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Deutsche Bahn erhöht Preise

Deutsche Bahn erhöht Preise

Trotz günstigen Sprits und Bus-Konkurrenz: Nach Jahren der Zurückhaltung verlangt die Bahn wieder spürbar mehr für Fahrkarten. Erstmals verlangt die Bahn an stark genutzten Terminen höhere Normalpreise.

Kunden der Deutschen Bahn müssen von Mitte Dezember an wieder mehr für ihre Fahrscheine bezahlen. Im Fernverkehr werden Tickets ohne Zugbindung zum Flexpreis - dem früheren Normalpreis - 1,9 Prozent teurer. Durchschnittlich steigen die Preise um 1,3 Prozent, wie der Konzern mitteilte. Damit wird der Tarif erstmals seit zwei Jahren wieder spürbar angehoben, für die zweite Klasse liegt die letzte große Erhöhung drei Jahre zurück.

"Zu einer stabilen Wirtschaftlichkeit gehört auch, dass wir die Preise anpassen", begründete Fernverkehrschefin Birgit Bohle den Schritt. Sie versprach den Kunden für 2017 mehr Reisekomfort und mehr Pünktlichkeit. "Die ICE-Flotte wird bis Jahresende komplett mit WLAN ausgestattet werden", sicherte Bohle zu. In der zweiten Klasse werde das Datenvolumen aber begrenzt sein. Bohle sprach von einem weiterhin sehr schwierigen Marktumfeld, verwies zugleich aber zur Rechtfertigung der Preiserhöhung auf anstehende Investitionen der Bahn, etwa in neue Züge und in die Modernisierung der Bestandsflotte. Bis 2030 investiere der Fernverkehr der Bahn zwölf Milliarden Euro.

Die Preisrunde zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember liegt deutlich über der Inflationsrate, die im September bei 0,7 Prozent lag. Die Bahn bittet besonders Stammkunden stärker zur Kasse: Streckenzeitkarten werden 3,9 Prozent teurer, die Bahncard 100 verteuert sich um 2,4 Prozent in der zweiten und 2,9 Prozent in der ersten Klasse. Jedoch bleibt der Preis der Bahncards 25 und 50, die 4,6 Millionen Kunden im Portemonnaie tragen, mit 62 Euro und 255 Euro stabil.

"Auch 2017 wird es wieder 19-Euro-Aktionen geben", kündigte Bohle an. Mithilfe solcher Aktionspreise hatte die Bahn viele Gelegenheitsfahrer angelockt und ihre Fahrgastzahlen in diesem Jahr weiter steigern können. Künftig liegt die Storno-Gebühr für die Rückgabe eines Tickets bei 19 Euro; sie steigt um 1,50 Euro. Erstmals führt die Bahn für den Flexpreis unterschiedliche Tarife an bestimmten Wochenenden ein, zum Beispiel an Pfingsten. Dann kostet etwa die Bahnfahrt Frankfurt-München generell 103 Euro, am reisestarken Freitag 106 Euro, am folgenden Sonntag 100 Euro. Diese Neuerung wird von Januar bis Dezember 2017 getestet. Die Bahn will erreichen, dass sich Reisende gleichmäßiger auf die Züge verteilen.

Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen Jahren mit Preiserhöhungen im Fernverkehr deutlich zurückgehalten. Grund waren neben günstigen Spritpreisen für Autofahrer vor allem die starke Konkurrenz durch Billigflieger, Mitfahrzentralen und Fernbusse.

Im Regionalverkehr der Bahn steigen die Preise zum Fahrplanwechsel um 1,9 Prozent. Das betrifft jedoch nur etwa jede fünfte Fahrt in den Regio-Zügen. Wer innerhalb von Verkehrsverbünden unterwegs ist, zahlt den darin gültigen Tarif.

Meinung:

Gegen die treuesten Kunden

Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Einige Zeit hatte die Deutsche Bahn auf Preiserhöhungen verzichtet. Dass die Tickets im Dezember wieder teurer werden, war also zu erwarten. Doch vielen Fahrgästen dürfte es schwerfallen, dies als normalen Lauf der Wirtschaftswelt hinzunehmen.

Vor allem die Stammkunden haben Grund zum Ärger, werden sie doch besonders kräftig zur Kasse gebeten, während Gelegenheitsfahrer glimpflich davonkommen. Diese Preispolitik dürfte manchen Vielfahrer ins Grübeln bringen, ob die Bahn weiterhin das Verkehrsmittel der Wahl ist, und der Umstieg vom Auto auf die Bahn wird noch unattraktiver. Wer seine treuesten Kunden verprellt, darf sich nicht wundern, wenn Gewinne zurückgehen und sich das immer noch dürftige Image wieder verschlechtert.