergangenen vier Jahren nur 30 Prozent ihres Vermögens in Bankeinlagen gesteckt statt 40 Prozent und die übrigen zehn Prozent je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, hätten sie nach Berechnungen der Allianz zusätzlich rund 200 Milliarden Euro erzielen können. Sparen entpuppe sich daher derzeit vor allem als Geldparken und nicht als Investieren. Für die Zukunft müsse das allerdings nicht mehr zwingend gelten: Inzwischen hätten die Kursschwankungen an den Aktienmärkten spürbar zugenommen. "Offensichtlich verliert die extrem expansive Geldpolitik auch als Treiber der Wertpapierpreise langsam an Wirkung", so Heise.

Unangefochtener Spitzenreiter unter den mehr als 50 untersuchten Ländern ist weiter die Schweiz mit einem Brutto-Geldvermögen von 260 800 Euro pro Kopf im vergangenen Jahr. Auch nach Abzug der Schulden liegen die Schweizer mit netto 170 590 Euro vorn. Deutschland rangiert mit 67 980 Euro pro Kopf brutto weltweit auf Platz 20. Netto rangiert Deutschland auf Rang 18, weil sich die Haushalte trotz des Zinstiefs mit der Aufnahme von Krediten zurückhielten.

Deutschland weist der Studie zufolge in Verteilungsfragen seit dem Jahr 2000 eine Stabilität ohne große Veränderungen auf. Etwa 40 Prozent des Netto-Geldvermögens entfallen danach auf die Vermögensmittelklasse - Menschen mit Ersparnissen zwischen 7000 und 42 000 Euro nach Abzug der Schulden. Das ist aber nur die Lage hierzulande. In den Euro-Ländern Italien, Irland und Griechenland sowie in den USA, Japan und Großbritannien halte die Mittelklasse dagegen immer weniger am Gesamtvermögen. Die Allianz spricht von einem "schleichenden Prozess der Auszehrung der Mitte". Weltweit wächst dagegen die Mittelklasse - angetrieben vor allem von der Entwicklung in Asien.

Zugleich werden die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im Euroraum der Studie zufolge immer reicher. Die Ballung immer größeren Reichtums in der Hand weniger "führt zu einer wachsenden Unzufriedenheit in der breiten Bevölkerung - das Votum der Briten, die EU zu verlassen, sollte auch vor diesem Hintergrund gesehen werden", argumentieren die Autoren des Reports.

Mehr von Saarbrücker Zeitung