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Automesse in Shanghai
Das Auto von morgen kommt aus China

 Der chinesische Autohersteller Geely Auto stellt in Shanghai eine Limousine seiner neuen Elektromarke Geometry vor.
Der chinesische Autohersteller Geely Auto stellt in Shanghai eine Limousine seiner neuen Elektromarke Geometry vor. FOTO: dpa / Ng Han Guan
Shanghai. Für BMW, Daimler und Volkswagen ist China nicht mehr nur der wichtigste Absatzmarkt. Das Land ist auch Treiber bei Innovationen. Von Marco Engemann und Jörn Petring, dpa

Die deutschen Autobauer setzen bei Forschung und Entwicklung immer stärker auf China. „Wir bauen stetig unsere Aktivitäten aus“, sagte der angehende Daimler-Konzernchef Ola Källenius auf der Automesse in Shanghai. Ähnlich sieht es VW-Chef Herbert Diess, der China als Maßstab für alle anderen bezeichnete.


Bereits rund die Hälfte der etwa 20 000 Entwicklungsexperten von VW sei mit der Erforschung von Technik, Produkten und Autodesigns für China befasst. Funktionen für das automatisierte Fahren, Vernetzung oder die Sensorik könnten vermehrt direkt in China entwickelt werden, heißt es bei VW. Auch Analysten sehen die Volksrepublik als künftiges Zentrum der Industrie. „Das Auto von morgen kommt aus China“, sagte der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer.

Nicht nur sei der Markt so groß, dass kein Hersteller mehr an ihm vorbeikomme. Das Land entwickle sich auch zunehmend zum Technologieführer. Einen Vorsprung hätten sich die Chinesen bei E-Autos erarbeitet. Dank staatlicher Subventionen, Einschränkungen für Benziner auf den Straßen und Produktionsquoten könnten laut Dudenhöffer in diesem Jahr bereits mehr als zwei Millionen Autos mit E-Antrieb in China verkauft werden. 2020 sollen es drei Millionen werden.



Symptomatisch für die wachsende Bedeutung Chinas für Autos ist, dass sowohl BMW als auch Daimler die elektrisiert fahrenden nächsten Generationen ihrer Kleinwagenserien Mini und Smart mit Partnern in China bauen.

Chinas große Autobauer wie ­Geely, BAIC oder BYD haben schon seit Jahren E-Autos im Angebot. Die größten Innovationstreiber sind aber junge Firmen wie Nio oder Byton, die ausschließlich E-Autos produzieren. Auch die chinesische Automarke „Weltmeister“ gehört dazu. Mit dem Namen versucht die Firma, vom immer noch ausgezeichneten Image deutscher Hersteller in China zu profitieren. Auch beherrscht China den Markt für Batterien. 35 Prozent der weltweit produzierten Zellen für Elektroautos kamen im vergangenen Jahr von den beiden großen chinesischen Herstellern.

In Shanghai gaben sich die deutschen Hersteller zuversichtlich, dass die derzeitige Wachstumsschwäche auf ihrem wichtigsten Markt bald überwunden ist. Man sei „vorsichtig optimistisch“, sagte Daimler-Entwicklungschef Ola Källenius. Nach Wachstum im ersten Quartal rechne der Konzern auch für das Gesamtjahr mit Zuwächsen.

Ähnlich äußerte sich BMW-Finanzchef Nicolas Peter. Auf dem wichtigsten Einzelmarkt China werde das Unternehmen trotz der aktuellen Marktschwäche mehr Autos verkaufen. „Wir werden zwischen fünf und zehn Prozent in diesem stagnierenden Markt wachsen und damit Segmentanteile gewinnen“, sagte Peter.

„Wir haben leichte Signale, dass sich die Bedingungen am chinesischen Markt in den kommenden Wochen, vielleicht schon im Mai, entspannen könnten“, sagte VW-Chinachef Stephan Wöllensteins schon am Montag. VW ist als Hersteller kleiner und mittlerer Fahrzeuge am stärksten von der Kaufzurückhaltung in China betroffen.

Im vergangenen Jahr hatte der chinesische Automarkt zum ersten Mal seit mehr als zwanzig Jahren einen Rückgang verzeichnet. Vor allem der Zollstreit zwischen den USA und China verunsicherte Verbraucher und ließ sie beim Kauf zögern.