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Die gefährliche Schwäche der Banken

Die gefährliche Schwäche der Banken

Unter den fünf größten Investmentbanken der Welt gibt es kein europäisches Institut mehr. Das liege auch daran, dass in Europa halbherzig saniert wurde. EZB-Chef Mario Draghi weist auf strukturelle Probleme hin.

Auf Augenhöhe mit der Wall Street, das war einmal: Unter den fünf größten Investmentbanken der Welt findet sich kein einziges europäisches Institut mehr, zeigen jüngste Daten des Branchendienstleisters Coalition. Die Amerikaner machen die Spitze unter sich aus - und Europas Banken fallen zurück.

Die Deutsche Bank rutscht im Ranking auf Platz sechs, nach Platz 3 vor Jahresfrist. Sie hat nach eigenen Angaben wegen ihres Sparkurses bewusst auf Geschäft verzichtet. Auch knapp ein Jahr, nachdem Vorstandschef John Cryan einen Konzernumbau verkündete, findet Deutschlands größte Bank kaum aus der Krise: ein Mini-Gewinn im zweiten Quartal, eine schwierige Trennung von der Postbank , eine drohende Strafe von 14 Milliarden Dollar in den USA. Die Krise der Bank hatte sogar schon Gerüchte hervorgerufen, der Staat müsse mit finanziellen Hilfen einspringen. Einen entsprechenden Bericht hatte die "Zeit" vorab veröffentlicht. Da sei nichts dran, stellte dagegen gestern das Finanzministerium klar. "Die Bundesregierung bereitet keine Rettungspläne vor", hieß es. Und auch Cryan betonte in der "Bild": "Das ist für uns kein Thema. Ich habe die Bundeskanzlerin zu keinem Zeitpunkt um Hilfe gebeten."

Fakt ist aber, dass die Deutsche Bank ein dauernder Problemfall ist. Und nicht der einzige. Auch die Commerzbank steckt seit Jahren in der Krise, steht womöglich vor dem Abbau von rund 9000 Stellen. Deutlich schlechter sieht es in Südeuropa aus, wo zahlreiche Banken in Schieflage sind. Während US-Banken längst wieder mehr verdienen als vor dem Crash, gibt es in Europa etliche Wackelkandidaten, die auch acht Jahre danach nicht saniert sind.

"Europas Banken kämpfen an vielen Fronten", sagt Dirk Müller-Tronnier von der Beratungsgesellschaft EY. Die Geldhäuser litten unter den Niedrigzinsen, strengeren Vorschriften und gerade in Südeuropa unter einem Berg an faulen Krediten, der die Bilanzen belaste.

Eine Studie von EY zeigt die Kluft zwischen den Kontinenten. Demnach haben die zehn größten US-Institute seit 2012 insgesamt 468 Milliarden Euro Gewinn erzielt, die europäischen kamen mit 98 Milliarden nicht einmal auf ein Viertel. "Die Gewinne der US-Banken liegen seit Jahren höher", sagt Müller-Tronnier. Auch beim Eigenkapital, ein wichtiger Puffer gegen Krisen , stehen Europas Banken schlechter da.

Martin Hellmich, Professor an der Frankfurt School of Finance, nennt mehrere Gründe, warum es US-Banken besser geht als denen in Europa. Allen voran die Konzentration auf wenige große Häuser. Sechs Banken stehen für 50 Prozent der gesamten Bilanzsumme. Europas Bankenmarkt ist dagegen zersplittert. Zudem verdienen US-Banken gut an Gebühren, daher leiden sie weniger unter den Niedrigzinsen. Vor allem aber haben die USA ihre Banken nach der Finanzkrise erfolgreicher saniert. Sie ließen hunderte pleitegehen, größere zwangen sie zu einer konsequenten Rekapitalisierung. "Solche Anstrengungen gab es in der Eurozone nicht", analysiert die Universität Amsterdam.

Für die europäische Wirtschaft ist die Bankenschwäche ein Risiko. Denn während sich in den USA Unternehmen oft über die Börse finanzieren, hängen in Europa gerade kleine und mittlere Firmen an der Kreditvergabe. Eigentlich sollte die Niedrigzinspolitik und laxe Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Kreditvergabe ankurbeln, doch das Gegenteil ist der Fall. Wegen der niedrigen Zinsen verdienen sie kaum noch Geld - und angesichts hoher Eigenkapitalanforderungen reichen die Finanzinstitute immer weniger Kredite aus.

Trotzdem hat EZB-Präsident Mario Draghi gestern vor dem Bundestag seine Politik der niedrigen Zinsen noch einmal als wirksames Mittel gegen eine neuerliche "Großen Depression" verteidigt. Die Probleme der Banken seien nicht ursächlich auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen, sagte er. Einige Banken müssten ihre Geschäftsmodelle möglicherweise an das derzeitige Niedrigzinsumfeld anpassen, aber auch ihre eigenen strukturellen Probleme angehen.