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Hannover Messe
Kanzlerin eröffnet Hannover Messe

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Sonntagabend in Niedersachsen bei der Eröffnungsfeier der Hannover Messe 2019 am Rednerpult gestanden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Sonntagabend in Niedersachsen bei der Eröffnungsfeier der Hannover Messe 2019 am Rednerpult gestanden. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Hannover. Die Hannover Messe steht voll im Zeichen der datenbasierten Produktion. Das Schlagwort Industrie 4.0 beflügelt die Firmen. Von Thomas Strünkelnberg und Ralf E. Krüger, dpa

Smarte Roboter, neue Geschäftsmodelle, schnelles Internet: die Hannover Messe (1. bis 5. April) gibt sich als die Innovationsplattform für vernetzte Produktionsabläufe. Mit Appellen zur Stärkung der EU hat die als weltgrößte Industrieschau begonnen. „Wir müssen als Europäer gemeinsam handeln, eine gemeinsame Position finden“, sagte Kanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnungsfeier am Sonntag. Protektionismus schade allen. Die EU-Kommission werde noch in diesem Jahr Vorschläge machen, wie auf internationale Wettbewerbsverzerrungen, aber auch die Digitalwirtschaft zu reagieren sei. „Wenn wir einfach so weitermachen wie bisher, dann wird das nicht ausreichen“, sagte die CDU-Politikerin.


Der Staat solle zwar niemals denken, er sei der bessere Unternehmer. „Ich bleibe eine großer Befürworterin von Marktoffenheit und freiem Handel“, betonte sie, sagte jedoch auch: „Aber wir erleben, dass sich die Spielregeln verändern, und deshalb brauchen wir Antworten auf verschiedene Fragen.“ Das könnten keine nationalen Alleingänge sein.

Bei der Messe geht es diesmal vor allem um die Frage, wie die bisher gesammelten großen Datenmengen in der Fabrik der Zukunft für eine kostengünstige und flexible Produktion eingesetzt werden können. Schlüsseltechnik sind die künstliche Intelligenz – und der neue Mobilfunkstandard 5G.



Beim 5G-Standard planen die Unternehmen bereits mit vielen Innovationen. Die Fertigung soll statt am Fließband an mobilen Plattformen stattfinden, Roboter müssen nicht mehr hinter Käfigen versteckt werden, mit störanfälligen Verkabelungen soll Schluss sein. Auch Sicherheitsfunktionen zum Schutz des Menschen könnten per Funk übertragen werden. Heute sei ein Not-Aus-Schalter noch stets per Kabel verbunden, sagt Detlef Zühlke von der Technologie-Initiative SmartFactory.

Auch die Fabrik der Zukunft wird realistischer: Wo vor einem Jahr noch Avatare unschlüssig auf einer Bühne standen, rollen nun autonom fahrende Produktionseinheiten oder Transportfahrzeuge und bringen Material heran. Die Fahrzeuge werden induktiv geladen, hohe Flexibilisierung in der Produktion wird so möglich. Die Module tauschen sich über 5G aus – gewissermaßen das „Nervensystem“ der Produktion, sagt Bosch-Rexroth-Manager Marc Wucherer. Roboter bringen Material und bereiten Arbeitsplätze vor. Die enge Zusammenarbeit von Mensch und Roboter braucht jedoch noch Zeit. „Der Mensch will sich sicher fühlen“, sagt Tim Schwartz vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Vollelektrisch, vollautonom: Ein Beispiel der Mobilität der Zukunft preist Geschäftsführer Wolfgang Seeliger von Leichtbau BW an – eine Art einsitziger Kabinenroller für die Stadt. Das Fahrzeug soll dank Carbon, Teilen aus dem 3D-Drucker und Beschränkung aufs Wesentliche nur 400 Kilo wiegen und nur ein Viertel der Fläche eines normalen Autos einnehmen. im Umkehrschluss heißt das: Drei Viertel der Verkehrsfläche in Städten könnten also eingespart werden, erklärt er. Per App soll der Kunde das Auto bestellen können, für das die Straßenzulassung vorbereitet wird.

Volkswagen dagegen zeigt Anwendungsmöglichkeiten für autonom fahrende Autos; vom rollenden, fahrerlosen Besprechungsraum bis hin zur selbstfahrenden Krankenliege.