1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Bund rechnet wegen Corona für 2020 mit Wirtschaftsminus von 6,3 Prozent

Düstere Frühjahrsprognose : Die Wirtschaft befindet sich im freien Fall

Die Bundesregierung erwartet 2020 einen Einbruch um 6,3 Prozent. Wirtschaftsminister Altmaier ist für 2021 dennoch optimistisch.

Die deutsche Wirtschaft ist durch die staatlich verordneten Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie im Sturzflug, könnte sich aber auch verhältnismäßig schnell wieder erholen. Davon geht die Bundesregierung in ihrer Frühjahrsprognose aus, die der zuständige Minister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Nachfolgend die wichtigsten Punkte im Überblick.

Wie fällt die Prognose aus? Nach den Worten von Wirtschaftsminister Altmaier erwartet die Regierung für dieses Jahr die „schwerste Rezession“ in der Geschichte der Bundesrepublik. Demnach geht das Bruttoinlandsprodukt um 6,3 Prozent zurück. Damit würde das Minus deutlich stärker ausfallen, als es die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute noch Anfang April mit minus 4,2 Prozent vorausgesagt hatten. Bei ihrer Frühjahrsprognose vor einem Jahr war die Bundesregierung für 2020 noch von einem Wachstumsplus von 1,5 Prozent ausgegangen. Wegen der zunehmenden globalen Wirtschaftsprobleme wurde dieser Wert dann im Herbst auf ein Prozent korrigiert.

Welche Annahmen liegen der Vorhersage zugrunde? In der Prognose sind die seit März verhängten Beschränkungen sozialer Kontakte sowie zwangsweise Betriebsschließungen berücksichtigt. Ab Mai wird eine schrittweise Lockerung der Verhaltensmaßnahmen unterstellt. Aufs gesamte Jahr gerechnet wird ein Rückgang des Exports um 11,6 Prozent erwartet. Auch der private Konsum bricht um mehr als sieben Prozent ein. Im vergangenen Jahr waren die Konsumausgaben der privaten Haushalte noch um 1,6 Prozent gestiegen.

Was ist für den Arbeitsmarkt zu erwarten? Seit 2015 hat sich die Zahl der Erwerbstätigen kontinuierlich erhöht. Zuletzt waren es gut 45 Millionen. Nun sagt die Bundesregierung erstmals wieder einen Rückgang voraus. Im Vergleich zu 2019 werden demnach 370 000 Personen weniger einer Arbeit nachgehen. Besonders betroffen seien das Gastgewerbe, der Handel sowie Dienstleistungen einschließlich der Zeitarbeit. Gleichzeitig wird die Zahl der Arbeitslosen um etwa 350 000 steigen. Dass es nicht noch deutlich mehr sind, hängt mit dem weiteren Ausbau der Kurzarbeit zusammen. Hier rechnet die Regierung mit etwa drei Millionen Betroffenen. Das wären mehr als doppelt so viele wie in der Zeit der weltweiten Finanzkrise vor gut zehn Jahren.

Womit rechnet die Regierung im kommenden Jahr? Hier ist man voller Zuversicht. Für 2021 wird bereits wieder ein deutliches Wachstum in Höhe von 5,2 Prozent unterstellt. Voraussetzung dafür ist, dass die Wirtschaft bereits in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres langsam wieder auf Touren kommt. Altmaier warnte deshalb auch vor allzu forschen Lockerungen der Einschränkungen. „Wir müssen unsere Schutzstrategie jetzt intelligent weiterentwickeln“, so der Minister. Dabei dürfe man „nicht überstürzt einen zweiten hohen Anstieg der Infektionszahlen riskieren“.

Sind weitere Hilfsmaßnahmen geplant? Offenkundig ja. Nach den Worten Altmaiers ist hier vor allem an besonders stark betroffene Bereiche wie Kultureinrichtungen und das Gastgewerbe gedacht. Dazu wolle er „geeignete Maßnahmen“ prüfen, so der Minister. Zugleich skizzierte er die Grundzüge eines Vier-Stufen-Plans, in dem es unter anderem um die „Optimierung“ bestehender Hilfen sowie um ein Konjunkturprogramm für die Zeit nach der Krise gehen soll.