Der Übergang der Firma Autec ist Beispiel eines gelungenen Generationenwechsels

Unternehmensübergang : Wie ein Firmen- Generationswechsel gelingt

Nachfolge-Regelungen für Mittelständler zu entwickeln ist eine hohe Kunst. Die Software- und Planungsfirma Autec hat eine Lösung gefunden.

Ludwig Horbach (59) und Markus Feit (57) wollten sich Berufsstress bis ins hohe Alter nicht zumuten, obwohl sie bis vor Kurzem die Inhaber und Chefs einer erfolgreichen Firma mit 30 Mitarbeitern und einer Gesamtleistung von mehr als 3,5 Millionen Euro pro Jahr waren. Die Rede ist von dem Software- und Planungsunternehmen Autec in Spiesen-Elversberg.

Die beiden Firmengründer beschäftigten sich daher schon länger damit, wie und an wen sie den Betrieb geordnet weitergeben könnten. „Das waren wir unseren langjährigen Mitarbeitern schuldig“, sagen sie. Kauf-Angebote flatterten regelmäßig auf ihren Tisch. 2015 kamen sie mit der Frankenthaler Beteiligungsgesellschaft Abacus alpha zusammen. Gute zwei Jahre später war man sich handelseinig, dass die Firmenanteile nach und nach auf Abacus alpha übergehen. „Die Chemie hat einfach gestimmt“, sagt deren Geschäftsführer Frank Hüther.

Die Firma gehört der Johannes und Jacob Klein GmbH, die wiederum mit 80 Prozent der Anteile beim Frankenthaler Pumpen- und Armaturenkonzern KSB (15 500 Mitarbeiter, 2,2 Milliarden Euro Umsatz) das Sagen hat. Die 2010 gegründete „kleine Schwester der KSB“ (Hüther) ist inzwischen an zwölf mittelständischen Unternehmen beteiligt. Zwei bis drei sollen jährlich hinzukommen. „Angeboten werden uns pro Jahr bis zu 350 Firmen“, sagt der Chef. Sieben Investment-Manager trennen die Spreu vom Weizen. „Wir sind an einem langfristigen Engagement interessiert.“

Seit Anfang des Jahres sind Feit und Horbach bei Autec nur noch als Berater tätig. Alleiniger Geschäftsführer ist seitdem der bisherige Prokurist Dieter Cullmann (47).

Gegründet haben der Ingenieur Feit und der Techniker Horbach ihr „Ingenieurbüro für Elektrotechnik und Automatisierung“, wie sie es heute noch nennen, im Jahr 1991. Beide kommen aus der E-Technik. Doch wer mit Volt, Watt und Ampere sein Geld verdienen will, konnte auch schon vor 28 Jahren die elektronische Datenverarbeitung (EDV) nicht außen vor lassen. Heute heißt das Informationstechnologie (IT) und das Ingenieurbüro wandelt sich immer mehr zu einem Software-Haus. Die ersten Autec-Kunden waren Hersteller von Fertigungsmaschinen für die Automobilindustrie. Für diese entwickelte Autec die Automatisierungstechnik, so dass diese mit möglichst wenig menschlichem Zutun Scheibenwischer-Motore oder Stoßdämpfer herstellen konnten. Noch heute zählen Autozulieferer wie Motus Headliner aus Überherrn (Innendächer für Pkw) oder Saargummi aus Wadern (Autodichtungen) zu den Kunden. Doch zur DNA der Autobauer gehören auch Champagnerlaune nach traumhaften Absatzzahlen und Katerstimmung mit harten Einschnitten. „Daher suchten wir schon früh ein zweites Standbein mit weniger Auf und Ab“, erzählt Feit. Fündig wurden sie bei den Erbauern öffentlicher Gebäude wie Pflegeheime, Krankenhäuser oder Schulen. Für diese plant Autec die komplette Elektrotechnik von der ersten Steckdose bis zur letzten Lampe. Ihren Hang zur Automatisierung können sie auch dort ausleben, weil sie sie sich außerdem auf Wasser- und Klärwerke spezialisiert haben. So sorgt die Autec-Steuerungstechnik seit 20 Jahren dafür, dass der Großraum Saarbrücken zuverlässig und ausreichend mit Wasser versorgt wird. Weitere Kunden sind der Entsorgungsverband Saar (EVS) oder etliche Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz.

Der neue Autec-Geschäftsführer Cullmann hat damit den Rücken frei, das Unternehmen weiterzuentwickeln. „Wer sich heute mit Automatisierung beschäftigt“, kommt an Industrie 4.0 nicht vorbei“, sagt er. „Nicht nur die Fertigungsmaschinen müssen möglichst viele Tätigkeiten beherrschen, sie müssen auch mit den Aggregaten in ihrer Umgebung kommunizieren können.“ Inzwischen gehören neben den Autozulieferern auch Firmen der Lebensmittel- und der Pharma-Industrie zu den Autec-Kunden.