„Bewerber sollten authentisch wirken“

Saarbrücken · Personal-Fachmann Matthias Siegwardt von der Sparkasse Saarbrücken gibt Tipps für die Bewerbung.

 Matthias Siegwardt macht jungen Leuten Mut, sich zu bewerben, auch wenn sie sich keine großen Chancen ausrechnen. Foto: Oliver Dietze

Matthias Siegwardt macht jungen Leuten Mut, sich zu bewerben, auch wenn sie sich keine großen Chancen ausrechnen. Foto: Oliver Dietze

Foto: Oliver Dietze

Nach Schule oder Studium heißt es früher oder später rein ins Berufsleben. Doch vor der Karriere kommt erst einmal die Bewerbung, in der man sich möglichst gut präsentieren muss, um eine Chance auf den erhofften Job zu haben. Mit diesem Thema kennt sich Matthias Siegwardt bestens aus. Der 47-Jährige arbeitet seit zwölf Jahren in der Personalabteilung der Sparkasse Saarbrücken. Er ist für die Auszubildenden im Betrieb zuständig und hat schon viele Bewerbungen gelesen und Bewerbungsgespräche geführt.

"Das Wichtigste ist, dass Bewerber authentisch wirken. Sowohl bei der Bewerbung als auch im Gespräch", erklärt Siegwardt. "Sie sollen sich dabei so darstellen, wie sie sind. Besonders ein Interesse am potenziellen Arbeitgeber sollte zu erkennen sein. Schließlich wollen sie sich selbst ja empfehlen", sagt er und ergänzt mit einem Lächeln: Im Anschreiben "sollte auf die Rechtschreibung natürlich auch geachtet werden."

Bei Online-Bewerbungen, wie sie auch die Sparkasse Saarbrücken nutzt, ist es wichtig, den Text des Anschreibens individuell zu gestalten. Denn nur der unterscheidet sich im Formular von den Bewerbungen der Konkurrenten. Bei klassischen Bewerbungsmappen muss neben dem Inhalt vor allem auf Struktur und Übersichtlichkeit geachtet werden. Denn "da zählt der erste Eindruck".

Bilder sind bei Bewerbungen nicht mehr zwingend erforderlich. "Es kommt nicht auf das Aussehen, sondern die Qualifikation an. Dabei zählen aber nicht alleine die Noten", sagt der 47-Jährige. Zwar lege jedes Unternehmen ein Augenmerk auf die Fächer, die für den täglichen Betrieb wichtig sind, im Falle der Sparkasse sind das Deutsch und Mathe. Ein Ausschlusskriterium seien schlechtere Schulleistungen jedoch nicht. "Hat man ein schwächeres Fach, sollte man das aktiv im Schreiben aufarbeiten. Etwa, wie man vorhat, daran etwas zu ändern", sagt er. Auch Praktika und andere Erfahrungen beeinflussen die Auswahl. So sollen Praktikums-Bescheinigungen und Zertifikate, die für den Beruf sinnvoll sind, angehängt werden. Immer gerne gesehen sind beispielsweise Zertifikate in Fremdsprachen.

Überzeugt eine Bewerbung, folgt die nächste Hürde. Bei der Sparkasse geht es nicht direkt zum Vorstellungsgespräch. Vorher müssen die potenziellen Azubis einen Eignungstest absolvieren - von zu Hause aus. "Wir schicken den Kandidaten den Link zum Test zu. Es ist natürlich Vertrauenssache, dass der Test alleine gemacht wird. Aber im Gespräch stellen wir Kontrollfragen, die das überprüfen", erklärt Siegwardt.

Ist auch diese Stufe gemeistert, dürfen die ausgewählten Bewerber zu den Gesprächen. Die Sparkasse führt dabei sowohl Gruppen- als auch Einzelgespräche. "In der Gruppe wollen wir die sozialen Kompetenzen und die Teamfähigkeit der Teilnehmer herausfinden", sagt der Azubi-Beauftragte, der die Gespräche mit vier weiteren Beobachtern führt. Dabei geht es neben der Authentizität um das Auftreten: an das Unternehmen angepasste Kleidung, Augenkontakt bei der Begrüßung und im Gespräch, Höflichkeit, keine verkrampfte Körperhaltung. "Es gibt keine perfekten Antworten auf die Fragen. Und Fehler machen teilweise auch sympathisch. Das Gesamtbild muss am Ende passen", sagt Siegwardt und ergänzt: "Fragen zum Unternehmen spielen auch eine wichtige Rolle. Die belegen ein Interesse am Beruf."

Ob es am Ende reicht, hängt bei der Sparkasse von einem Bewertungsraster ab. Für diejenigen, die glauben, sie hätten keine Chance, hat Siegwardt einen weiteren Tipp. "Habt Mut zu Bewerbungen. Denkt nie, die nehmen mich sowieso nicht. Das Schlimmste, was passieren kann, ist eine Absage." Doch vielleicht wartet nach der nächsten Bewerbung auch der Traumjob.

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