Die Krise in der Autoindustrie verschärft sich

Branche im Umbruch : Die Krise in der Autoindustrie verschärft sich

Die deutschen Autobauer haben nach Jahren der Rekordmeldungen wenig zu feiern. Einerseits müssen die für die deutsche Volkswirtschaft so wichtigen Unternehmen viele Milliarden in Elektroantriebe, Batterietechnik und Vernetzung im Auto stecken, andererseits brechen ihnen Märkte regelrecht weg, die lange Zeit als sicher und verlässlich galten.

Volkswagen und Daimler meldeten für ihre Kernmarken VW und Mercedes-Benz am Mittwoch weitere Rückgänge beim Autoverkauf rund um den Globus. Experten sind in Sorge, dass die Autoproduktion dieses Jahr drastisch sinkt.

In China, früher ein Wachstumsgarant, herrscht nach mehr als 20 Jahren Boom seit zwölf Monaten Tristesse. Die Autokäufer reagieren weiter höchst sensibel auf die Zollstreitigkeiten zwischen den USA und Peking. Außerdem wächst die Wirtschaft im Reich der Mitte nicht mehr so rasant wie früher. Entsprechend warten die chinesischen Verbraucher mit teuren Anschaffungen.

Auch der Markt in Europa will nicht so recht anspringen, nachdem vergangenen Herbst neue Abgasmessverfahren eingeführt wurden. Und in den USA drohen - neben der Zolldiskussion - höhere Zinsen, die die Nachfrage der oft auf Pump kaufenden Autofahrer abwürgen könnten.

Volkswagen liegt mit seiner Kernmarke nach fünf Monaten mit weltweit rund 2,46 Millionen ausgelieferten Autos fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Daimler verkaufte mit der Stammmarke Mercedes-Benz bisher ebenfalls knapp fünf Prozent weniger Autos, bei Audi waren es fast sechs Prozent weniger. BMW muss die Zahlen für Mai erst noch vorlegen, hatte bis April aber ein kleines Plus von fast einem Prozent bei der Hausmarke zu verzeichnen.

Für den Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer steht die Industrie weltweit vor einer tiefen Krise. Laut einer Studie des Forschungsinstituts CAR der Universität Duisburg-Essen könnte im laufenden Jahr der globale Absatz neuer Autos um gut fünf Prozent auf 79,5 Millionen Stück sinken. Ein derart starker Einbruch war nicht einmal nach der Finanzkrise 2008 zu beobachten. Dudenhöffer sieht die vom US-Präsidenten Donald Trump angezettelten Zollkriege und Sanktionen als wichtigsten Grund. Die Untersuchung rechnet für das Gesamtjahr 2019 mit einem Rückgang von rund zehn Prozent in China. In Westeuropa werde das Minus mit drei Prozent moderater ausfallen.

Zwar treffen die Probleme die deutschen Hersteller und Zulieferer auf unterschiedliche Weise. Bei Mercedes-Benz etwa belasten derzeit nach Unternehmensangaben vor allem Modellwechsel. Bei Audi bereitete der neue Abgasprüfstandard WLTP die schwersten Probleme, weil viele Modelle nicht verfügbar waren. VW ist mit dem Angebot an massenkompatiblen Autos relativ stark von der Kaufzurückhaltung in China betroffen. BMW wiederum muss wegen der Marktturbulenzen in Europa die Produktion drosseln.

Doch so unterschiedlich die Probleme im Einzelnen sein mögen, der Effekt ist oft gleich: sparen, sparen, sparen. Bei Daimler wird der neue Chef Ola Källenius wohl bald die Zügel anziehen müssen, auch BMW will zwölf Milliarden Euro weniger ausgeben. Bei Volkswagen trimmt Vorstandsboss Herbert Diess vor allem die renditeschwache Kernmarke VW und die zuletzt schwächelnde Konzerntochter Audi auf mehr Rendite.

(dpa)