Debatte um Öffnungszeiten der Geschäfte im Saarland

Debatte um Öffnungszeiten : Handel will am Ladenschluss festhalten

Im Saarland schließen Geschäfte um 20 Uhr. Die meisten anderen Bundesländer erlauben andere Öffnungszeiten. Nun fordert die Junge Union eine Verlängerung bis 22 Uhr. Der Vorschlag stößt auf wenig Gegenliebe – auch in der CDU.

Alexander Zeyer hat einen Nerv getroffen. Der Chef der Jungen Union Saar und CDU-Landtagsabgeordnete will die Geschäfte im Saarland länger öffnen, unter der Woche bis 22 Uhr. Bisher müssen Läden werktags um 20 Uhr schließen. Zeyer sagt: „Gerade für junge berufstätige Menschen oder Menschen im Schichtbetrieb sind die derzeitigen Ladenöffnungszeiten im Saarland ein echter Nachteil.“

Was nach Sommerloch klingt, erhitzte bei Facebook gestern die Gemüter: Nach sechs Stunden sammelten sich unter der SZ-Meldung über 600 Kommentare. Tendenz steigend. Der Tenor? Eher kritisch. „Soll er sich doch selbst hinter die Kasse setzen“, schrieb eine Verkäuferin. Eine andere Frau fragte: „Wie sollen denn die Angestellten bis 22 Uhr ihre Kinder betreuen?“ Doch es gab auch andere Stimmen. „Spätschichten gibt es auch in anderen Berufen“, meinte eine Befürworterin. „Wie solidarisch der Deutsche beim Thema Ladenschlussgesetz plötzlich wird“, wunderte sich ein Leser. „Obwohl so ziemlich der komplette Rest der Welt ohne diese Regulierung wunderbar (und stressfreier) zurecht kommt.“

Das Saarland ist neben Bayern das einzige Bundesland, in dem unter der Woche um 20 Uhr Feierabend ist. Wie reagieren Politik und Verbände in der Region auf den Vorstoß des CDU-Nachwuchses? Reinhold Jost (SPD), als Minister für den Arbeitsschutz zuständig, sagt: „Diesen Vorschlag halte ich für unsinnig.“ Auf wenig Gegenliebe stößt Zeyer auch in der eigenen Partei. Am Donnerstag sprechen sich gleich drei Gruppen aus der Union gegen seine Idee aus: die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft, die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung und die Frauen Union Saar.

Dennis Dacke, Pressesprecher der Gewerkschaft Verdi, nennt die bestehende Regelung einen „familienfreundlichen Ladenschluss“. Der Gewerkschafter ist überzeugt: „Unter den verkürzten Öffnungszeiten im Saarland leiden weder die Einzelhändler noch die Kunden.“ Die Arbeitgeber sehen das ähnlich: Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), erinnert an eine frühere Formel seines Verbandes. Sie lautete: 6x24. An sechs Tagen sollten Läden bis Mitternacht geöffnet haben. Neun Länder haben das umgesetzt. Jedoch sagt Klingen mit Blick auf das Saarland: „Die gegenwärtige Regelung hat sich bewährt, und es besteht kein Bedarf für eine Neuregelung.“

Auch der Handelsverband will die Uhr nicht weiterdrehen. Schon die aktuellen Zeiten werden laut Geschäftsführer Fabian Schulz „von vielen Unternehmen nicht genutzt“. Trotzdem wünscht Schulz sich andere Regeln. Das wachsende Angebot an vielen Tankstellen ist ihm ein „Dorn im Auge“. Außerdem sagt er: „Wir hätten gerne länderübergreifende Öffnungszeiten.“ Damit an den Grenzen des Saarlandes die Umsätze nicht zu später Stunde in Rheinland-Pfalz gemacht werden.

Für Zeyer ein Grund, etwas zu ändern: „Im Wettbewerb mit unseren Nachbarregionen sind die derzeitigen Ladenöffnungszeiten ein Nachteil“, sagt der Unionspolitiker. Rheinland-Pfalz erlaubt eine Öffnung bis 22 Uhr. Wie sieht die Realität an der Grenze zum Saarland aus? Zwar könne man nicht davon sprechen, dass die Mehrheit in der Region von den längeren Öffnungszeiten Gebrauch mache, sagt Sebastian Klipp von der IHK Trier. „Eine Ausnahme bilden allerdings großflächige Lebensmittelmärkte.“ In der Branche habe sich 22 Uhr oder mindestens 21 Uhr landkreisübergreifend etabliert.

Ähnliches hört man von der Kammer in Pirmasens. Geschäftsführer Andreas Knüpfer zählt eine Reihe von Supermärkten in Zweibrücken auf. Sie verkaufen noch Lebensmittel, wenn im Saarland alle Ladentüren abgeschlossen sind. Anders gestaltet sich die Lage bei dem auf Mode spezialisierten Zweibrücker Outlet-Center. Werktags enden die Geschäfte hier um 19 Uhr. Dafür öffnet es an vielen Sonntagen. Für IHK-Chef Klingen ein größeres Problem als der Ladenschluss.

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