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Commerzbank streicht 9000 Jobs

Commerzbank streicht 9000 Jobs

Die großen Geldhäuser der Republik, die Deutsche Bank und die Commerzbank, stehen mit dem Rücken an der Wand. Die Commerzbank plant den Abbau von 9000 Stellen. Eine Fusion der Institute ist nicht vom Tisch.

Seit der Finanzkrise kämpfen Deutsche Bank und Commerzbank darum, endlich wieder in sicheres Fahrwasser zu gelangen. Sie haben kräftig umgebaut, gespart, Top-Manager ausgetauscht und immer wieder Milliarden am Kapitalmarkt besorgt. Immer wieder haben die beiden größten deutschen Kreditinstitute betont, dass nun endlich das Schlimmste vorbei sei. Doch stets ging es dann noch weiter abwärts.

So steht die Commerzbank im Zuge ihres geplanten Umbaus vor drastischen Einschnitten. Der neue Vorstandschef Martin Zielke plane in den kommenden Jahren den Abbau von rund 9000 Stellen, hieß es gestern in Finanzkreisen. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. Damit wäre fast jeder fünfte der rund 50 000 Arbeitsplätze bei der zweitgrößten deutschen Bank gefährdet. Offen ist, ob es auch betriebsbedingte Kündigungen geben wird. Die Commerzbank wollte sich nicht zum Umbau äußern.

Auf rund eine Milliarde Euro werden in der Bank die Umbaukosten geschätzt. Sie sollen über mehrere Jahre gestreckt werden. Auch die Aktionäre müssen sich auf Einschnitte einstellen. Die Dividende soll für dieses Jahr dem Vernehmen nach wieder ausfallen. Neben den Einsparungen plant Zielke aber auch Investitionen in die Digitalisierung und Wachstumsmöglichkeiten. Seine Strategie muss der frühere Privatkundenchef heute und morgen durch den Aufsichtsrat bringen. Am Freitag will er dann die Öffentlichkeit informieren.

Auch für die Deutsche Bank hat sich die Lage in den vergangenen Tagen noch einmal zugespitzt. Seit Mitte September haben Aktien des deutschen Branchenprimus fast ein Viertel an Wert verloren und sind auf einen historischen Tiefststand gesackt. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise waren die Papiere mehr wert. Inzwischen stellen selbst Großinvestoren hinter vorgehaltener Hand die Frage, wo die Deutsche Bank künftig ihren Platz haben wird. Die Zeiten der Deutschland AG sind längst vorbei, als das Institut an allen wichtigen deutschen Konzernen beteiligt war. Auch das teuer zugekaufte Investmentbanking lohnt sich seit der Finanzkrise immer weniger. Besonders ärgerlich ist für die Bank, dass wichtige Großtransaktionen der vergangenen Wochen wie die Monsanto-Übernahme durch Bayer oder der Börsengang der Eon-Abspaltung Uniper von US-Banken gemanagt wurden. Dabei betont die Deutsche Bank immer wieder ihre große Bedeutung für die deutsche Wirtschaft bei der Globalisierung. Erschwerend hinzu kommt der harte Wettbewerb in Deutschland um Privatkunden und den Mittelstand, in dem auch Sparkassen und Volksbanken eine große Rolle spielen.

Auslöser des neuerlichen Absturzes an der Börse ist die Drohung der US-Justiz, der Bank für Vergehen mit Hypothekenpapieren eine Strafe von 14 Milliarden US-Dollar aufzubrummen. Das Institut beeilte sich zwar zu betonen, dass die Strafe am Ende ähnlich wie bei wichtigen Konkurrenten deutlich niedriger ausfallen werde. Doch das beruhigte Anleger nicht. Sie befürchten, dass die Kapitalpolster der Bank für die Strafe nicht reichen könnten.

Die Not ist so groß, dass die Spitzen von Deutscher Bank und Commerzbank dem Vernehmen nach bereits einen Zusammenschluss ausgelotet haben. Die Idee wurde verworfen - zunächst einmal.