Das Wirtschaftswachstum zieht im ersten Quartal in Deutschland wieder an

Konjunktur : Wirtschaftswachstum zieht zunächst wieder an

Konsumfreude und der weiter anhaltende Bauboom haben die deutsche Wirtschaft wieder in Fahrt gebracht. Doch Sorgen bleiben.

Die deutsche Wirtschaft fasst wieder Tritt. Angetrieben vom Bauboom und der Konsumfreude der Verbraucher ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Jahresauftakt gegenüber dem Vorquartal deutlich um 0,4 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mit. Im zweiten Halbjahr 2018 hatte Europas größte Volkswirtschaft noch einen Schwächeanfall erlitten. Ökonomen und das Bundeswirtschaftsministerium warnten trotz des kräftigen Jahresauftaktes 2019 vor allzu großer Euphorie. Vor allem die Eskalation von Handelskonflikten trübt das Bild.

Auch in der Eurozone hat sich das Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im ersten Quartal um 0,4 Prozent zum Vorquartal gewachsen, teilte das Statistikamt Eurostat gestern in Luxemburg nach einer zweiten Schätzung mit. Damit bestätigte die Behörde wie erwartet eine erste Erhebung. Im vierten Quartal 2018 war die Wirtschaft nur um 0,2 Prozent gewachsen.

In Deutschland habe die exportorientierte Wirtschaft mit dem guten Einstieg in das Jahr ihre Schwächephase noch nicht überwunden, erläuterte das Bundeswirtschaftsministerium. „Dies dürfte erst nachhaltig erfolgen, wenn sich das außenwirtschaftliche Umfeld wieder etwas aufhellt und die Verunsicherung, verursacht insbesondere durch die Handelskonflikte, abnimmt.“

Im ersten Vierteljahr stiegen die privaten Konsumausgaben nach Angaben des Statistischen Bundesamts gegenüber dem Vorquartal kräftig. Die Verbraucher sind dank der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter in Kauflaune. „Wenn ich weiß, dass mein Arbeitsplatz einigermaßen gesichert ist, bin ich auch bereit, größere Ausgaben vorzunehmen oder mich eventuell sogar zu verschulden“, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl jüngst.

Die Unternehmen investierten zum Jahresanfang mehr in Maschinen und andere Ausrüstungen. Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, waren hingegen rückläufig. Gemischte Signale kamen den Angaben zufolge vom Außenhandel.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer markiert das „recht starke Wachstum“ noch nicht das Ende des Abschwungs. „Vielmehr wurde es durch die ungewöhnlich milde Witterung begünstigt, die die Bauproduktion deutlich steigen ließ. Im zweiten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft deshalb kaum wachsen, vielleicht sogar leicht schrumpfen.“

Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank aus Liechtenstein, sieht mit Blick auf das laufende Quartal noch keine nachhaltige Trendwende. „Eine schwache Industrieproduktion bei einem gleichzeitig anhaltenden Auftragsschwund lassen erahnen, dass der ordentliche BIP-Zuwachs nicht mehr als ein Strohfeuer war.“

Risiken für die exportorientierte deutsche Wirtschaft kommen nach Einschätzung von Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung vor allem von außen: „Der weiter drohende Handelskonflikt mit den USA schafft Unsicherheit.“ Eine Einführung von US-Strafzöllen auf europäische Autos könnte der deutschen Wirtschaft einen empfindlichen Dämpfer verpassen.

Sorgen bereitet zudem der sich zuspitzende Handelskrieg zwischen den USA und China. „In solch einem Umfeld dürften nicht nur die deutschen Exporte, sondern zunehmend eben auch die deutschen Investitionen leiden“, argumentierten Allianz-Ökonomen. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind die wichtigsten Einzelmärkte für Exporte „Made in Germany“.

Die Bundesregierung und zahlreiche Ökonomen hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr gesenkt. Die Bundesregierung rechnet nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent, statt wie zunächst mit 1,0 Prozent.

(dpa)
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