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Das Staatsorchester widmet sich den verträumten Helden

Das Staatsorchester widmet sich den verträumten Helden

Tradition und und Innovation verbindet der zeitgenössische Komponist Jörg Widmann in seiner Musik. Seine Konzertouvertüre „Con brio“ stand unter anderem auf dem Programm des Sinfoniekonzerts des Saarländischen Staatsorchesters in der Saarbrücker Congresshalle.

Auf säulenartige Konstrukte reduzierte musikalische Parameter, die Motivebenen tragend miteinander interagierend und viel Luft dazwischen: Diese gerüstähnliche "Con brio"-Konzert-Ouvertüre Jörg Widmanns leitete am Montagabend das siebte Sinfoniekonzert des Saarländischen Staatsorchesters ein. "Beethovens Gestus übernehmen" wollte der "Artist in Focus" der aktuellen Staatsorchester-Konzertsaison mit seiner Komposition - nicht zitieren.

"Verträumte Helden" - ein derartig überschriebener Abend lässt auf Diskrepanz hoffen. Träumt ein Held von Idealen und hehren Zielen? Hoffentlich! Aber was tut der verträumte Held? Er genügt sich vielleicht selbst. In William Waltons Cellokonzert jedenfalls waren es die "einsamen" Momente, beispielsweise die Solo-Kadenzen im letzten Satz, als Solist Wolfgang Emanuel Schmidt die natürliche Ästhetik seines prüfenden Tons voll ausspielte und man den innigen Monologen betört beiwohnte.

Die zahlreichen, in nobler Lyrik schwelgenden Passagen des Werks fanden höchste Beachtung. Gebrochene Dreiklänge im milden "Moderato" dienten der Entwicklung und wichen anschließend sublimer Holzbläserbewegung: Das Orchester bewies sich in der Congresshalle als farbintensives Gefüge.

Unter Dirk Kaftans zupackenden Händen schienen die Musiker dann von Ludwig van Beethovens Heldeninszenierung in seiner "Eroica"-Sinfonie schier aus der Bahn geworfen - und das ist äußerst positiv gemeint! Ein waches Musizieren zog sich durch alle Sätze; stets war der designierte Generalmusikdirektor des "Beethoven Orchesters Bonn" um hierarchische Abstufungen und Leidenschaft bemüht. Überaus atmosphärisch gelang der zweite, eher introvertierte Satz mit seinen doch grob insistierenden Ausbrüchen.