Die Autobranche will auf der IAA den Dialog mit Klimasschützern suchen.

IAA wird von Drohungen der Klimaschützer überschattet : Die IAA in Frankfurt wird zum Problem

Klimaschützer wollen mit Protesten die weltgrößte Automobilausstellung stören. Die Branche steckt im Umbruch und ist verunsichert.

Jahrzehntelang war sie der Ort, an dem Deutschlands mächtige Autoindustrie ihre Muskeln spielen ließ:; die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Das hieß normalerweise: immer mehr und immer größere Modelle, Glanz und Glamour. Verschärfte Klimaziele, der rasante Wandel der Mobilität und trübe Konjunkturaussichten nehmen die Branche nun aber in die Mangel. Obendrein richten sich die Veranstalter in diesem Jahr auf heftige Öko-Proteste ein.

Die große PS-Show fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit. Die Geschäfte laufen recht bescheiden: kaum ein Hersteller oder Zulieferer, der nicht über schwindende Gewinne klagt. Die Märkte sind aus dem Takt, viel Geld muss zudem in neue Technik gesteckt werden. Der Branchenverband VDA müht sich zwar, Zuversicht zu verbreiten. Doch zugleich sieht er vor allem die internationale Lage kritisch. So sanken die Auftragseingänge aus dem Ausland – ein wichtiger Indikator für die weitere Geschäftsentwicklung – im August um elf Prozent.

Daneben stehen noch ganz andere Herausforderungen. Die Autoindustrie bekommt trotz des vielbeschworenen „Hochlaufs“ der E-Mobilität immer stärkeren Gegenwind von Klimaschützern. Aktivisten haben angekündigt, den Konzernen die Messe-Party verderben zu wollen. Frankfurts Polizei rüstet sich für Großeinsätze, von Gewaltaufrufen ist die Rede.

Der VDA will auf die Kritiker zugehen. Präsident Bernhard Mattes lud schon im Vorfeld der IAA in Berlin zu einer Diskussion ein. Die Branche werde ihre Klimaziele bis 2030 erreichen, sicherte er zu. Die Autobauer sehen sich in der C02 Debatte wegen ihres Vorstoßes bei E-Autos als Teil der Problemlösung – was ihre Gegner wegen der immer öfter verkauften, großen und durstigen Stadtgeländewagen (SUVs) deutlich bezweifeln.

In die SUVs nun Elektromotoren einzubauen, reiche bei weitem nicht aus, moniert etwa BUND-Vize Ernst-Christoph Stolper. Für die Pendler in den Ballungsräumen fehle ein preisgünstiges Elektroauto für vielleicht 15 000 Euro. Die Autoindustrie setze weiter auf ihre Oberklassenstrategie, statt das Auto von unten neu zu denken. Die IAA müsse aufpassen, dass sie nicht das Schicksal der eingestellten Computermesse Cebit ereile. Das Aktionsbündnis „Sand im Getriebe“ wollte mit dem VDA zwar nicht in den Dialog treten. Eine Vertreterin möchte am heutigen Montag aber mit VW-Chef Herbert Diess alleine reden. Diess‘ Ziel ist es, dem durch den Dieselskandal in Misskredit geratenen Autohersteller einen grünen Stempel aufzudrücken. Skeptiker werten das jedoch als Feigenblatt.

Auf der Messe selbst, die am kommenden Donnerstag mit dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel offiziell beginnt, gibt es zudem einen „Bürgerdialog“. Dessen Thema sollen „ökonomische, ökologische und soziale Aspekte einer nachhaltigen individuellen Mobilität“ sein. Unabhängig vom Widerstand der Autokritiker steckt die IAA wie auch andere Messen in der Krise. Mattes räumt ein, es könne angesichts der Ansprüche von Ausstellern, Besuchern und Gesellschaft nicht mehr nur darum gehen, Modelle zu „Marketingzwecken“ auf Hochglanz zu polieren. Daher bietet die Messe neben der Autoschau auch Konferenzen, Jobinfos und Erlebnisaktionen inklusive Fahrparcours an.

Über alldem schwebt jedoch die bange Frage, ob solche Branchentreffen geeignet sind, der neuen, zunehmend automatisierten und – vor allem  elektrischen Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Für den Experten Ferdinand Dudenhöffer ist es daher eine „Problem-IAA“: „Statt mit neuem Konzept in die Zukunft zu gehen, stehen auf den Ständen jede Menge SUVs, die Protestaktionen von Umweltschützern herausfordern.“

Etliche Aussteller kehren der IAA den Rücken – dieses Mal fehlen Fiat, Peugeot, Citroën, Nissan, Tesla, Toyota und Volvo. Das liege auch an der angespannten Lage einiger Firmen, so Dudenhöffer: „Die Rezession im weltweiten Autogeschäft erzwingt Sparrunden bei Autobauern und Zulieferern.“ Und Messeauftritte seien teuer. Die Situation in der Branche drückt auf die Stimmung. „Von den großen Märkten Europa, USA und China gehen derzeit keine Wachstumsimpulse aus“, erklärt der VDA. Der Pkw-Weltmarkt werde 2019 um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau auf 81 Millionen Wagen schrumpfen.

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