Bostalsee Hotel Seezeitlodge

Neues Hotel Seezeitlodge : Ein neues Top-Hotel am Bostalsee

Am Samstag wird die Seezeit-Lodge eröffnet. Investoren sind die Nachfahren des Pizza-Wagner-Gründers.

Es war kein leichter Weg, zu dem Gottfried Hares und seine Tochter Kathrin Sersch vor etwa sechs Jahren aufbrachen, als die Idee reifte, auf einer Landzunge am Ostufer des Bostalsees ein neues Hotel zu bauen. Doch es sollte nicht irgendeine Herberge werden, sondern ein Gebäudekomplex, der sich der hügeligen Waldlandschaft anpasst und den Gästen einen bislang ungewohnten Blick auf den See bietet. Im Jahr 2011 reifte die Idee allmählich und 2014 wurde der Grundstein gelegt. An diesem Samstag wird das neue Hotel Seezeit-Lodge eröffnet.

Schon die Kategorie „Vier-Sterne-Superior“ deutet an, dass hier nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde. Einen „zweistelligen Millionenbetrag“ hat die Familie Hares in die Lodge und den weitläufigen Spa-, Wellness- und Sauna-Bereich investiert. Das Geld ist vorhanden, denn die Familie Hares/Sersch gehört zu den Nachfahren von Ernst Wagner, dem Begründer von Pizza Wagner. Das Unternehmen ist heute Teil des Nestlé-Konzerns. Hares ist längst aus der Geschäftsführung von Pizza Wagner ausgeschieden. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Wagner Holding, die das Vermögen verwaltet und investiert, das aus dem Verkauf an Nestlé erlöst wurde.

Die Gesellschaft Seezeit-Lodge zu der das neue Hotel gehört, ist jedoch Teil der Hotel-Kultur Betriebs GmbH mit Gottfried Hares und seiner Frau Anette als Gesellschafter. Es wird von Geschäftsführerin Kathrin Sersch und ihrem Mann Christian gemanagt und wird wie jede andere Herberge auch als Wirtschaftsbetrieb geführt. „Es soll kein teures Hobby der Familie sein“, betont Hares. Spätestens im dritten Jahr will man die Gewinnzone erreichen. Rund 60 Frauen und Männer sind in dem neuen Haus beschäftigt. Dennoch schlug auch das saarländische Herz bei dieser Investition mit. Nicht nur die meisten Handwerker kamen aus der Region. „Das ist unsere Heimat und wir hätten uns schwer vorstellen können, ein solches Hotel anderswo zu errichten.“ Auch wenn der Bostalsee trotz einer aufstrebenden Entwicklung nicht gerade zu den ersten deutschen Urlaubs-Adressen zählt.

Sersch rechnet mit einer durchschnittlichen Auslastung von gut 60 Prozent. „Wir sind kein Saison-Hotel, sondern haben ganzjährig geöffnet“, sagt sie. Die Gäste sollen im Umkreis von zwei Autostunden die Seezeit-Lodge erreichen können. Nachfrage aus Deutschland erhofft sich die Geschäftsführerin vor allem aus den Ballungsräumen Rhein-Main und Neckar – also in einem Bogen von Köln über Frankfurt bis Stuttgart. Allerdings sollen auch die Benelux-Länder nicht zu kurz kommen. Sie hofft zudem darauf, dass das Haus für Tagungen und kleinere Kongresse gebucht wird.

Ein wichtiges Alleinstellungs-Merkmal „wird jedoch der Spa- und Wellness-Bereich sein“, erläutert Sersch. Erholungstempel dieser Kategorie seien im Südwesten Deutschlands rar gesät. Der besondere Kick sei, dass „wir uns auf die Kultur der Kelten besinnen wollen, was in der Nachbarschaft zum keltischen Ringwall in Otzenhausen auch naheliegend ist“. So ist der Außensauna-Bereich als Keltendorf angelegt – mit einem Ritualplatz, einer Räucher- und Feuerstelle sowie einer Erdsauna. Außerdem sind in der gesamten Anlage keltische Symbole wie der Lebensbaum, die Spirale oder der Dreiecksknoten zu finden.

Sowohl im Innen- als auch im Außenbereich wurde viel Holz verarbeitet, meist einheimische Gewächse. Das Hotel mit seinen 98 Zimmern und Suiten ähnelt von seinen Außenmaßen bewusst einem riesigen Baumstamm, der auf den Seezungen-Hügel gelegt wurde. Gestaltet wurde es vom Berliner Architekten-Büro Graft. Dessen Inhaber zählen in der Hauptstadt zu den „Popstars unter den Architekten“, unter anderem, weil sie schon mit Hollywood-Star Brad Pitt zusammengearbeitet haben. Für das Innendesign zeichnet die Stuttgarter Architektin Birgit Nicolay verantwortlich, die bereits zahlreichen Hotels und Restaurants ihren architektonischen Stempel aufgedrückt hat.

Obwohl Geld und Know vorhanden waren, „lief nicht alles wie von selbst“. Vor allem die Auflagen des Naturschutzes bereiteten Kopfzerbrechen. So musste eine Graureiher-Kolonnie umgesiedelt werden. Ihnen wurden neue Nester spendiert. Doch die Vögel waren eigenwillig. Am Ende bauten sie sich eigene Nistplätze, „nutzen aber das Material der von uns gebauten Nester“, erinnert sich Sersch. So musste sie lernen, dass nicht nur Hotelgäste, sondern auch Vögel ihre eigenen Vorstellungen vom Wohnen haben.