Deutschland ist mit seiner Aktienkultur bisher ein Entwicklungsland.

Studie rät Deutschen zu Aktien : Neue Studie empfiehlt mehr Mut zu Aktien

Deutsches Aktieninstitut: Langfristiges Sparen in Wertpapiere hat sich in den vergangenen 50 Jahren in der Regel ausgezahlt.

Für die meisten Deutschen ist die Börse vor allem ein Ort mit vielen Risiken. „Ich vertraue den Aktienmärkten nicht“, „Ich befürchte Aktien auszuwählen, die schlechter abschneiden als andere“, „Ich habe Angst, dass ich (...) einen Großteil meines eingesetzten Vermögens verliere“. Vor allem solche Gründe nennen Menschen aus allen Altersgruppen in einer neuen Studie, die am Montag in Frankfurt vorgestellt wurde.

Die auf einer repräsentativen YouGov-Umfrage mit 2800 Teilnehmern beruhenden Ausarbeitung von Forschern der Frankfurt School of Finance & Management und der Goethe-Universität Frankfurt ergab jedoch auch: Zwei Drittel der Nicht-Aktienbesitzer meinen, sie hätten weder genug Geld noch ausreichend Kenntnisse, um an der Börse zu investieren. Werden deshalb Risiken von Aktien überschätzt? Oder ist das Risiko tatsächlich so groß wie viele meinen?

„In der Tat sind Risiko und Rendite untrennbar miteinander verknüpft, und wer in Aktien investiert, muss bereit sein, Schwankungen im Vermögensaufbau auszuhalten“, schreiben die Autoren der von der Deutschen Börse in Auftrag gegebenen Studie. „Berechnet man das Risiko einer Aktienanlage basierend auf historischen Daten, ist es allerdings schwer erklärbar, warum viele Menschen in Deutschland dieses Risiko komplett scheuen.“

Das Deutsche Aktieninstitut rechnet im „Dax-Renditedreieck“ vor, dass sich langfristiges Sparen in Aktien in den vergangenen 50 Jahren in der Regel ausgezahlt hat. Selbst, wer im Jahr der Finanzkrise 2008 eingestiegen ist, und die Aktien bis Ende 2018 hielt, erzielte in den zehn Jahren demnach im Schnitt 8,2 Prozent Rendite pro Jahr. Ungeachtet solcher Statistiken ist Deutschland beim Thema Aktienkultur allerdings weiter „ein Entwicklungsland“, wie Nicolas Nonnenmacher, Bereichsleiter bei der Deutschen Börse, beklagt. Zahlen des Aktieninstituts zufolge besaßen 2018 etwa 10,3 Millionen Bürger in Deutschland, die älter sind als 14 Jahre, Anteilsscheine von Unternehmen oder Aktienfonds. Das ist zwar der höchste Stand seit 2007. Dennoch bleibt Deutschland mit einer Aktionärsquote von gut 16 Prozent meilenweit entfernt von anderen Industrieländern. In den USA etwa, wo der Staat die Altersvorsorge über den Kapitalmarkt stärker fördert, liegt sie bei über 50 Prozent.

Hierzulande verschreckten der Absturz der als „Volksaktie“ angepriesenen Telekom-Papiere und das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt um die Jahrtausendwende viele Anleger nachhaltig. Jeder zweite Deutsche sagt bis heute: „Von Kapitalmärkten verstehe ich nichts.“ Doch weil die Rente alles andere als sicher ist und die Menschen gefordert sind, privat fürs Alter vorzusorgen, sehen viele Experten diese Haltung mit Sorge. Nach Ansicht von Michael Grote, Vizepräsident der Frankfurt School, werden Chancen zum Vermögensaufbau verschenkt. „Man denkt, man muss ein großer Experte sein, um in den Aktienmarkt zu investieren. Es geht aber viel einfacher.“

Grote spielt damit darauf an, dass es etliche relativ kostengünstige Möglichkeiten gibt, breit gestreut und langfristig in Aktien zu investieren, etwa über Fondssparpläne oder sogenannte ETFs, die einen bestimmten Index wie etwa den deutschen Leitindex Dax abbilden. Überwiegend setzen die Privathaushalte in Deutschland ungeachtet der Zinsflaute jedoch weiterhin auf Bargeld und Bankeinlagen, auf die sie bei Bedarf schnell zugreifen können.