1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Brüssel will die Wiederverwendung von Rohstoffen fördern.

Eu will Kreislaufwirtschaft ankurbeln : EU führt „Recht auf Reparatur“ ein

Ab 2021 sollen elektronische Geräte länger verwendet werden. So dürfen Versandhändler etwa zurückgesendete Ware nicht mehr vernichten.

Ob Handys, Laptops oder Tablets – die meisten Geräte werden, wenn sie nicht mehr funktionieren, weggeworfen. Am Mittwoch hat die Europäische Kommission ihr Programm zur Intensivierung der Kreislaufwirtschaft vorgestellt.

Was ist der zentrale Gedanke des neuen Kreislauf-Wirtschaftsgesetzes?

Derzeit werden gerade mal zwölf Prozent der Materialien und Ressourcen wieder in die Wirtschaft eingebracht. Viele Produkte können, selbst wenn der Verbraucher es wollte, nicht wiederverwendet, repariert oder recycelt werden – oder sie waren von vorneherein nur für den einmaligen Gebrauch gedacht. Der EU-Kommissar für Umwelt, Virginijus Sinkevicius, sagte in Brüssel: „Wir haben nur einen Planeten Erde, und doch werden wir bis 2050 so viele Rohstoffe verbrauchen, als hätten wir drei.“

Was will die EU-Kommission dagegen tun?

Das wohl wichtigste Instrument ist das „Recht auf Reparatur“, das ab 2021 verbindlich eingeführt werden soll. Wer dann ein Gerät kauft, wird bereits im Geschäft über die Lebensdauer, die Wiederverwendbarkeit und die Umweltbelastungen informiert. Die Hersteller müssen sich deshalb umstellen. Mobiltelefone, die praktisch nicht repariert werden können, darf es dann nicht mehr geben. Den Unternehmen wird darüber hinaus verboten, ihre Produkte so zu konstruieren, dass sie sozusagen geplant veralten und dann nicht mehr reparabel sind.

Was soll der Kunde denn tun, wenn er ein Gerät nicht mehr benötigt?

Die EU will die Mitgliedstaaten zwingen, ein europaweites Rücknahmesystem für Handys, Tablets, Laptops und Ladegeräte aufzubauen. Dann können die in den Geräten enthaltenen Rohstoffe zurückgewonnen und erneut genutzt werden.

Das betrifft ja nicht nur elektronische Artikel…

Richtig. Die Kommission will beispielsweise die Wiederverwendbarkeit von Textilien stärken. Auch die sollen künftig so hergestellt sein, dass die enthaltenen Rohstoffe zurückgeführt werden und die Kreislaufwirtschaft funktioniert. Das Gleiche gilt für Baumaterial, für Batterien und Fahrzeuge sowie für Lebensmittel. Auch in diesem Bereich will Brüssel erreichen, dass Abfälle vermieden werden oder – soweit möglich – eine Weiterverwendung garantiert ist.

Viele Unternehmen wie Amazon werfen bestellte, aber zurückgegebene Geräte einfach weg.

Sie werden sich umstellen müssen. Denn Brüssel bereitet ein Verbot vor, damit unverkaufte, langlebige Güter nicht mehr einfach auf dem Müll landen. Sie sollen zumindest recycelt, noch besser aber auf anderem Wege erneut angeboten werden.

Nach den Unterlagen der Kommission entfallen derzeit 173 Kilo Verpackungsmaterial auf jeden Bürger – so viel wie nie zuvor. Wie soll dieser Trend gestoppt werden?

In Brüssel wird darüber nachgedacht, Zielvorgaben für die Wirtschaft zu erlassen, um den Druck auf die Hersteller zu erhöhen, damit sie die Produktion wiederverwendbarer Verpackungen beschleunigen. 2030 sollen alle Umverpackungen recycelbar sein. Eine ganz große Rolle spielt dabei die Entsorgung von Plastik. Mikroplastikteilchen, die zu besonders hohen Belastungen der Weltmeere führen, werden nun konsequent eingeschränkt. Auch die unbeabsichtigte Freisetzung in die Umwelt soll gestoppt werden. Um den Kunststoffanteil im Bauschutt sowie bei Fahrzeugen zu minimieren, wird die EU-Kommission feste Recyclingquoten vorschreiben.  

Wie schnell greifen diese Maßnahmen?

Es handelt sich zunächst um eine EU-Strategie, die noch durch konkrete Gesetzesvorschläge untermauert werden muss. Diese sollen im Herbst vorliegen. Sie könnten dann im kommenden Jahr in Kraft treten.